Berlin – In Berlin geht nie das Licht aus. Denn Berlin ist unsere Hauptstadt, sieben Tage und 24 Stunden wach. Doch plötzlich wurde der Stecker gezogen. Zumindest für einen Teil der Millionenstadt. BILD-Reporter waren die ganze Nacht unterwegs und erzählen die Geschichten der Betroffenen aus der dunklen Hauptstadt.
Der Blackout kam am Samstagmorgen
Samstagmorgen gegen halb sieben an einer Brücke über den Teltowkanal im Südwesten von Berlin. Unbekannte legen ein Feuer an einer Stromleitung, die zu einem Kraftwerk im Stadtteil Lichterfelde führt. Blackout! Kein Strom mehr, kein Telefon, keine Herdplatte, kein Fahrstuhl, kein Kühlschrank, keine Heizung für 45.000 Haushalte. Nehmen wir an, dass in jedem Haushalt zwei Menschen leben. Dann sind rund 90.000 Menschen derzeit ohne Energie. Das entspricht etwa vier deutschen Kleinstädten.
Der Moment, in dem das Licht ausgeht – er zeigt, wie verwundbar wir sind. Viele der Betroffenen dachten, es ginge gleich wieder an. Aber: Am Nachmittag wird klar, es war ein Anschlag. Die große Frage: Von wem? Wer macht so etwas? Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der Strom kommt für einen großen Teil der Betroffenen wohl erst am Donnerstag zurück. Was nun? Die Nacht naht.
Nichts geht mehr ohne Strom!
Der Supermarkt um die Ecke hat keinen Strom – dicht! Kommen jetzt die Diebe? Der Fahrstuhl in Hochhäusern fährt nicht – also laufen! Die Nachbarschaft stolpert hektisch im Baumarkt herum – Batterien werden knapp, Kerzen auch, Grillstationen laufen plötzlich, obwohl draußen Schnee liegt. Die Dunkelheit macht alle gleich. Der Blackout betrifft gleich mehrere Stadtteile und Kieze. Die mit sozialen Problemen ebenso wie die mit Villen.

Alles dunkel: das Hochhaus an der Wismarer Straße in Berlin-Lichterfelde
Foto: Pressefoto Wagner
Monika Gérard wohnt in der Wismarer Straße 18 im Ortsteil Lichterfelde. Das Haus hat zehn Stockwerke, hier leben Familien, Senioren, Singles. Monika ist auf den Stromausfall bestens vorbereitet. Ein Meer aus Kerzen steht auf ihrem Wohnzimmertisch. „Ich habe alle Schränke durchsucht, um mir einen Überblick zu verschaffen, was ich habe“, sagt die Rentnerin. Sie sei Kerzen-Fan und habe sowieso immer viele zu Hause.“ Das Licht ist also kein Problem. Dass der Fahrstuhl nicht geht, schon. Durch ihr Asthma und eine Knieerkrankung kommt Monika nur sehr schwer die Treppe bis in die siebte Etage hoch. „Zum Glück funktioniert bei uns die Heizung“, sagt sie.

Monika Gérard (67) hat alle Kerzen auf dem Wohnzimmertisch gesammelt
Foto: Pressefoto Wagner
Lehrerin Alke (52) läuft über einen schneebedeckten Gehweg. Die Fenster in ihrer Straße sind alle dunkel, nur eine der wenigen Gaslaternen Berlins leuchtet hinter ihr: „Ich habe 20 Jahre in Amerika gelebt, da hatten wir alle paar Jahre Hurrikans mit Stromausfall, ich kenne das. Ich habe zwei Töchter und zwei Hunde, keine Feuerstelle in der Wohnung. Wir werden uns warm anziehen, aber bis Donnerstag halten wir nicht durch. Berlin muss ich etwas einfallen lassen!“
Es ist fast schon kurios: Neben den Behelfs-Leuchtmasten, die von der Feuerwehr an Straßenkreuzungen errichtet werden, sind es ausgerechnet die altehrwürdigen, aus Nostalgie-Gründen stehen gelassenen Gaslaternen, die jetzt noch funktionieren.
Schildkröten aus Winterschlaf geholt
„Ich habe Schildkröten und muss sie jetzt aus dem Winterschlaf holen, weil die Heizung nicht mehr läuft“, sagt Axel-Springer-Pressesprecher und Bestseller-Autor Peter Huth („Der Aufsteiger“).
Anwohnerin Heidi leuchtet sich mit einer Taschenlampe den Weg zum nächsten Supermarkt, um schnell noch Batterien zu kaufen: „Ich habe mir zu Hause schon zwei Kerzen angemacht, eine Matratzenburg gebaut, damit es wärmer ist.“

