Baldhuber, die auch in Wien und Barcelona studiert hat, konnte vergangenes Jahr ihr Studium als Meisterschülerin von Peter Kogler an der Münchner Kunstakademie abschließen. Dass sie fast zeitgleich mit dem Diplom eine institutionelle Einzelausstellung bekam, ist ungewöhnlich. Überhaupt lief es für die junge Künstlerin in den zurückliegenden Monaten ziemlich gut. Sie nahm an Gruppenausstellungen teil, hatte eine Einzelausstellung in der Behncke Gallery, war auf der Kunstmesse Highlights vertreten, wurde beim CeU-Kunst-Award mit einem Preis geehrt und hatte diverse Residencies im In- und Ausland. Im Winterhalbjahr 2025/26 ist sie Stipendiatin des privaten „PS61 Studio“-Förderprogramms in München und wird auf der nächsten Art Düsseldorf vertreten sein.

Luisa Baldhuber, die wie sie sagt „aus einer kreativen Familie“ stammt – Vater Architekt, Mutter Psychoanalytikerin –, nimmt Ideen der „Light and Space“-Kunstbewegung auf, die in den Sechzigerjahren in Kalifornien entstand und zahlreiche Künstler inspirierte – von Bruce Nauman und James Turell bis Brigitte Kowanz und Olafur Eliasson, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Neben Rauminstallationen schafft die junge Münchner Künstlerin auch Objekte, für die sie sehr spezielles Glas verwendet, auf dem sie mit Licht experimentiert. Diese Objekte sind vielschichtig und hochkomplex konstruiert und ergänzen ihre Rauminstallationen um eine weitere Verständnis-Ebene. Das unterscheidet sie von vielen, die auf das Label „immersiv“ setzen. Aber um simple Effekthascherei geht es Luisa Baldhuber ja auch nicht. Evelyn Vogel

Opernsängerin Natalie LewisMezzosopranistin Natalie Lewis vergleichen ihre Fans schon mit der großen Jesse Norman.Mezzosopranistin Natalie Lewis vergleichen ihre Fans schon mit der großen Jesse Norman. (Foto: Geoffroy Schied)

In Zukunft wird Natalie Lewis mehr Zugaben vorbereiten müssen. Denn nach ihrem Debüt in der Isarphilharmonie vor wenigen Wochen will das enthusiasmierte Publikum sie kaum von der Bühne lassen. Warum? Nicht nur, weil Lewis’ in allen Registern voller, runder Mezzosopran die Ohren der Zuhörenden regelrecht streichelt. Lewis schafft es auch, mit ihrer Bühnen-Persönlichkeit eine Verbindung zum Publikum herzustellen und hat dabei überbordendes Charisma. Als sie in Ermangelung einer weiteren Zugabe den Gershwin-Song „I Got Rhythm“ zum zweiten Mal anstimmt, klatscht der ganze Saal im Takt.

Nach München kam die 1998 geborene Absolventin der New Yorker Juilliard School als neues Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, das schon Größen wie Hanna-Elisabeth Müller oder Violeta Urmana eine Rampe ins Berufsleben gebaut hat. Es hat nicht lange gedauert, da machte die US-Amerikanerin auf sich aufmerksam mit kleineren Rollen in Wagners „Fliegendem Holländer“ oder Strauss’ „Elektra“.

Dass sie ihre voluminöse Stimme auch ganz kontrolliert und konzentriert einsetzen kann, hat sie etwa mit Rossini beim „Singers & Masters“-Konzert im Odeon gezeigt. Und mit ihren Gershwin-Songs beweist sie, dass sie nicht nur Rhythmus, sondern auch musikalische Intelligenz, Charme, Witz und die Bereitschaft hat, sich mit Haut und Haaren für den richtigen Ausdruck einzusetzen.

