Bei ihrer Weindorf-Premiere holten die Masalci-Brüder den Publikumspreis. Ihr Stammsitz, das Vaihinger Wirtshaus, überzeugt mit bodenständiger Küche, findet unser Tester Uwe Bogen.

Sie kamen, sahen, siegten: Sezer und Enis Masalci traten im vergangenen Jahr erstmals beim Weindorf an – und holten zum Start den Publikumspreis für die beste Laube, ihrem Rädle. Ein Überraschungserfolg, der neugierig macht auf den Stammsitz der Brüder: das Vaihinger Wirtshaus.

Die Geschichte der Familie Masalci steht für Ehrgeiz und Ehrlichkeit. Die Großeltern kamen einst aus der Türkei nach Stuttgart, arbeiteten bei Neoplan und Züblin. Ihr Sohn Ergin und Ehefrau Zehra machten aus einer alten Apotheke das Gasthaus Drive. Die dritte Generation wuchs zwischen Gastraum und Küche auf. Die Brüder Sezer und Enis Masalci lernten im Graf Zeppelin beziehungsweise im Pullman Fontana.

Kellner mit dem Essen im Vaihinger Wirtshaus. Foto: ubo Die Söhne machten aus dem Drive der Eltern das Vaihinger Wirtshaus

Aus dem Drive der Eltern, seit 1995 fest im Stadtteil verwurzelt, ist das Vaihinger Wirtshaus der Söhne geworden, das mehr sein will als ein Restaurant, nämlich auch ein kultureller Treffpunkt, Veranstaltungsort, Nachbarschaftszentrum. Frische, regionale und saisonale Produkte stehen im Mittelpunkt. Tradition ist hier nicht nur ein Blick zurück, sondern wird weitergedacht.

Die Speisekarte steht für Vielfalt: schwäbische Klassiker, Soulfood wie Burger oder Chicken Wings , Pizzen, dazu vegane Gerichte wie hausgemachte Falafel . Die Preise sind fair, gemessen an Qualität und Handwerk.

Alles schmeckt unverkennbar schwäbisch

Ein Prüfstein jeder schwäbischen Küche sind Linsen mit Spätzle (hier für 16,80 Euro). Sie bestehen mit Bravour. Die Linsen sind tief, erdig, sauber abgeschmeckt, nicht zerkocht. Die Spätzle sind zwar nicht handgeschabt, aber weich und zugleich bissfest. Alles schmeckt unverkennbar schwäbisch – und gerade darin liegt die Pointe: zubereitet von einem Koch mit türkischen Wurzeln, der die Küche seiner Wahlheim mit eigener Handschrift interpretiert.

Das Essen wird zubereitet.

Auch das Rumpsteak (300 Gramm für 29,80 Euro) überzeugt: deutsches Rind, mit schönem Fettrand gebraten, der für Saftigkeit und Aroma sorgt. Dazu eine eigene Kräuterbutter, die nicht dominiert, sondern begleitet, und mediterranes Gemüse, das Frische und Leichtigkeit ins Spiel bringt. Punktgenau gegart, handwerklich sauber, ohne unnötige Effekte.

Das Vaihinger Wirtshaus ist eher hemdsärmlig als steif

Der Service passt zum Gesamteindruck: herzlich, aufmerksam, trotz hoher Auslastung entspannt. Am Tag unseres Besuchs brummt das Wirtshaus, das über mehrere Räume verfügt und rustikal eingerichtet ist. Auf den Hinweis, wie voll es doch sei, lächelt der Chef und sagt: Das sei noch gar nichts.

Das Vaihinger Wirtshaus lebt von Herzlichkeit, ist eher hemdsärmelig als steif. Gekocht wird mit großem Respekt vor den Produkten. Kein Wunder, dass Sezer und Enis Masalci zwei Siegertypen sind – und die dabei die Herzen ihrer Gäste gewinnen.

Vaihinger Wirtshaus, Hauptstraße 51, Stuttgart-Vaihingen, Tel.: 0711/9 01 82 13, Geöffnet montags bis samstags von 16 bis 24 Uhr, sonntags geschlossen. https://www.vaihingerwirtshaus.de

Bewertung

Küche H  H  H  H H

Service H  H  H H  H

Atmosphäre H  H  H  H H

l Barrierefrei l  Außenbereich   m Parkplatz

H H H H H erstklassig

H  H H  H H überdurchschnittlich

H  H H H H gut

H  H H H H passabel

H H H H H enttäuschend