In Berlin‑Mitte nimmt ein besonderes Wohnbauprojekt konkrete Gestalt an: In der Berolinastraße entsteht ein queeres Frauenwohnprojekt mit 72 Wohnungen, das sozialen Nutzungen und Gemeinschaftseinrichtungen Raum geben soll und bereits in Kürze bezugsfertig werden könnte.

Baustand in der Berolinastraße 9-11 in Berlin-Mitte im Herbst 2025

Baustand im Herbst 2025: Der Neubau in der Berolinastraße 9-11 in Berlin-Mitte nähert sich seiner Fertigstellung. Die WBM realisiert hier gemeinsam mit der Rad und Tat Berlin gGmbH ein queeres Frauenwohnprojekt mit 72 bezahlbaren Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und einer Pflege-Wohngemeinschaft. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Visualisierung Titelbild: GSAI

 

In der Berolinastraße 9–11 in Berlin‑Mitte hat der Neubau eines queeren Frauenwohnprojekts in den vergangenen Monaten erkennbare Konturen angenommen. Nun nähert sich das siebenstöckige Gebäude seiner Fertigstellung.

Das Vorhaben wird von der Wohnungsbaugesellschaft Berlin‑Mitte mbH (WBM) gemeinsam mit der Initiative Rad und Tat Berlin gGmbH (RuT) umgesetzt. Bereits im vergangenen Frühjahr hatte das Richtfest stattgefunden, bei dem Vertreterinnen aus Politik, Projektpartnerinnen und Anwohnende den sichtbaren Baufortschritt feierten.

Über 70 Mietwohnungen entstehen in der Nähe des Alexanderplatzes

Der Neubau umfasst 72 Mietwohnungen, die überwiegend gefördert werden und sich an lesbische und queere Frauen richten sollen. Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Schaffung von sicherem, bezahlbarem Wohnraum in zentraler Lage – ein seltenes Angebot in Blickweite des Alexanderplatzes. Die Nettokaltmieten sollen bei rund sieben Euro pro Quadratmeter liegen, was für die Innenstadtlage vergleichsweise niedrig ist.

Neben den Wohnräumen sind gemeinschaftlich nutzbare Flächen vorgesehen: ein Veranstaltungssaal, ein Kiez‑Café und Beratungsräume im Erdgeschoss sollen als Treffpunkte für Bewohnerinnen und die weitere Nachbarschaft dienen. Darüber hinaus sieht das Konzept eine Pflege‑Wohngemeinschaft für ältere oder pflegebedürftige lesbische Frauen vor, einschließlich ambulanter Pflegeangebote im Haus.

Soziale Stadtentwicklung im Blick: Wohnen, Kultur, Beratung und Pflege unter einem Dach

Das Projekt versteht sich nicht nur als Antwort auf Wohnraummangel, sondern auch als Beitrag zu inklusiver sozialer Stadtentwicklung: Die Mischung aus Wohnen, Kultur, Beratung und Pflege soll den Alltag seiner Nutzerinnen und zugleich den öffentlichen Raum bereichern. Ein zentrales soziokulturelles Zentrum im Erdgeschoss soll künftig als Anlaufstelle für die LSBTIQ+‑Community, aber auch für Nachbarschaftsarbeit und kulturelle Initiativen dienen.

Vertreterinnen der beteiligten Institutionen hatten bei früheren Gelegenheiten hervorgehoben, dass es sich bei diesem Projekt um mehr als ein Wohngebäude handele: Es solle ein Ort der Begegnung, der Teilhabe und der Sichtbarkeit werden. Die Diversitätsorientierung wird durch Unterstützungsprogramme der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und des Bezirksamts Mitte gefördert.

Neubau in der Berolinastraße soll in Kürze bezugsfertig sein

Architektonisch fällt das Gebäude bislang eher durch seine schlichte Fassadengestaltung auf, die offenbar Funktionalität über expressive Gestaltung stellt. Dennoch gilt das Projekt als Beispiel dafür, wie soziale Ziele mit realen städtischen Bauprozessen verknüpft werden können.

Sollte der Zeitplan gehalten werden, wird der Neubau der Berolinastraße bereits in wenigen Wochen bezugsfertig sein, und damit ein neues Kapitel im Berliner Wohnungsbau aufschlagen, das soziale Inklusion und gemeinschaftliche Nutzungen in den Mittelpunkt stellt.

Quellen: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement, RuT – Frauen Kultur & Wohnen