Anwohnerin Heidi mit Taschenlampe auf dem Weg zum Supermarkt
Foto: Til Biermann
Flucht ins warme Kino scheitert an elektrischem Tor
BILD-Wirtschaftschefin Patricia Platiel versuchte, sich mit ihren Kindern aufzuwärmen – und wurde im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst. „Als nach Stunden klar wird, dass der Strom nicht so schnell wiederkommt, haben wir die Idee: Nix wie weg hier. Ab ins Kino! An den Ku’damm! Da gibt’s Strom und Wärme und normales Leben. Meine drei Kinder (6, 6 und 11 Jahre alt) und ich sitzen im Auto. Endlich kann das Handy laden. Es hat nur noch zwei Prozent. Das Internet geht gar nicht, Anrufe nur selten durch. Heizung im Auto auf volle Pulle. Doch wir haben die Rechnung ohne das Parkplatztor gemacht. Es ist elektrisch. Wir kommen nicht raus.“
Die ersten Tränen bei den Kindern rollen. Am Ende eines langen Tages landet die Familie in einem Hotel. Platiel: „Ab morgen kommen wir bei Freunden unter. Doof nur: Im Dunkeln haben wir eine Taucherbrille, aber keine Schlafanzüge eingepackt.“
Notstrom-Aggregat für 2000 Euro, damit es warm bleibt
Es ist Nacht geworden in Berlin, still, fast gespenstisch. Nur der Schnee macht knarrende Geräusche. In den Fenstern der Mehrfamilienhäuser in Zehlendorf blinkt vereinzelt batteriebetriebener Weihnachtsschmuck. Kerzen flackern.
Dann das: Eine wunderschöne Villa gegenüber des Schönower Parks in Zehlendorf ist erleuchtet! Ein Generator rattert. Hier hat sich jemand auf den Tag X vorbereitet

Die Bewohner dieses Hauses haben Glück: Ein Generator bringt Licht und Strom!
Ein paar Villen weiter. Ein junger Mann will gerade bei zwei Grad Außentemperatur mit dem Auto losfahren, noch Öl kaufen. Er sagt: „Wir waren stundenlang unterwegs bis in Marzahn, alle Generatoren in der ganzen Stadt waren ausverkauft. Jetzt haben wir noch einen für 2000 Euro bekommen. Zum Glück haben wir auch einen Kamin und genug Holz.“

Ein Pärchen und ein Kind laufen mit gepackten Koffern aus den Haus. Die Mutter sagt: „Sie können berichten, dass Familien mit Kindern ins Hotel gehen müssen.“ Bei 45.000 betroffenen Haushalten sollten auch die Hotelplätze knapp werden
Foto: Til Biermann
Zwei Männer von einer Krankentransportfirma versuchen, einen Patienten aus einer Villa zu holen. „Wir sollen jemanden abholen, aber keiner ist drinnen“, sagt einer der Männer. Sie rufen, leuchten mit Taschenlampen. Es kommt keine Antwort.

Die Residenz des Botschafters der Republik Sambia ist dunkel und scheint verlassen. Womöglich hat er es schon in ein Hotel geschafft.
Foto: Til Biermann
Ein Nachbar von gegenüber sagt im Schneetreiben: „Ich denke mal, morgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Ich glaube nicht, dass es bis Donnerstag dauert. Wir müssen jetzt das Beste daraus machen.“ Seine Frau sagt: „Ich habe meine ganzen Videokonferenzen, wie soll das gehen ohne Strom?“
Im Hintergrund läutet ein Alarm.
Mitten in der Nacht: Polizei-Einsatz!
Vor dem Alarm-Haus steht schon ein Polizeiwagen. Ein Beamter kommt, sagt dem BILD-Reporter: „Es war ein Fehlalarm. Wir sind jetzt hier, weil viele Bewohner Angst haben.“ Der Alarm schrillt weiter, offenbar schaffen es die Besitzer nicht, ihn abzustellen.

