
Neue Antikörper gegen Herzkrankheiten, Immuntherapien gegen Krebs und große Untersuchungen zu Long Covid und HIV – gleich mehrere klinische Studien könnten im kommenden Jahr Aufsehen in der Medizin erregen.
Bevor neue Medikamente zugelassen werden, müssen deren Wirkstoffe in klinischen Studien auf Wirksamkeit, Sicherheit und Nutzen getestet werden. Die Fachzeitschrift Nature hat einige dieser Studien ausgewählt, die 2026 für die Medizin wichtig werden könnten.
Neue Immuntherapie gegen Brustkrebs
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen und kann schon heute in den meisten Fällen gut behandelt werden. Wenn der Krebs jedoch gestreut hat, ist die Prognose häufig schlecht. Für diese Fälle wird gerade eine neue zellbasierte Immuntherapie für Brustkrebspatientinnen getestet, bei der Antikörper das Immunsystem der Betroffenen gezielt aktivieren.
Dabei wird das Immunsystem unter anderem mit Proteinen der Brustkrebszellen trainiert. Gleichzeitig werden Zellen des Immunsystem aktiviert. An der klinischen Studie nehmen weltweit 40 Behandlungszentren teil. Das Forschungsteam sucht auch nach Biomarkern, um vor der Therapie möglichst genau vorhersagen zu können, welche Betroffenen am meisten von der Therapie profitieren würden.
Bauchspeicheldrüsenkrebs effektiver bekämpfen
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Krebsarten. Die Prognose ist häufig schlecht und die Überlebensdauer nur kurz. Ein neues Krebsmedikament soll das ändern. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass die Krebszellen sich schlechter im Körper verbreiten können.
Der Wirkstoff zielt dabei auf Veränderungen im Erbgut der Krebszellen ab. Die für die Krebszellen wichtigen Stellen werden durch ein Protein blockiert. Man kann sich das wie eine Art Kleber vorstellen, der das Wachstum der Krebszellen stören soll.
Gegen aggressive Krebserkrankungen wie etwa Bauchspeicheldrüsenkrebs könnte bald auch eine mRNA-Therapie helfen.
Die bisher beobachteten Nebenwirkungen des Wirkstoffs waren geringer als bei den üblichen Chemotherapien. Weltweit nehmen etwa 500 Betroffene mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs an der Studie teil. Die Ergebnisse der Studie werden für das Jahr 2026 erwartet. Danach könnte das Medikament vergleichsweise schnell zugelassen werden.
Große Medikamenten-Analyse zu Long Covid
Plötzliche starke Erschöpfung, kurze Spaziergänge werden gefühlt zum Marathon – eine Infektion mit dem Coronavirus verändert für einige Betroffene deren Leben. Die starken Erschöpfungssyndrome hängen vermutlich mit Problemen in den kleinsten Blutgefäßen zusammen.
Ein internationales Forschungsteam testet deshalb in einer großen Studie, welche entzündungshemmenden Medikamente möglicherweise helfen. Die Ergebnisse der Analyse erscheinen Anfang 2026. Die Studie hat eine britische Long-Covid-Ambulanz gestartet. Sie soll einen Überblick geben, welche verfügbaren Medikamente den Betroffenen am besten helfen.
Langsame Antikörper für bessere HIV-Behandlung
Unbehandelt führt die Krankheit AIDS häufig nach wenigen Jahren zum Tod. Heute haben HIV-Infizierte mit einer lebenslangen Behandlung eine normale Lebenserwartung. Doch Betroffene müssen ihr Leben lang Medikamente einnehmen, sonst kann sich das Virus im Körper der Infizierten wieder vermehren. Langsam wirkende Antikörper könnten die Behandlung in Zukunft vereinfachen.
Nach einer Infusion sollen Betroffene für längere Zeit auf die herkömmlichen Medikamente verzichten können. Laut ersten Zwischenergebnissen hat dies bei 75 Prozent der Studienteilnehmern funktioniert. So könnten Betroffene in Zukunft länger auf die tägliche Einnahme von HIV-Medikamente verzichten.
Test eines verbesserten Tuberkulose-Impfstoffs
2023 sind weltweit rund 1,2 Millionen Menschen an den Folgen einer Tuberkuloseinfektion gestorben. In Deutschland gibt es dank der guten Lebensbedingungen und Hygiene nur wenige Fälle, doch vor allem in Asien und in weiten Teilen Afrikas erkranken jedes Jahr Millionen Menschen.
Der bisher verfügbare Impfstoff wirkt nur bei Kleinkindern gut. Ein neuer Proteinimpfstoff soll nun auch Jugendliche und Erwachsene besser schützen. In einer früheren Studie hat das Forschungsteam das Fortschreiten der Lungenkrankheit verringert – im Durchschnitt um etwa 50 Prozent. 2026 sollen die Ergebnisse einer großen Studie mit 20.000 Freiwilligen erscheinen.
Das beteiligte Forschungsteam spricht von dem vielversprechendsten Tuberkulose-Impfstoffkandidaten seit fast einem Jahrhundert. Der bisher einzige eingesetzte Impfstoff wurde tatsächlich schon vor mehr als 100 Jahren entwickelt.
Antikörper-Therapie gegen Risiko für Herzkrankheiten
Wenn sich die Blutgefäße verhärten und verengen, steigt das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Ein hoher Cholesterinspiegel im Blut sorgt unter anderem für diese Veränderungen in den Blutgefäßen. Aber auch Entzündungen sind ein Risikofaktor. Deshalb werden derzeit mehrere Antikörper-Therapie getestet, die Entzündungen in den Blutbahnen bremsen sollen. Die Antikörper blockieren dabei spezielle Botenstoffe, die bei einer Entzündung auftreten.
Die Antikörper-Therapie soll das Risiko für Herzkrankheiten reduzieren aber auch bei der akuten Behandlung von Herzinfarkt-Patienten eingesetzt werden. Drei größere Studien mit dem Antikörper werden 2026 zeigen, wie vielversprechend der neue Therapieansatz ist.
Stammzellen für bessere Gehirnfunktion
Mit Stammzellen das Gehirn unterstützen – das ist das Ziel einer weltweiten Studie. Für die Behandlung wird Knochenmark entnommen, die Stammzellen dann aufbereitet und anschließend über einen Zugang ins Blut, aber auch direkt durch die Nase aufgenommen. Auf diesem Weg gelangen die Zellen direkter ins Gehirn, wodurch das Forschungsteam die Blut-Hirn-Schranke umgeht.
Einige Probanden der Studie berichten über Verbesserungen der Gehirnfunktionen bereits einen Tag nach der Behandlung. Sie schnitten in Tests besser ab. Die Therapie ist vor allem als Booster fürs Gehirn gedacht, kann aber Erkrankungen wie einen Schlaganfall oder Parkinson natürlich nicht heilen.
