Obwohl sich der ehemalige HUR-Chef selbst nie öffentlich zu politischen Ambitionen äußerte, wurden sie ihm häufig nachgesagt. In Umfragen ist er neben dem ehemaligen Armeechef Walerij Saluschnyj der einzige Kandidat, der Selenskyj in einer Stichwahl schlagen könnte. Laut dem ukrainischen Meinungsforschungsinstitut Socis würden 56 Prozent der Befragten ihm gegenüber Selenskyj den Vorzug geben.
Dass er nun näher an den Präsidenten heranrückt, könnte politisch zweierlei Folgen für ihn haben. Einerseits bindet sich Budanow mit dem neuen Amt an das politische Schicksal Selenskyjs. Ist dieser erfolgreich, könnte es in Zukunft auch Budanow sein, wenn er sich zu Höherem berufen fühlen sollte. Andererseits aber könnte Selenskyj mit dieser Ernennung einen möglichen Konkurrenten besser kontrollieren.
Ende Dezember erklärte er dem Sender Suspilne zudem, dass Russland im Jahr 2026 die Eroberung des Donbass sowie der Region Saporischschja forcieren werde. Gleichzeitig verschärfen sich laut Budanow die wirtschaftlichen Probleme Russlands. Das Land befinde sich seit dem Frühjahr in einer stabilen Rezession. Entsprechend wachse auch der interne Druck. In Putins Umfeld gebe es inzwischen „sehr viele Stimmen, die sagen, dass dieser Krieg beendet werden muss“, so Budanow.
Vor diesem Hintergrund bezeichnet er einen Verhandlungsprozess als unausweichlich. Das zentrale Hindernis bleibe dabei „die territoriale Frage“. Russland fordert von Kiew unter anderem die Aufgabe des Donbass, was die ukrainische Führung ablehnt.
Ein mögliches Zeitfenster für Fortschritte sieht Budanow im Februar: Dieser Zeitraum sei „rechnerisch der günstigste für beide Seiten“, unter anderem wegen militärischer Faktoren und der Heizperiode. Zugleich warnt er vor Illusionen: „Ein Kompromiss ist dann erreicht, wenn beide Seiten unzufrieden auseinandergehen.“
Viel Zeit zur Eingewöhnung im neuen Amt wird Budanow wohl nicht haben. An diesem Samstag trafen sich nationale Sicherheitsberater in Kiew, um über die weitere Unterstützung der Ukraine zu beraten. Laut Selenskyj haben 15 Länder, Vertreter der EU und der Nato ihre Teilnahme zugesagt. Das US-Team werde online zugeschaltet, sagte der Präsident.