Die Polizei schaut im Villenviertel nach dem Rechten
Foto: Til Biermann
Nachbarin Heike (66) ist herausgekommen, um zu gucken, was los ist. Sie sagt: „Man fragt sich schon, wie kriegt man jetzt die nächsten Tage hin? Wir sind ja froh, dass wir Wasser haben, aber jetzt merkt man mal, wie abhängig man von Strom ist. Man muss sehen, dass Familie und Freunde aushelfen. Diese Anschläge kann man nicht nachvollziehen, die Menschen, die das gemacht haben, wissen gar nicht, was sie einem damit antun.“

Auch bei Heike (66) ist der Strom weg. Sie sagt: „Ich komme jetzt nicht ins Haus, weil ich meinen Schlüssel vergessen habe. Mein Mann hört mich nicht, weil die Klingel nicht geht“
Foto: Til Biermann
Um 3.38 Uhr kommen einem der BILD-Reporter in der Nacht etwa zehn Polizisten mit Riot-Schildern aus dem verschneiten Schweizerhofpark entgegen. Geht es gegen Plünderer? Ein Beamter: „Nein, wir haben nur den Schnee genossen, wir sind auch nur Menschen.“ Offenbar sind sie auf ihren Schildern gerodelt.

BILD-Reporter Til Bierman kamen zehn Polizisten mit Riot-Schildern entgegen
Foto: Til Biermann
Kangal-Mischling als Wärmflasche
Antonia (26) geht mit ihren zwei Hunden Gassi: „Es ist doof, aber wir haben wie die meisten hier ein Notstromaggregat gekauft, der kriegt auch die Heizung wieder zum Laufen. Der wird mit Diesel betrieben. Das Wichtigste sind die Alarmanlagen, die jetzt so wieder angehen – wegen der Einbrecher, das ist schon verlockend für die. Mein Kangal-Mischling war heute meine Wärmflasche. Na ja, früher hatten die Menschen ja gar keinen Strom.“
Blackout in Berlin: Bewohner haben Angst vor Plünderern
Quelle: BILD04.01.2026
Eine ältere Anwohnerin erzählt: „Ich fahre jetzt ein bisschen weiter, hole mir Heißwasser mit Thermoskannen. Mein Haus hat jetzt noch 15 Grad, aber es wird kälter. Meine Kinder außerhalb Berlins sagen, ich soll in ein Hotel gehen. Die haben gesagt: Bis Donnerstag, das schaffe ich nicht, nächste Woche sollen es minus acht Grad werden. Zur Not schlafe ich im Reitstall am Stadtrand. Meine Powerbank ist auch schon alle. Viele Nachbarn haben Angst vor Einbrechern, man weiß ja, dass hier Stromausfall ist. Zum Glück funktionieren die Straßenlampen mit Gas, so ist es nicht ganz dunkel.“

Die Uhr am Haus von Rechtsanwalt Mik (32) zeigt den Zeitpunkt des Stromausfalls: 6.12 Uhr
Foto: Til Biermann
Rechtsanwalt Mik (32) hat vor seinem Haus gerade Schnee geschippt: „Vor ein paar Monaten saß ich noch auf der Couch und habe gedacht: Die armen Schweine in Adlershof, da waren es 60 Stunden Stromausfall. Aber da war es noch warm. Jetzt friert es. Ich habe gerade Schnee geschippt, auch um mich warmzuhalten. Wir haben Decken, Schlafsäcke und genug Tee und Kaffee mit dem Campingkocher. Aber Freunde haben gesagt, wenn es noch härter wird, können wir kommen.“
Ehepaar fährt Bahn, um sich warmzuhalten
Eckhard und Frank Rehling (72 und 69, Rentner) halten es in ihrer Wohnung an der Chausseestraße nicht mehr aus. Das Ehepaar kommt mit geschulterten Rucksäcken. „Es sind jetzt zwölf Grad bei uns drinnen. Das wird einfach zu kalt. Wir haben jetzt unsere Sachen gepackt, Zahnbürsten, Medikamente und alles, was man so braucht, und gehen in die Notunterkunft. Tagsüber hatten wir uns in der Bahn warmgehalten. Das geht, weil wir beide die BahnCard 100 haben. In der Nacht sind wir jetzt froh, dass es dieses Angebot gibt.“

Eckhard und Frank Rehling (72 und 69, Rentner) sind den ganzen Tag Bahn gefahren, um sich warm zu halten
Foto: Ufuk Ucta
Nach Mitternacht: kleines Stromwunder
Auf einmal geht der Strom wieder. Genau gegenüber von Miks Haus. Auch die Ampeln leuchten hier auf einmal wieder. Seit 0.42 Uhr sind 2580 Haushalte und 75 Gewerbekunden in Teilen von Lichterfelde und Zehlendorf wieder am Netz. Angesichts der immer noch mehr als 40.000 restlichen Haushalte und 2200 Betriebe jedoch nur ein Klacks.
Rino Pavić (52), Chef vom Restaurant Mühlengarten, freut sich: „Ich habe heute extra einen Stromgenerator für 2000 Euro gekauft, muss schauen, ob ich ihn zurückgeben kann. Aber wenn nicht, auch nicht schlimm, vielleicht braucht man ihn mal wieder. Schöne Grüße an unsere Gäste, wenn alles so bleibt, sehen wir uns morgen wieder!“

