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Mit einem ganz besonderen Angebot will Akademieleiterin Anna Eisner (rechts) die Kunst sowie die Ateliers in der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor lebendig machen.Mit einem ganz besonderen Angebot will Akademieleiterin Anna Eisner (rechts) die Kunst sowie die Ateliers in der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor lebendig machen. © Andreas Jacob

Für Kunstinteressierte bietet die Akademie der bildenden Künste Kolbermoor (ADBK) gleich zu Jahresbeginn ein besonderes Schmankerl. Was hinter dem Angebot am 11. Januar 2026 steckt, verrät Akademieleiterin Anna Eisner (39) im OVB-Interview.

Kolbermoor – Die Akademie der bildenden Künste Kolbermoor (ADBK) geht neue Wege: Am Sonntag, 11. Januar 2026, verwandeln Akademieleiterin Anna Eisner (39) und zahlreiche Künstler die Einrichtung in ein offenes Atelier. Von 11 bis 16 Uhr haben Besucher dann die Möglichkeit, den Dozenten bei ihrem künstlerischen Schaffen über die Schulter zu schauen.

Laut Eisner werden an diesem Tag die 24 Dozenten Aljoscha Blau, Frank Burkamp, Peter Casagrande, Angelika Domenig, Hedwig Eberle, Bettina Egli Sennhauser, Anja Eichen, Franz Feistl, Wilhelm Fikisz, Helmut Geier, Heribert Heindl, Prof. Thomas Kesseler, Werner Maier, Anna Meyer, Hermann J. Netz, Stefan Nuetzel, Angelika Oedingen, Bogdan Pascu, Anke Ryba, Max Wagner, Yani Wang, Felix Weinold, Dietmar Wölfl und Sybille Rath die Besucher in ihre Arbeiten eintauchen lassen. Zudem können sich Interessierte am „Tag des offenen Ateliers“ über das Kurs- und Studienangebot der Akademie informieren.

Was sich Akademieleiterin Eisner von diesem neuen Angebot erhofft, wieso die einstige Arbeiterstadt Kolbermoor für Kunst und Kultur prädestiniert ist und ob sich wirklich alle Künstler gerne über die Schulter schauen lassen – diese und weitere Fragen hat die 39-Jährige im OVB-Interview beantwortet.

Am Sonntag, 11. Januar 2026, laden Sie erstmals zum „Tag der offenen Ateliers“ ein. Wie ist die Idee dazu entstanden?

Anna Eisner: Schon seit Langem hege ich den Wunsch, die Räumlichkeiten der Akademie der Bildenden Künste Kolbermoor der Öffentlichkeit einmal so zu zeigen, wie sie den Großteil des Jahres genutzt werden: als lebendige Ateliers während unserer Kurse und Studiengänge. Bisher haben wir ausschließlich klassische Ausstellungen veranstaltet. Diese Formate werden wir auch weiterhin beibehalten, doch für mich war es an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren.

Anna Eisner, Leiterin der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor.Anna Eisner, Leiterin der Akademie der bildenden Künste Kolbermoor. © Andreas JacobKünstler Franz Feistl, der hier an einem seiner Werke arbeitet, wird sich am „Tag des offenen Ateliers“ in Kolbermoor auch über die Schulter schauen lassen.Künstler Franz Feistl, der hier an einem seiner Werke arbeitet, wird sich am „Tag des offenen Ateliers“ in Kolbermoor auch über die Schulter schauen lassen. © Andreas Jacob

Die Besucherinnen und Besucher dürfen in diesem Jahr also in eine echte Atelieratmosphäre eintauchen, miterleben, wie Werke entstehen, und die Künstlerinnen und Künstler direkt zu ihrem Schaffen befragen. Zu sehen sein werden sowohl fertige Arbeiten als auch Werke im Entstehungsprozess. Das ist nicht nur für Kunstschaffende spannend, sondern ebenso für Kunstliebhaber. Zudem erhoffe ich mir, dass der Dialog zwischen Publikum und Dozierenden über das künstlerische Tun auf diese Weise noch leichter entsteht als in einer klassischen Ausstellung, wenn die Künstler lediglich anwesend sind.

Was erwarten Sie sich vom Angebot?

