Bei diesem interessanten Namen könnte ja meinen, dass das eine Figur ist. Damit haben sie auch gespielt und gesagt, dass Clara Mosch eine Widerstandsaktivistin neben Clara Zetkin gewesen sei. Aber es ist eigentlich ein Akronym aus ihren eigenen Anfangsbuchstaben.
Alleine ihr Name war ein Spiel und eine Tarnung, mit dem man in der DDR undercover agieren konnte.
Sylvie Kürsten, Regisseurin
Der Anfang „Cla“ steht für Carlfriedrich Claus, den Ältesten und auch wahrscheinlich visionärsten Künstler aus der Gruppe. „Ra“ steht für Ranft – Thomas Ranft hat sich die Gruppe ausgedacht und seine Ehefrau Dagmar Ranft-Schinke war auch dabei. „Mo“ steht für Michael Morgner, den heute vielleicht bekanntesten unter den fünf Künstlern. Und „Sch“ steht Gregor-Torsten Kozik, der damals noch Schade hieß. Das war ihre Tarnname, unter dem haben sie agiert, fünf Jahre lang.
„Die Kunst des kreativen Widerstands“ heißt es im Untertitel Ihres Films. Können Sie ein Beispiel nennen, was für Aktionen die Gruppe veranstaltet hat?
Dieser Untertitel ist mir total wichtig gewesen, weil ich finde, dass wir von diesen Aktionen oder überhaupt von ihrer ganzen Strategie, bis heute wahnsinnig viel lernen kann. Deswegen versuche ich das auch im Film aufzudröseln.
Alleine ihr Name war ein Spiel und eine Tarnung, mit dem man in diesem System undercover agieren konnte. Noch lange vor ihrer Ausstellungs- oder Galerieeröffnung haben sie die Offiziellen damit an der Nase herumgeführt. Die wussten erstmal nicht, womit sie es zu tun haben werden.
Sie haben dann eine private Galerie in einem Vorort von Karl-Marx-Stadt aufgemacht. Das war eigentlich verboten. Sie haben es geschafft mit einem Balance-Akt: jemandem aus der Partei im Vorstand, aber trotzdem ihre eigene Ausstellungspolitik zu machen. Sie haben mit Künstlern ausgestellt, die eigentlich verboten waren – also waren sehr solidarisch zur Szene.
Man dachte, sowas hat es nur im „freien Westen“ geben können und sie haben bewiesen, dass es sowas auch in der DDR gegeben hat.
Sylvie Kürsten, Regisseurin
Die wirklich spannendsten Aktionen – die auch so Lust gemacht haben, den Film über sie zu erzählen – waren unter anderem die Künstler-Fußballfeste. Die Chemnitzer non-konformen Künstler haben regelmäßig gegen Leipziger Künstler gespielt. Es war ganz bodenständig, lustig, alle waren eingeladen und gleichzeitig war es ein Messen der eher abstrakteren, non-konformen Kunst gegen die realistischere Kunst der Leipziger. Es war auch eine subtile Ansage.
So könnte man unzählige Aktionen aufzählen, wo Clara Mosch den Rahmen der Kunst gesprengt haben – den Rahmen dessen, was in der DDR als Kunst definiert wurde oder was wir alle denken, was Kunst ist.Sie sind nicht nur auf dem Bilderrahmen geblieben, sondern haben die Kunst geweitet. Man dachte, sowas hat es nur im „freien Westen“ geben können und sie haben bewiesen, dass es sowas auch in der DDR gegeben hat.
Wir wissen, das Humorverständnis oder die Humorfähigkeit der SED und der Staatssicherheit waren durchaus begrenzt. Wie hat die Stasi auf Clara Mosch reagiert?
Sie wurden glücklicherweise nicht inhaftiert, wurden nicht ausgebürgert. Das sagen die Mosch auch selber: „Man, wir hatten eigentlich verdammt viel Glück gehabt!“ Aber trotzdem mussten sie sich regelmäßig erklären. Das hat eine Art von echter Diplomatie gebraucht, um da nicht permanent ausgeschlossen zu werden.
Sie prahlen immer mit der großen Zahl von Spitzeln, die sie über die fünf Jahre, die sie aktiv waren, bespitzelt haben.
Sylvie Kürsten, Regisseurin
Sie wurden natürlich von vielen Spitzeln beobachtet. Sie prahlen immer mit einer großen Zahl von Spitzeln, die sie wirklich über die fünf Jahre, die sie aktiv waren, bespitzelt haben. Es gab auch einen Fotografen, was deren Existenz oder deren Geschichte besonders spannend macht.
Und es gab auch einen relativ krassen Maßnahmenplan gegen sie. Der hat zum Schluss auch dazu geführt, dass sie sich eben auflösen mussten, weil sie gesagt haben, jetzt macht es irgendwie keinen Spaß mehr.
Aber was das Wichtigste war, vielleicht jetzt auch für die Erzählung am wichtigsten: Sie haben immer gesagt, wir waren total geschützt durch den Westen. In dieses kleine Dorf Adelsberg bei Karl-Marx-Stadt sind eben viele Leute von der ständigen Vertretung gekommen. Und das war ihr Glück, dass sie eben auch über die Grenzen der DDR hinaus bekannt waren.
Programm-Hinweis
„Go Clara Go. Die Kunst des kreativen Widerstands“
Film von Sylvie Kürsten
im MDR FERNSEHEN am 4. Januar 2026, 22 Uhr
In der ARD Mediathek bis 28.03.2026.
Das Interview wurde für die bessere Verständlichkeit gekürzt und angepasst.
Quelle: MDR KULTUR (Thomas Bille), Redaktionelle Bearbeitung: tsa, gw