Restaurantbetreiber Rino Pavić (52) jubelt: Der Strom ist wieder da!
Foto: Til Biermann
Das andere Haus gegenüber von Mik bleibt pechschwarz. Mik sagt: „Das ist glaube ich normal, dass es nach und nach wieder angeht, sonst wird das Netz überlastet.“
Am Teltowkanal vor dem Stromkraftwerk ackern Bagger an der Stelle, an der die Stromleitungen angezündet wurden. Man will den Schaden im Eiltempo reparieren. Polizei und Security bewachen die Baustelle. Ein Sicherheitsmitarbeiter kommt und sagt: „Es tut mir leid, Sie müssen das Gebiet jetzt verlassen. Die Ansage kommt direkt vom Staat.“

Hier, am Stromkraftwerk am Teltowkanal, haben Unbekannte einen Brandanschlag verübt. Damit der Strom wieder fließt, müssen Bagger ran
Foto: Til Biermann
Bis 3.23 Uhr schaffen die Arbeiter es, dass nun 7000 Haushalte, vor allem in Lichterfelde, wieder Elektrizität und Heizung haben. Doch für Zehntausende geht der Albtraum weiter. Sie haben auch am Sonntagmorgen keinen Strom, wenn sie aufwachen. Kein gemütliches Frühstück mit Morgenkaffee mit der Familie. In Berlin sind es in der Nacht minus 3 Grad um 4 Uhr. Zu erwartende Höchsttemperatur am Sonntag: minus 1 Grad.
Wut auf die Verursacher des Stromausfalls
Plötzlich geht eine Haustür auf, zwei Taschenlampen blinzeln durch die Scheiben. Leon leuchtet seinen Eltern Stefan und Isabel den Weg aus dem Haus auf den Parkplatz. Sie wollen weg. Der Junge sagt zu BILD: „Ich bin heute aufgewacht, wollte eigentlich mein Licht anmachen. Es war aus. Stecker haben nicht mehr funktioniert. Dann bin ich in die Küche gegangen, da funktionierte auch der Kühlschrank nicht mehr. Dann habe ich meine Eltern geweckt und mir war klar, dass es ein Stromausfall war. Jetzt fahren wir zu Oma.“

Familie S.: Leon, Tom, Papa Stefan und Mama Isabel (v.l.) – kommen bei der Oma im Warmen unter
Foto: Olaf Selchow
Vater Stefan ist sauer auf die Leute, die den Anschlag auf die Stromverteiler verübt haben. „Für die habe ich keine guten Worte übrig. Ich hoffe, dass derjenige, der das gemacht hat, auch einen Stromausfall hat. Wir waren geschockt heute früh. Nichts ging mehr. Kein Handy, kein Radio. Im Autoradio habe ich dann gehört, was passiert ist.“
„Wir dachten, es könnte Krieg ausgebrochen sein“
Mutter Isabel ergänzt: „Wir haben gedacht, es könnte ja auch ein Krieg ausgebrochen sein. Wir sind dann sofort nach Potsdam gefahren, hatten dort wieder Handyempfang und haben uns erst mal ein kleines Radio gekauft. So haben unsere Großeltern auch überlebt.“
Dann fährt die Familie los, ins Warme. Allerdings plant Stefan zurückzukommen, um zu Hause auf die Wohnung aufzupassen.

Gespenstisch liegt dieses Haus in Berlin-Zehlendorf im Dunkeln. Nur aus einem Fenster dringt Licht, vermutlich von Kerzen
Foto: Olaf Selchow
„Ein bisschen apokalyptisch“
Holger und Sonja Heinrich haben sich zum Drogeriemarkt aufgemacht. Auch ihnen wurde am frühen Morgen der Saft abgedreht. Holger Heinrich sagt: „Heute früh ging gar nichts, auch die Kaffeemaschine nicht. Man dachte schon, man ist doof. Und plötzlich haben wir gesehen, dass nichts mehr geht. Da es früh dunkel wird, müssen wir jetzt Kerzen einkaufen. Das ist ein bisschen apokalyptisch.“ Sonja Heinrich ergänzt: „Ich finde, das Licht ist gar nicht unbedingt das Schlimmste, sondern die fehlende Wärme.“ Das Paar zieht weiter zu Freunden, die noch Strom haben.

