Fast schon unbemerkt verschiebt James Cameron mit „Avatar: Fire And Ash“ den zentralen Konflikt seiner Sci-Fi-Saga ein entscheidendes Stück. Das macht den Kampf um Pandora erst mal existenzieller, teasert aber auch eine optimistischere Zukunft.

In den ersten beiden „Avatar“-Filmen war die Motivation der Menschen klar. Auch wenn James Cameron in der Extended-Fassung seines Reihenauftakts „Aufbruch nach Pandora“ Szenen der trostlosen Erde zeigt, auf die er in der Kinoversion noch verzichtet hat, geht es der RDA trotzdem vor allem um Profit und Ressourcen. Parker Selfridge (Giovanni Ribisi) ist ein Geschäftsmann, ein von Gewinnzahlen getriebener Funktionär.

Avatar 3: Fire And Ash“ setzt hier zwar an, verschiebt aber den Fokus deutlich. Es geht im großen Action-Bombast etwas unter, doch ein höchst interessanter Aspekt von „Avatar 3“ ist die Zerrissenheit der menschlichen Invasoren. Dass Quaritch (Stephen Lang) nur von Rache getrieben ist, wird offensichtlich. Aber auch die RDA und das Militär ziehen nicht mehr an einem Strang, was der Konflikt zwischen Selfridge und General Ardmore (Edie Falco) offenbart.

Pandora als letzte Zuflucht einer sterbenden Erde

Das hat einen Grund: Die Erde ist nicht mehr nur auf dem falschen Weg, wie es in den vorherigen Filmen noch erklärt wurde. Sie ist faktisch verloren. Sie ist toxisch, überbevölkert und ökologisch kollabiert. Ein Weiterbestehen der Menschheit wird dort schon zeitnah nicht mehr möglich sein. Pandora wird damit zur letzten realistischen Überlebensoption für die Menschheit, wie im Verlauf von „Fire And Ash“ deutlich wird.

Dieser Perspektivwechsel macht den Konflikt radikaler: Die Menschen handeln nicht mehr nur aus Gier, sondern aus existenzieller Verzweiflung. Die RDA muss jetzt ein neues Ziel verfolgen: Pandora für Menschen bewohnbar machen – und das nicht nur punktuell, nicht wirtschaftlich begrenzt, sondern als Ersatzheimat. Die „Avatar“-Reihe war schon von Beginn an stark von kolonialistischen Themen beeinflusst, wie der Eroberung des Wilden Westens durch Weiße. Doch wie in Realität war das nicht von einem Zwang, sondern von starker Machtgier getrieben. Jetzt wurde es um eine interessante Komponente erweitert: die Rechtfertigung durch Notwendigkeit.

„Fire And Ash“ bereitet einen neuen Blick auf den Krieg vor

Das ist ein unglaublich faszinierende Aspekt an „Avatar 3“, der sich erst nach und nach hinter all der Bildgewalt offenbart. Cameron öffnet damit die Tür für bewusst ambivalente Töne. Es ist sicher kein Zufall, dass ausgerechnet „Fire And Ash“ böse Na’vi einführt und so bereits deutlich macht, dass der Konflikt nicht an Spezies-Grenzen entlangläuft.

Auch der Blick auf die Menschen verändert sich. Sie sind weiter Täter, aber eben nicht durchweg eindimensionale Monster. Dass sie um das Überleben ihrer Spezies kämpfen, macht ihr Handeln ein Stück weit verständlicher. Viele Momente in „Fire And Ash“ bereiten in diesem Zusammenhang womöglich auch einen Richtungswechsel für die Zukunft der Reihe vor.

„Avatar 3“ bereitet die gemeinsame Zukunft von Na’vi und Menschen vor

Schon im ersten Film gab es mit u. a. Norm Spellman (Joel David Moore), Dr. Max Patel (Dileep Rao), Trudy Chacon (Michelle Rodriguez) und allen voran natürlich Grace (Sigourney Weaver) und Jake (Sam Worthington) Menschen, die sich auf die Seite der Na‛vi schlugen. In „Fire And Ash“ kommt hier Dr. Garvin (Jemaine Clement) dazu. Doch die wichtigste Rolle spielt sicher die Entwicklung um Spider (Jack Champion), der als erster Mensch auf Pandora selbstständig atmen kann. In „Avatar 3“ wird noch die daraus resultierende Gefahr für die Na‛vi unterstrichen. Das Wissen, wie das geht, könnte die Expansion der Menschen unaufhaltsam machen. Jake und Neytiri (Zoe Saldaña) planen sogar zeitweise, Spider deswegen zu töten.

Doch wir gehen fest davon aus, dass Cameron hier die Saat für eine starke Veränderung legt. Fokussieren sich bislang alle drei „Avatar“-Filmen auf einen Krieg zwischen den beiden Spezies, könnte es schon in „Avatar 4“ aber spätestens in „Avatar 5“ um das gemeinsame Überleben gehen. Es ist jetzt fest etabliert, dass die Menschheit sterben wird, wenn sie nicht auf Pandora eine neue Heimat findet. Wir können uns nicht vorstellen, dass Jake Sully dabei tatenlos zuschauen wird. Seine Mission wird sein, die übrigen Na’vi zu überzeugen, irgendwann die Menschen aufzunehmen und eine Co-Existenz zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

So könnte „Avatar 5“ die Reihe beenden

Wir wissen bereits, dass Neytiri in einem der kommenden beiden Teile auf die Erde reist und das Leid dort mit eigenen Augen sieht. Es wird womöglich ihre Augen öffnen und sie erkennen lassen, dass man den vielen unschuldigen Menschen helfen muss.

Womöglich zeigt „Avatar 5“ gar keinen Krieg mehr, sondern ist im Stil eines Katastrophenfilms ein Wettlauf gegen die Zeit, um möglichst viele Menschen von der Erde zu bekommen. Es wäre kein Gut-gegen-Böse mehr, sondern ein optimistischerer Film über das, was man erreichen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht.

Wir müssen uns überraschen lassen, doch die Richtungsänderung ist bereits am Horizont zu sehen – und das genau zur richtigen Zeit. Schließlich kann man nicht unendlich oft denselben Krieg zwischen den menschlichen Eindringlingen und den einheimischen Na’vi zeigen. Ein Frieden und ein gemeinsames Ziel wäre da eine willkommene Storytelling-Abwechslung.

Was uns die Stars derweil über „Avatar 4“ schon einmal verraten haben, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

„Wir gehen in eine unerwartete Richtung“: Das haben uns die „Avatar 3“-Stars über „Avatar 4“ verraten