Eisner: Zunächst erhoffe ich mir ein breites Interesse an dieser Idee. Mit neugierigen und offenen Besucherinnen und Besuchern sollte das Konzept aufgehen und der 11. Januar von regem Austausch und aufmerksamem Zuschauen geprägt sein. Jeder Gast, der die Akademie an diesem Tag verlässt, sollte einen guten Einblick in den Akademiebetrieb gewonnen und einige unserer Lehrenden persönlich kennengelernt haben. Für Künstlerinnen und Künstler, die unser Programm bereits nutzen, bietet sich außerdem die Gelegenheit, neue Dozenten kennenzulernen. Denn neben den fachlichen Aspekten spielt das menschliche Miteinander eine entscheidende Rolle bei der Wahl eines Kurses oder Studiengangs.

Die Akademie profitiert sehr von der guten Infrastruktur.

Jetzt lässt sich vielleicht nicht jeder Künstler gerne über die Schulter schauen. Wie war die Reaktion der Künstler darauf? Gab es auch kritische Stimmen?

Eisner: Das ist richtig. Einige äußerten im Vorfeld, dass sie sich nur schwer auf einen kreativen Prozess vor Publikum einlassen können. Andere wiederum bieten bereits seit Langem ganztägige Live-Mal-Events an – das ist sehr individuell. Gerade unter Dozentinnen und Dozenten mit viel Lehrerfahrung sind Demonstrationen und Erklärungen jedoch keine ungewöhnliche Situation. Von einigen weiß ich, dass sie sich bereits intensiv Gedanken über ein Programm für diesen Tag gemacht haben. Unsere Studiengangsleiter haben zum Teil sogar Studierende eingebunden, sodass Interessierte nicht nur aktive Studenten befragen, sondern auch Arbeiten aus den Studiengängen sehen können.

Kolbermoor gilt durch die ehemalige Spinnerei eher als Arbeiterstadt. Wieso ist Sie dennoch genau der richtige Sitz für die ADBK?

Eisner: Die Akademie profitiert sehr von der guten Infrastruktur. Die Lage zwischen München und Salzburg, der fußläufig erreichbare Bahnhof sowie ausreichend Parkmöglichkeiten sorgen für eine sehr gute Erreichbarkeit. Vor Ort gibt es Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie, Einkaufsmöglichkeiten sowie ein Geschäft für Künstlerbedarf. Neben einem überzeugenden Programm sind solche Standortvorteile von großer Bedeutung. Zudem erleben wir bei unseren Veranstaltungen immer wieder, dass die Region ausgesprochen kunstinteressiert ist. Wir freuen uns über viele Besucherinnen und Besucher, die selbst keine Kunst schaffen, diese aber genießen oder auch erwerben.

Noch vor Jahrzehnten mussten Kunstliebhaber in Galerien und Museen gehen, um Kunst erleben zu können. Heute ist vieles auch digital möglich. Ist das eher Fluch oder Segen für die Kunstschaffenden?

Eisner: Tatsächlich beides. Ein Fluch insofern, als die Menge an sichtbaren Künstlerinnen, Künstlern und Werken auf digitalen Plattformen nahezu unüberschaubar geworden ist. Gleichzeitig bietet sich – ähnlich wie in der Musik – die Chance, sich mit vergleichsweise einfachen Mitteln zu präsentieren und unabhängig von klassischen Wegen zu vermarkten.

Ich hoffe, dass ich zumindest einen kleinen Teil ihres künstlerischen Talents geerbt habe.

Kunst ist vielfältig, reicht von der Bildhauerei über Choreografie bis zur Malerei. Für welchen Bereich können Sie sich besonders begeistern?

Eisner: Meine Favoriten sind die Malerei und die Zeichnung, was auch den Schwerpunkt unserer Akademie widerspiegelt. Darüber hinaus begeistern mich die Bildhauerei und Fotografie.

Ihre Mutter ist ebenfalls Künstlerin. Hat sie dieses Talent an Sie weitergegeben? Verwirklichen Sie sich selbst auch in irgendeiner Form künstlerisch?

Eisner: Ja, meine Mutter war Ideengeberin und eine zentrale Inspiration für die Akademie. Ich hoffe, dass ich zumindest einen kleinen Teil ihres künstlerischen Talents geerbt habe – auch wenn ich dieses nicht selbst auf der Leinwand auslebe. Ich bin ihr sehr dankbar, dass durch sie mein Weg in die Kunst geführt und mich in den vergangenen zehn Jahren mit so vielen beeindruckenden Persönlichkeiten in Kontakt gebracht hat.

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