Haben sich mit Kerzen eingedeckt und ihr Lächeln trotz Ausnahmezustand nicht verloren: Holger und Sonja Heinrich
Foto: Olaf Selchow
Ingeborg (97) muss in Turnhalle übernachten
Die Turnhalle am Hüttenweg. Hier gibt es noch Strom und hier können Menschen unterkommen, denen zu Hause zu kalt ist, die warm duschen wollen. Es gibt Getränke, Strom, Nudeln mit Soße und Gespräche. Rund 200 Schlafplätze werden am Hüttenweg in Dahlem angeboten.

Während die Notgäste schlafen, spielen Betreuer vom Deutschen Roten Kreuz „Mensch ärgere Dich nicht!“
Foto: Til Biermann
Die 97-jährige Ingeborg Esser ist eine der Ersten. Ihr Sohn Carsten ist geschockt, dass seine hochbetagte Mutter in einer Turnhalle übernachten muss. Er zu BILD: „Ich finde es unmöglich, dass eine 97-jährige Frau, die sonst im Pflegebett schläft, hier in einer Turnhalle untergebracht wird, auf einem Feldbett. Das ist abartig, dass die Stadt da keine andere Lösung parat hat.“

Carsten Esser lächelt für den BILD-Reporter, doch eigentlich ist er verärgert. Seine 97-jährige Mutter muss heute Nacht auf einem spartanischen Feldbett übernachten
Foto: Olaf Selchow
Ansonsten ist nicht viel los in der Notunterkunft. Allerdings geht Bezirksstadtrat Tim Richter (CDU) davon aus, dass der Bedarf in den kommenden Tagen steigen wird. Jetzt seien die Wohnungen noch relativ warm, so Richter, aber in den kommenden Tagen würden Minusgrade in der Nacht erwartet. Dann kühlen die unbeheizten Räume richtig runter.

Ein Mann im Rollstuhl wird an der Notunterkunft von einem Krankentransporter abgeholt
Foto: Olaf Selchow
Blackout in der Hauptstadt: So war die erste Nacht im finsteren Berlin
Quelle: BILD04.01.2026
„Unsere Sorge ist, dass die Wasserrohre platzen“
Cornelia und Matthias Bechem (beide 72, selbstständig) aus Wannsee sind zu Freunden nach Wilmersdorf geflüchtet: „Kein Internet, kein Handynetz, keine Heizung: Wir können zu Hause nicht im Warmen schlafen. Wir hatten schon mittags nur noch zwölf Grad. Unsere Sorge ist, dass die Wasserrohre platzen, wenn es nachts zu kalt wird.“ Das Paar wundert sich, warum der Strom erst in Tagen wieder da sein soll. „Wir brauchen eine genauere, transparente Aussage“, fordert Matthias Bechem.

Cornelia und Matthias Bechem (beide 72) haben bei Freunden Unterschlupf gefunden und sagen: „Wir sind total entsetzt, dass wir bis Donnerstag unser Leben komplett umorganisieren müssen“
Foto: Ufuk Ucta
Auch Klinik in Berlin betroffen
23.30 Uhr an den Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk (Psychiatrie/Neurologie). Vor dem Haus sammeln sich etwa 20 Polizisten. Mitarbeiter von Zivilschutz und THW versuchen, in weiteren Teilen der Klinik Strom bereitzustellen. Es gibt im Haus zwar teilweise Notstromversorgung, aber in manchen Bereichen gibt es Einschränkungen, auf die die Patienten empfindlich reagieren.

Hier in der Potsdamer Chaussee ist alles dunkel. Die Polizei ist verstärkt vor Ort, ebenso wie der Zivilschutz, die Feuerwehr und das THW
Foto: Ufuk Ucta
Feuerwehrmann spricht von Ausnahmesituation
Die Freiwillige Feuerwehr Heinersdorf betreibt unterdessen einen Notpunkt am Rathaus Wannsee. Unter einer hellen Lampe tuckert ein Notstrom-Aggregat, ein Krankentransportwagen steht für Notfälle bereit. Brandinspektor Holger Eckardt (47) achtet darauf, dass alles reibungslos läuft: „Ich bin seit 32 Jahren Feuerwehrmann. So etwas passiert nur ganz selten – eine absolute Ausnahmesituation. Mit dem Notpunkt bieten wir eine Anlaufstation, die sehr gut angenommen wird. Die Leute können sich informieren, Hilfe suchen oder einfach nur ihr Handy laden.“

Brandinspektor Holger Eckardt (47) ist da für alle, die sich ohne Strom durch die Nacht schlagen müssen
Foto: Ufuk Ucta

An dem Notstrom-Aggregat können Anwohner z.B. ihre Handys und Computer aufladen
Foto: Ufuk Ucta