Mit der aktuellen Spielzeit wurde Natalie Lewis Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper. Ein Glücksfall für Oper und Publikum und die Chance für alle hierzulande, ein umwerfendes Talent beim Wachsen zu begleiten. Paul Schäufele

Filmregisseur Welf ReinhartFilmregisseur Welf Reinhart hat schon den Studenten-Oscar gewonnen. 2026 startet sein erster abendfüllender Spielfilm im Kino.Filmregisseur Welf Reinhart hat schon den Studenten-Oscar gewonnen. 2026 startet sein erster abendfüllender Spielfilm im Kino. (Foto: Lukas Zischke)

Von einem Oscar träumen viele. Welf Reinhart weiß, wie man ihn gewinnt: „Ich habe mir die Gewinnerfilme der letzten Jahre oft angesehen“, erzählt der Regisseur. So wollte er herausfinden, welche Art von Filmen den Oscar-Juroren als besonders preiswürdig erscheinen. Das hat funktioniert, vor drei Jahren gewann Reinhart für seinen Kurzfilm „Eigenheim“ den sogenannten Studenten-Oscar in Silber. Da studierte er noch an der HFF München.

Der Oscar sorgte zwar für viel Aufmerksamkeit, konkrete Folgen hatte er aber nicht: Zwei Jahre lang habe er sich intensiv um Regieaufträge beim Fernsehen bemüht, erzählt er. Ohne Erfolg. Das gehe vielen Nachwuchsfilmern so, in den Redaktionen setze man fast immer auf etablierte Regisseure. Doch 2025 war ein gutes Jahr für ihn. Im Frühjahr drehte der 30-Jährige in München, Nürnberg und Dänemark seinen ersten Kinofilm: In „Der verlorene Mann“ steht eine Frau (Dagmar Manzel) zwischen ihrem an Demenz erkrankten Ex (Harald Krassnitzer) und ihrem neuen Partner (August Zirner), was zu einer tragikomischen Dreiecksbeziehung führt.

Kurz darauf bekam der HFF-Absolvent doch noch einen Fernsehauftrag: Er inszenierte die Miniserie „The other gAIrl“ über einen Ehemann, der eine Affäre mit einem KI-Bot anfängt. Gedreht wurde im Sommer, seit November ist die Serie in der ZDF Mediathek abrufbar. Sein Spielfilmdebüt steht ebenfalls in den Startlöchern: „Der verlorene Mann“ läuft Ende Januar als Weltpremiere beim International Film Festival Rotterdam, im Frühjahr kommt er bundesweit in die Kinos. Das wird für Aufmerksamkeit sorgen – und das hat auch hoffentlich Folgen für ihn. Josef Grübl

Theaterautorin Raphaela BardutzkyRaphaela Bardutzkys Theatertexte werden auf vielen Bühnen Deutschlands gespielt.Raphaela Bardutzkys Theatertexte werden auf vielen Bühnen Deutschlands gespielt. (Foto: Jean-Marc Turmes)

Vieles ist eine Frage der Zeit. Raphaela Bardutzky weiß das, schließlich wurde jüngst am Staatstheater Nürnberg ihr Stück „74 Minuten“ uraufgeführt. Es dreht sich um Aufgaben, die man in dieser Zeitspanne erledigen kann: zum Beispiel Beethovens 9. Sinfonie dirigieren. Oder ein Büro mit 300 Quadratmetern putzen. Das Publikum tobte vor Begeisterung, wie der SZ-Kritiker verdutzt notierte. Und dieser Erfolg ist nur ein Indiz dafür, dass es für Bardutzky gerade ziemlich gut läuft.

Die 1983 geborene Autorin und Dramaturgin macht längst nicht nur in München, wo sie lebt, auf sich aufmerksam. Zum einen durch Engagement, so gründete sie vor zehn Jahren mit Theresa Seraphin ein „Netzwerk der Münchner Theatertexter*innen“, und sie gehört zum Kuratorinnen-Team der bemerkenswerten Lesereihe Lix im Theater HochX. Zum anderen setzt sich Bardutzky, zuletzt mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet, auch als Theaterautorin sichtbar durch, unter anderem als derzeitige Hausautorin am Staatstheater Nürnberg.

