Das von der französischen Rüstungsdirektion DGA geführte Barracuda-Programm hat einen weiteren entscheidenden Meilenstein erreicht: Beim Atom-U-Boot (SNA) „De Grasse”, dem vierten Boot der Klasse, wurde erstmals die nukleare Reaktoranlage in Betrieb genommen. Das Boot befindet sich derzeit in der Endfertigung und Erprobungsphase bei Naval Group in Cherbourg.
Der sogenannte „Divergenz”-Vorgang bezeichnet das erstmalige Einleiten einer kontrollierten nuklearen Kettenreaktion im Reaktorkern des Antriebs. Mit diesem Schritt beginnt für das U-Boot eine Einsatzdauer von mehreren Jahrzehnten im aktiven Dienst.
Die nukleare Reaktoranlage wurde unter der Verantwortung des französischen Kommissariats für Atomenergie und alternative Energien (CEA) entwickelt und realisiert. Das Hochfahren des Reaktors erfolgte durch Teams von Naval Group und Technic Atome, unterstützt von der zukünftigen Besatzung des U-Bootes. Vorausgegangen war die Genehmigung durch die zuständige Behörde für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz im Verteidigungsbereich (DSND).
Wie ihre Vorgänger verfügen auch die Jagd-U-Boote des Barracuda-Programms über einen nuklearen Antrieb, der ihnen außergewöhnliche Reichweite und hohe operative Diskretion verleiht. Gegenüber der vorherigen Rubis-Klasse sind sie schneller, ausdauernder und deutlich vielseitiger. Zusätzlich verfügen sie über Fähigkeiten zum Einsatz von Spezialkräften sowie zur Bekämpfung von Landzielen in mehreren hundert Kilometern Entfernung mittels seegestützter Marschflugkörper.
Die „De Grasse” wurde im Mai 2025 aus der Bauhalle von Naval Group in Cherbourg auf das Ausdock- und Stapelsystem verlegt. Das Hochfahren der Reaktoranlage stellt einen zentralen Schritt zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit des nuklearen Antriebs dar und erfolgt vor den geplanten Seetests. Diese sollen im ersten Halbjahr 2026 beginnen und der Vorbereitung der Übergabe an die französische Marine dienen.
Das Barracuda-Programm
Im Rahmen des Barracuda-Programms hat die DGA insgesamt sechs nuklear angetriebene Jagd-U-Boote bestellt. Sie sollen bis 2030 die bislang eingesetzten SNA der Rubis-Klasse ersetzen, die seit den 1980er-Jahren im Dienst stehen. Die ersten drei Einheiten – „Suffren”, „Duguay-Trouin” und „Tourville” – wurden im Juni 2022, April 2024 beziehungsweise Juli 2025 in den aktiven Dienst übernommen.
Die beiden verbleibenden Boote, „Rubis” und „Casabianca”, befinden sich derzeit in unterschiedlichen Bauphasen. Ihre Auslieferung ist bis 2030 vorgesehen und erfolgt im Einklang mit dem französischen Militärplanungsgesetz 2024–2030.
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