Nach der Entmachtung und Gefangennahme von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz in dem Land hat Außenminister Marco Rubio angedeutet, dass Kuba das nächste Ziel der Trump-Regierung sein könnte. „Wenn ich in Havanna leben und der Regierung angehören würde, wäre ich zumindest ein wenig beunruhigt“, erklärte Rubio.
Die USA haben eine lange Geschichte militärischer Interventionen in Lateinamerika. Dazu gehört die von den USA unterstützte Invasion in der Schweinebucht 1961, die von kubanischen Exilanten angeführt wurde und auf den Sturz Fidel Castros abzielte. Die Invasion scheiterte und geriet zu einer politischen Blamage für die USA.
Trump: Bei US-Militäreinsatz in Venezuela starben „viele Kubaner“
Bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der Gefangennahme von Maduro sind nach Angaben von US-Präsident Donald Trump „viele“ kubanische Staatsbürger getötet worden. „Sie haben Maduro beschützt. Das war kein guter Zug“, sagte Trump der „New York Post“.
„Kuba war immer sehr abhängig von Venezuela. Von dort bekamen sie ihr Geld, und sie haben Venezuela beschützt, aber in diesem Fall hat das nicht so gut funktioniert“, sagte Trump weiter. Militärische Maßnahmen gegenüber dem wirtschaftlich geschwächten Kuba ziehe er nicht in Betracht: „Nein, Kuba wird ganz von selbst fallen.“
Kuba und Venezuela gelten als enge Verbündete. Beide südamerikanischen Länder eint eine kommunistische Ausrichtung sowie von den USA auferlegte Wirtschaftssanktionen. Caracas unterstützte Kuba zudem seit Jahrzehnten in wirtschaftlicher Hinsicht.
Bisherige Vizepräsidentin übernimmt das Präsidentenamt
Nach der Entmachtung Maduros durch die USA ernannte das Oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur Interimspräsidentin. Rodríguez werde „vorübergehend alle mit dem Amt des Präsidenten verbundenen Eigenschaften, Pflichten und Befugnisse übernehmen und ausüben“, entschied das Gericht in Caracas am späten Samstagabend (Ortszeit). Mit dem Schritt solle die Kontinuität der Verwaltung und Verteidigung des Landes gewährleistet werden.
Vor Reportern erklärte Trump, dass sich Rodríguez in einem langen Gespräch mit US-Außenminister Rubio kooperationsbereit gezeigt habe. „Sie ist im Grunde willens, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder großartig zu machen.“ Darauf deutet bislang allerdings nichts hin. Rodríguez gilt als eine der loyalsten Figuren in Maduros Machtzentrum. Die 56-jährige Juristin hatte als Außenministerin (2014–2017) den konfrontativen Kurs gegen die USA geprägt, den sie als Vizepräsidentin fortsetzte. Rodríguez forderte nach dem US-Militäreinsatz die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Frau. Kurz nach ihrer Ernennung zur Interimspräsidentin trat Rodriguez zudem im Staatsfernsehen auf und erklärte, Maduro sei weiterhin der einzige Präsident Venezuelas.
Bei dem Militäreinsatz hatten die USA in der Nacht zum Samstag Ziele in Venezuela angegriffen und Maduro gefangen genommen. Trump erkennt ihn nicht als legitimen Staatschef an und wirft ihm vor, in den Drogenhandel involviert zu sein. Die US-Behörden brachten Maduro inzwischen nach New York. Dort soll er bis zu seinem Prozess in Untersuchungshaft sitzen.
Macron fordert Übergangsregierung unter González
Venezuelas Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado forderte die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, schrieb sie auf X. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich ähnlich: „Wir betrachteten Maduro als illegitimen Präsidenten und haben keine Träne über das Ende seines Regimes vergossen.“
UN-Botschafter: Venezuela hat Recht auf Selbstverteidigung
Indes betonte Venezuelas UN-Botschafter Samuel Reinaldo Moncada Acosta, das Land behalte sich das Recht auf Selbstverteidigung vor. Caracas verurteile die US-Aktionen und fordere deren sofortiges Ende, hieß es in einem Brief. „Dies ist ein kolonialer Krieg, der darauf abzielt, unsere republikanische Regierungsform zu zerstören, die von unserem Volk frei gewählt wurde, und eine Marionettenregierung zu installieren, die die Plünderung unserer natürlichen Ressourcen ermöglicht – darunter die größten Erdölreserven der Welt.“
Der US-Militäreinsatz in Venezuela hat auch Folgen für den Luftverkehr. Am Samstag (Ortszeit) überflog nach Angaben des Flugverfolgungsdiensts FlightRadar24.com keine einzige Maschine das venezolanische Hoheitsgebiet. Reisende müssten sich darauf einstellen, dass die Beeinträchtigungen noch Tage andauern könnten, so Fluggesellschaften.
Mit Informationen von AP, Reuters, dpa und AFP