Ihr Stück „Fischer Fritz“, das quer durch die Republik auf dem Spielplan steht, etwa am Staatsschauspiel Dresden und am Theater Regensburg, feiert im Januar endlich auch am Münchner Volkstheater Premiere. Es führt das gesellschaftspolitisch feine Sensorium der Autorin vor, handelt es doch von einem alten Fischer und seiner polnischen Pflegerin – und deren schwieriger Verständigung. Das jüngst in Leipzig uraufgeführte Stück „Altbau in zentraler Lage“ wiederum thematisiert nicht nur das Wohnproblem, sondern ebenfalls die Kommunikation: Es ist auch für Gebärdensprache konzipiert. Stets verbindet Raphaela Bardutzky Sprachkunst mit politischem Bewusstsein – und die Zeit ist reif für ihre große Bühne. Antje Weber

Indie-Pop-Stimme MolaIsabella „Mola“ singt so knautschig-röhrend, dass man ihr alle nächtlichen Eskapaden abnimmt.Isabella „Mola“ singt so knautschig-röhrend, dass man ihr alle nächtlichen Eskapaden abnimmt. (Foto: Deza Realdy)

Dieser Moment musste festgehalten werden. Dieser Augenblick am Ende des Konzerts Ende November in der bis auf den letzten Platz gefüllten Muffathalle: Sängerin Isabella „Mola“ Streifeneder in roter Adidas-Trainingshose und bauchfreiem, schwarzem Shirt in der Mitte, daneben die Musiker der nach ihr benannten Band Mola. Eine ausverkaufte Muffathalle, das ist was Besonderes für eine Münchner Band, ein „absoluter Traum“, das schrie die Sängerin schon am Konzertabend ins Publikum, davon schwärmt sie auch beim Interview.

Man muss das verstehen: Heute kann es manchmal rasant schnell gehen in diesem Musikgeschäft. Ein viraler Moment – und schon ist sie da, die Karriere bei der großen Plattenfirma, die Goldene Schallplatte. Es gibt aber auch Bands, die müssen sich alles mühsam erarbeiten. Schritt für Schritt, von der kleinen Bühne zu den großen. Bei den Sportfreunden Stiller war das einst so – und aktuell ist dieser langsam aufgebaute Erfolg bei der deutschsprachigen Indie-Pop-Band Mola zu beobachten. „Wir mussten den harten Weg gehen“, sagt die Sängerin.

Mit 14 hat Mola bei Open Stages gesungen, hat ihren Stil gesucht. Seit 2016 besteht die Band in der jetzigen Besetzung – und seit dem ersten Tag schuften sie in der Hit-Fabrik. Mit gnadenlos ehrlichen Liedern über das Leben junger Menschen in der Großstadt, mit viel Alkohol, nächtlichen Eskapaden – so knautschig-röhrend gesungen, dass man Isabella Streifeneder jeden einzelnen Rausch glaubt. Da wird die Liebe schon mal brutal, da scheitern Menschen bei der Selbstfindung, alles so rau und kaputt, dass viele die Band nach Berlin verorten und nicht ins beschauliche München. Natürlich: Ein gemeinsamer Song mit Majan („Alles gelogen“) hat geholfen, die gemeinsame Tour mit Wannda auch. Jetzt wird 2026 am neuen Album gearbeitet. Dann kommt der nächste Schritt. Jede Wette. Michael Bremmer

Schauspielerin Annika NeugartIn der Revue „Play Auerbach!“ spielt Annika Neugart eine Ikone der Kammerspiele: Therese Giehse.In der Revue „Play Auerbach!“ spielt Annika Neugart eine Ikone der Kammerspiele: Therese Giehse. (Foto: Julian Baumann)

Therese Giehse wird sie einiges abgelauscht haben. Den schneidenden Ton, die scharfe Aussprache, die Pausen, die eigentlich Warnungen sind, ihr nicht ins Wort zu fallen. Annika Neugart erschafft in der gefeierten Revue „Play Auerbach!“ an den Münchner Kammerspielen mit ihrer Therese Giehse eine Respektsperson, politisch und künstlerisch geradlinig und klar. Zwischendrin singt Neugart, sodass man über das Volumen ihrer Stimme staunt, über die Tiefe, die seiden-gespannte Rauheit darin. Und über ihr Giehse-mäßig rollendes „R“.

