Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) – Fast 20 Jahre lang war sie das vertraute Nachrichten-Gesicht der Nation, die „Tagesschau“ ihr berufliches Zuhause. Seit zwei Jahren liegt dieses Kapitel hinter ihr. Judith Rakers hört nun vor allem auf ihr Herz: Am 6. Januar wird sie 50 und feiert einen persönlichen Neuanfang. Sie schaut nicht zurück, mit Wehmut, sondern nach vorn. Mit einer tiefen, ehrlichen Lust auf das Leben. BILD hat Judith Rakers getroffen.

Was heute zählt, sind Echtheit, Ruhe und Freiheit. Lange wollte Judith Rakers perfekt sein, fehlerfrei, stark nach außen. Heute schaut sie mit Milde darauf zurück und sagt: „Früher wollte ich alles perfekt machen, heute reicht mir mein Bestes. Und das ist völlig okay.“ Ein Satz, der viel über sie erzählt: „Ich musste erst älter werden, um mir zu erlauben, unperfekt zu sein. Das ist vielleicht die schönste Errungenschaft des Älterwerdens.“

2008 begann Judith Rakers (damals 32) die 20-Uhr-Sendung der Tagesschau gemeinsam mit dem damaligen Chef-Sprecher Jan Hofer zu moderieren. Von 2015 bis 2019 arbeitete Rakers für die Tagesschau

Judith Rakers (damals 32) begann 2008 (damals 32) die 20-Uhr-Ausgabe der „Tagesschau“ gemeinsam mit dem damaligen Chef-Sprecher Jan Hofer zu moderieren. Sie arbeitete insgesamt 19 Jahre für die „Tagesschau“

Foto: AP

Abschied vom Leistungsdruck

Unvollkommenheit ist für sie kein Makel mehr. Sondern etwas, das Geschichten lebendig macht. Das zeigt sie auch in ihren Kinderbüchern („Judiths kleine Farm“, Kosmos): „Ich liebe es, wenn die Tiere in meinen Geschichten nicht perfekt sind, mit Brüchen, kleinen Macken und Stärken. So ist das echte Leben.“

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Sie bringt es auf den Punkt: „Mit 20 wollte ich perfekt sein. Mit 50 will ich echt sein.“ Und genau das lebt sie heute. Gelassener. Weicher. Freier. Auf der Ostseeinsel Rügen. In ihrem Gartenparadies: „Ich gönne mir heute, etwas nicht zu können. Das wäre früher undenkbar gewesen.“

Judith Rakers genießt die Natur mit ihrer Katze Luise Trenker. Über das Älterwerden sagt sie: „Ich fühle mich innerlich seit zwanzig Jahren gleich: neugierig, frisch, voller Lust auf die Welt.“

Judith Rakers genießt die Natur mit ihrer Katze Luise Trenker. Über das Älterwerden sagt sie: „Ich fühle mich innerlich seit zwanzig Jahren gleich: neugierig, frisch, voller Lust auf die Welt.“

Foto: Patrick Lipke

Gelassener, freier, mutiger: So hat sich Judith Rakers verändert

„Ich bin entspannter geworden. Mein Leben darf Ecken haben, genau wie ich.“ Dabei ist Judith Rakers alles andere als stehen geblieben: „Viele glauben, ich stehe nur am Beet und pflücke Blumen, aber ich moderiere immer noch eine Talkshow, Reisereportagen, habe einen wöchentlichen Podcast, schreibe Bücher, entwickle Spiele und leite ein kleines Unternehmen, das nachhaltige Gartenartikel entwickelt. Es ist noch immer eine 50-Stunden-Woche.“

Judith Rakers (damals 35) moderierte 2011 gemeinsam mit Anke Engelke (damals 46, l.) und Stefan Raab (damals 45) den Eurovision Song Contest in Düsseldorf

Judith Rakers (damals 35) moderierte 2011 gemeinsam mit Anke Engelke (damals 46, l.) und Stefan Raab (damals 45) den Eurovision Song Contest in Düsseldorf

Foto: picture alliance / dpa

Arbeiten aus Leidenschaft, aber ohne Hamsterrad

Der Unterschied zu früher? Der innere Druck ist weg. „Ich bin gerne produktiv, aber ich will kein Hamsterrad mehr.“ Heute darf Arbeit auch Pause kennen. Sie: „Ich lerne gerade, dass Wochenenden und Nächte wirklich zum Ausruhen da sind.“ Und manchmal ist selbst Urlaub etwas Besonderes: „Zweieinhalb Wochen Urlaub, das ist für mich wie ein kleines Wunder.“ Über ihren Geburtstag will die Moderatorin in Südafrika sein.

Ihr Rückzug von der „Tagesschau“ nach 19 Jahren kam 2024 überraschend. Sie rückblickend zu BILD: „Ich habe Entscheidungen immer rational getroffen, aber an dem Punkt wusste ich: Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich unglücklich.“ Also hat sie sich getraut. „Selbst wenn ich am Ende eine Eisdiele aufmachen müsste, Hauptsache, ich habe es versucht.“ Und sie vertraut darauf, dass Mut belohnt wird: „Ich gehe mit dem Flow. Ich glaube, das Leben belohnt Mut mit Freiheit.“

Die kleine Judith als Kindergartenkind auf der Wiese mit ihrem roten Ball, auch als Kind liebte es die heutige Moderatorin in der Natur zu sein

Die kleine Judith als Kindergartenkind auf der Wiese mit ihrem roten Ball, auch als Kind liebte es die heutige Moderatorin, in der Natur zu sein

Foto: Privat

Judith Rakers hat ihr Leben so gestaltet, dass sie vieles selbst bestimmen kann. „Diese Freiheit habe ich mir erarbeitet.“ Und irgendwo zwischen Natur, Arbeit und innerer Ruhe sagt sie: „Ich habe mein Zuhause in der Natur gefunden und vielleicht auch in mir selbst.“