Dreckige Teller, leere Gläser, ein paar Flaschen, ein kleiner Blumenstrauß – bei Daniel Spoerri († 94) sind sie große (Anti-)Kunst. Seine Werke nannte er „Fallenbilder“, flüchtige Alltagsszenen für immer fixiert. Rund 130 seiner Arbeiten sind derzeit in der Sammlung Falckenberg zu sehen.

Daniel Spoerri, am 27. März 1930 im rumänischen Galati als Daniel Feinstein geboren, ist mit Yves Klein, Jean Tinguely und anderen Unterzeichner des Manifests des Nouveau Réalisme. 1959 lebte er für einige Jahre im Pariser „Hôtel Carcassonne“. Ein besonderer Ort der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, denn hier begann Spoerri mit seinen „Fallenbildern“ – den „Tableaux-pièges“, die ihn berühmt machten.

Spoerri schuf eingefrorene Momentaufnahmen

Der Alltag sollte wie in einer Falle gefangen werden: Geschirr, Reste von Mahlzeiten, das, was von abendlichen Gelagen im Freundeskreis übrig blieb – alles wurde fixiert und zum Kunstwerk erklärt. Eingefrorene Momentaufnahmen – ein eigenes Bildgenre ganz im Sinne des Neuen Realismus.

Reste, aber auch Kunst: „Bistro der Santa Marta ,Romance I‘: Fuchsia“ aus dem Jahr 2014 VG Bild-Kunst/Galerie LEVY

„Bistro der Santa Marta ,Romance I‘: Fuchsia“ aus dem Jahr 2014Reste, aber auch Kunst: „Bistro der Santa Marta ,Romance I‘: Fuchsia“ aus dem Jahr 2014

Die „Fallenbilder“ des 2024 in Wien verstorbenen Schweizers sind heute weltbekannt. Die Reste eines Frühstücks mitsamt dem Frühstückstisch? Eine Ikone der modernen Kunst! „Spoerri wollte das Leben so festhalten, wie es ist“, so Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow. Aber Spoerri erschuf auch andere Werkzyklen wie die „Détrompe-l’oeils“, Eat-Art-Aktionen und seine legendären Bankette.

Rund 130 Werke werden ausgestellt

Die Ausstellung „Daniel Spoerri. Ich liebe Widersprüche“ in der Sammlung Falckenberg zeigt rund 130 Werke von Daniel Spoerri aus den Jahren 1961 bis 2023 im Dialog mit Kunst aus der Sammlung – darunter etwa Jonathan Meese, Ray Johnson und Dieter Roth.

Das könnte Sie auch interessieren: Von der Göttin zum Klick-Star: „Katzen!“ – Ausstellung in Hamburg

Zu sehen sind auch selten präsentierte Werkgruppen wie seine Brotteigobjekte oder die Serie „Morduntersuchungen“. Dazu kommen jüngere Arbeiten wie die „Fadenscheinigen Orakel“ – Kunst eines Mannes, der die Widersprüche liebte. „Der Widerspruch zwischen der Schwerkraft und der Schwerelosigkeit nahm mich gefangen“, hat er einmal gesagt. Ein großer Künstler – mit ganz subtilem Humor. Allerdings: „Bitte beachten Sie, dass in dieser Ausstellung auch Werke zu sehen sind, die für Kinder nicht geeignet sind und die manche Menschen als verstörend empfinden können“, heißt es auf deichtorhallen.de.

Sammlung Falckenberg: bis 26.4., die  Sammlung kann im Rahmen von Führungen besucht werden, am 3.1. etwa um 12 Uhr (Sammlungsführung) und 15 Uhr (Führung Daniel Spoerri), außerdem sonntags von 12-17 Uhr ohne vorherige Anmeldung, 11 Euro

Der Plan7 vom 2. Januar 2026 MOPO

Der Plan7 vom 2. Januar 2026Der Plan7 vom 2. Januar 2026

Dieser Tipp kommt aus Plan7, der Kultur- und Veranstaltungsbeilage in der neuen WochenMOPO (jeden Freitag neu am Kiosk, hier im günstigen Kennenlern-Abo). Plan7 – das sind 28 Seiten voller Kultur und Inspiration für Ihre Freizeit: Kultur-Tipps für jeden Tag der Woche, Tipps für Gastro-Fans und für Hamburg- und Umland-Entdecker. Dazu gibt’s Interviews und Verlosungen für Konzerte, Lesungen, Shows und mehr.