Die Kammerspiele-Ikone ist eine feine Rolle für die junge, wandelbare Schauspielerin. Seit vergangener Spielzeit ist die 24-Jährige festes Ensemblemitglied an dem renommierten Haus. Die Theaterleitung hat sie direkt von der Otto-Falckenberg-Schule engagiert. Vermutlich hat sie schon einige Zeit beobachtet, wer da nebenan anfängt zu glänzen.

Vor allem dürfte einem ihr Richard Drei noch in Erinnerung sein, der gewaltige Fiesling der Abschluss-Inszenierung 2023. Sie wollte diesen Auftritt so sehr, dass sie den in der Generalprobe verletzten Fuß mit Schiene ruhigstellte und ordentlich Schmerzmittel einnahm. Die Schiene sah man, sonst merkte man nichts. Aus dem Stand sprang sie etwas später für Maren Solty in „Im Menschen muss alles herrlich sein“ ein – ohne erkennbare Texthilfe. Dabei null eingeschüchtert auf dieser Kammerspiele-Bühne, auf der so viele spielen wollen.

Dort, an der Kammer, hat sie viele Möglichkeiten, die sie nutzt. Im April wird man sie wieder singen hören – als Eurydike in „Eurydike und Orpheus“ von Anna Smolar. Von einer, die die Giehse mal gespielt hat, darf man ruhig einiges erwarten. Yvonne Poppek

Jazzsaxofonist Edi MayDas Saxophon ist sein ständiger Begleiter: Edi May komponiert auch für das Instrument.Das Saxophon ist sein ständiger Begleiter: Edi May komponiert auch für das Instrument. (Foto: Gareth Howell)

Dass der deutsch-englische Saxofonist, Klarinettist und Komponist Edi May über britischen Humor verfügt, zeigen schon die Namen seiner Münchner Bands, mit denen er erfolgreich unterwegs ist. Three and a Half mit dem kolumbianischen Gitarristen Óscar Mosquera und dem amerikanischen Schlagzeuger Nathan Carruthers deutet an, dass man „aus dreieinhalb Ländern kommt und dreieinhalb Instrumente und Genres“ bespielt. Man darf aber auch an eine Comedy-Serie mit ähnlichem Titel denken. Und dann Acoustic Hammer, wo zum Trio noch Ilan Gold am Bass dazustößt.

Wie gut May (schon) ist, mag der Gewinn des Musikpreises des Kulturkreises Gasteig und der zweite Platz beim Kurt Maas Jazz Award illustrieren, einmal vor und einmal hinter Fernanda von Sachsen, die als Sängerin eh schwer vergleichbar ist und momentan als Ausnahmetalent alle verfügbaren Preise abräumt. „Konturenscharfer, variantenreicher Klang“, „überzeugender Kollektivgedanke“, „schlüssiges Programm“ sind Jury-Zitate für den Free Jazzrock, den May mit seinen Bands zelebriert, mal explosiv, mal sphärisch, mal auch mit gesprochenen Akklamationen garniert.

In Deutschland aufgewachsen, zog die Familie nach England, als May acht war. Seine exzellente Technik hat er dementsprechend beim Bachelor-Studium am Royal Birmingham Conservatoire erworben. Zum Masterstudium bei Florian Trübsbach kam er vor fünf Jahren zurück nach München. Aktuell setzt er noch ein Kompositionsstudium bei Gregor Hübner drauf. Und es gefällt ihm in München und seiner jungen Jazzszene so gut, dass er auf jeden Fall bleiben will.

Freilich geht es im April erst einmal für einen Monat nach Brasilien. Der Einblick in die Szene von Sao Paulo ist die Belohnung für den Gewinn des Kurt Maas Awards. „Die brasilianische Musik und die südamerikanische Rhythmik, diese Seite fehlt mir noch in meinem Repertoire“, sagt er selbst. Mal sehen, was nach diesen neuen Eindrücken passiert. Man durfte schon bisher einiges von ihm erhoffen. Oliver Hochkeppel