1. serienjunkies
  2. News
  3. Film

DruckenTeilen

Ein Film über den Horror des Alterns – körperlich, seelisch, gesellschaftlich. Und über eine Frau, die sich selbst zerstückelt.

Regisseurin Coralie Fargeat hat mit „The Substance“ einen Body-Horror geschaffen, der weit über das Genre hinausreicht. Nachdem der Film 2024 bei Mubi als Arthouse-Titel Aufsehen erregte, erreicht er seit dem 1. Januar 2026 durch Paramount+ ein größeres Publikum. Bei den Filmfestspielen von Cannes gewann Fargeat den Regiepreis, während Hauptdarstellerin Demi Moore („Landman“) für ihre kompromisslose Performance Standing Ovations erhielt. Auf Rotten Tomatoes hat der Film aktuell 89 Prozent Zustimmung, während Metacritic mit einem Durchschnitt von 78 Punkten ähnlich euphorisch reagiert. IMDb-Nutzer bewerten „The Substance“ mit 7,2 von 10 Punkten.

 Margaret Qualley in „The Substance“ Margaret Qualley in „The Substance“ © IMAGO / Landmark Media

Demi Moore (als Elizabeth Sparkle) liefert ihre intensivste Darstellung seit Jahrzehnten: eine gealterte TV-Ikone, die sich in einer biotechnologischen Selbstoptimierung verliert. Margaret Qualley („The Leftovers“) verkörpert als Sue das jüngere, makellose Abbild derselben Frau – ein Spiegel, der zurückschlägt. Beide Darstellerinnen synchronisieren ihre Körper und Bewegungen in unheimlicher Perfektion. Wo Moore das Fragmentierte zeigt – Haut, Fleisch, Eitelkeit –, bringt Qualley den aggressiven Glanz des Neuen. Ihre Interaktion ist keine Rivalität, sondern ein ritueller Tanz zwischen Selbsthass und Sehnsucht. Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken (Affiliate-Link)

Zwischen Cronenberg und Aronofsky: der neue Körper als Labor

Inhaltlich wurzelt „The Substance“ klar in der Tradition von David Cronenberg („Videodrome“, „The Fly“) und Darren Aronofsky („Black Swan“). Doch Fargeat geht weiter: Ihr Film versteht Körper nicht nur als Metapher, sondern als Ware, die der Markt verschlingt. Hier wird chirurgische Ästhetik zum Kannibalismus. Blut und Glamour fließen ineinander, während die Kamera gläsern und kalt bleibt. Die sterile Farbpalette erinnert an „Under the Skin“, der körperliche Ekel an Julia Ducournaus „Titane“ – doch Fargeats feministische Perspektive bricht die männlich konnotierte Horrorästhetik auf. Keine Lust auf Horror? Fünf Oscars und Goldene Palme: Dieser gefeierte Film kann jetzt endlich gestreamt werden

Mehr als Schockkino: ein Kommentar über weibliche Autonomie

„The Substance“ ist kein Splatter, sondern soziale Satire. Der Film zeigt, wie Leistungsdruck und Selbstoptimierung in ein neues Zeitalter des Horrors führen: nicht mehr von außen, sondern aus dem eigenen Fleisch. Elizabeth Sparkle will nicht ewig jung – sie will Teile ihres Selbst auslagern. Die Technologie, die ihr dies ermöglicht, erinnert an Schönheitsrituale der Gegenwart: tägliche Selbstvermessung, Filter, Fitness, Chirurgie. Fargeat zeigt: Die Grenze zwischen Körperpolitik und Körperhorror ist längst überschritten.

Moderne Meisterwerke des Schreckens – diese 10 Horrorfilm-Geheimtipps sollte jeder kennenKennen Sie diese Horror-Perlen bereits? Raw, Heraditary und Trail to Busan.Fotostrecke ansehen

Dass Paramount+ „The Substance“ ins Programm aufgenommen hat, ist mehr als ein Kuriosum des Lizenzmarkts: Es signalisiert einen Paradigmenwechsel. Body-Horror, lange im Nischensegment der Filmfestivals verortet, erreicht nun wieder das Massenstreaming. Wo Cronenberg einst provozierte, schafft Fargeat emotionales Mitgefühl im Grauen. Der Film wurde 2025 mehrfach ausgezeichnet – etwa mit dem Golden Globe für das Beste Drehbuch und dem International Horror Critics’ Award. Zudem gab es fünf Oscar-Nominierungen und einen Gewinn für „Best Achievement in Makeup and Hairstyling“. Zuschauer sprechen von „unangenehmer Schönheit“, Kritiker von einem der wichtigsten Körperfilme der Gegenwart. Ebenfalls nicht verpassen: Das Horror-Highlight 2025 kann endlich gestreamt werden

Der Film gehört zu einer Bewegung, die den weiblichen Körper als politische Zone neu kartiert – vergleichbar mit Werken wie „Men“, „Swallow“ oder „Resurrection“. Doch keine dieser Produktionen legt den Finger so gezielt in die offene Wunde des Alterns. Der Zusammenbruch des Körpers wird hier zur kollektiven Erfahrung. Wer mit Social-Media-Perfektion, Schönheitsfiltern und Selbstinszenierung lebt, erkennt sich in Elizabeth wieder – und das ist das eigentlich Unheimliche.

Demi Moore in The SubstanceDemi Moore in „The Substance“ © IMAGO / Landmark Media

„The Substance“ ist Kunstfilm, Horrorstück und Anatomie des Erfolgswahns zugleich. Demi Moore beweist mit Entrücktheit und Mut, warum sie zu den großen Schauspielerinnen ihrer Generation zählt. Margaret Qualley ist ihr physisches Gegenbild – geschmeidig, gefährlich, perfekt. Gemeinsam erschaffen sie ein Bild, das nicht mehr zu löschen ist. Wer den Horror von innen heraus verstehen will, findet hier sein Meisterwerk. Düsterer als jeder Horrorfilm: Diese Netflix-Serie lässt euch nicht schlafen