Mit der MS L’Impressionniste durch Burgund: Das ist edles Zen auf dem Wasser. Während der Luxus-Kreuzfahrt von Escommes nach Fleurey-sur-Ouche gleitet die Péniche fast lautlos über den Canal de Bourgogne im Herzen der Weinregion. Der Törn im Test.

126 Fuß lang liegt sie zum Auftakt des einwöchigen Törn vertäut im kleinen Hafen von Escommes: L’Impressioniste. Eine péniche in bleu, blanc, rouge, auf der ihr die Lebensart des Burgund vom Wasser aus entdecken könnt. Das Schiff gehört zur Flotte von European Waterways und repräsentiert die Luxusklasse des Kanaltourismus.

MS L’Impressioniste: das Schiff

MS L’Impressioniste am Kai von Vandenasse. Foto: Hilke MaunderMS L’Impressioniste am Kai von Vandenesse-en-Auxois. Foto: Hilke Maunder

Die MS L’Impressioniste wurde 1960 als Frachtkahn Holland gebaut. Seit 1996 dient das Stahlschiff als schwimmendes Hotel. Der 250 PS starke Dieselmotor von Scania arbeitet ruhig und gleichmäßig. In den Kabinen, auf dem Deck oder im Salon vernehmt ihr lediglich ein leises, schwaches Brummen, während das Schiff mit maximal sechs Knoten durch den Kanal gleitet.

Maßarbeit - die Brückenpassagen. Foto: Hilke MaunderMaßarbeit – die Brückenpassage mit der MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

Zwölf Knoten (37 km/h) könnte L’Impressioniste schaffen. Doch auf dem Kanal gilt das Tempolimit von 11,11 Kilometern pro Stunde. Das langsame Dahingleiten ist Entschleunigung pur. Und perfekt geeignet, zu Fuß oder per Fahrrad dem Schiff auf den Treidelpfaden zu folgen. An jeder Schleuse könnt ihr aus- und zusteigen – und seid selbst zu Fuß stets schneller als das Schiff! Zwölf Tonnen Wasser und 3,5 Tonnen Diesel lässt der Kapitän vor jedem Törn für die maximal zwölf Passagiere an Bord laden.

Treidelweg am Canal de Bourgogne bei Vandenesse-en-Auxois. Foto: Hilke Maunder

Die Kabinen

Auf der MS L’Impressioniste gibt es Platz für zwölf Gäste in zwei Juniorsuiten (14 Quadratmeter) und vier staterooms genannte Doppelzimmer, jeweils zehn bis zwölf Quadratmeter groß. Viel Platz rund um die Betten ist nicht vorhanden. Er reicht zum Aufstehen und für einen Nachttisch zu beiden Seiten. Aber: Die Matratzen sind top, die Kissenberge typisch amerikanisch – und die Länge der Betten mit 1,96 Meter für Frankreich geradezu famos.

Eine typische Doppelkabine an Bord der MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

Wenig durchdacht wirkt die Platzierung der Lampen an den seitlichen Wänden: Ich habe mir da täglich mehrmals den Kopf gestoßen. Auch die recht großen Nachttischlampen würde ich am liebsten durch Oberlicht-Warm-LED-Leuchten ersetzt sehen. Wenn ihr euch verkehrt herum aufs Bett legt, könnt ihr aus den Bullaugen den Kanal sehen. Oder die Schleusenwand mit Moos, Farnen und nassem Stein anschauen … ungeheuer entspannend und überraschend mitunter!

MS L'Impressioniste: das Bad. Foto: Hilke MaunderDas Bad an Bord der MS L’Impressioniste. . Foto: Hilke Maunder

Kleidung und Gepäck finden in Schubladen unter dem Bett und einem kleinen Schrank mit Safe Platz. Weiche Reisetaschen erweisen sich hier als deutlich praktischer als feste Koffer.

Die Zimmer sind rund zwei Meter hoch. Im ungewöhnlich geräumigen Bad ergibt dies für die Dusche rund 1.83 – einen Finger breit hatte mein Kopf Luft nach oben. Freut euch auf einen richtig schön kräftigen Wasserstrahl und Produkte von L’Occitane für die Haar- und Körperwäsche!

Der Salon

MS L'ImpressionisteDer Salon der MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

„Das Frühstück der Ruderer“ von Auguste Renoir schmückt den Esstisch an der Stirnseite des Salons. Auf den Bartresen stellt Daniel jeden Morgen das Tagesprogramm. Rosalie hinterlässt dort das Menü der Mahlzeiten.

MS L'Impressioniste: die Bordbar. Foto: Hilke MaunderDas hospitality deck der MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

Kaffee und Tee, Armagnac, Whisky, Cognac und Wein vereint die Bordbar. Fehlt eurer Lieblingsgetränk oder wollt ihr etwas kosten, was nicht vorhanden ist, besorgt es die Crew bei ihrem täglichen Einkauf. So wurde auf die Bitte der Gäste neben die  Nespresso-Maschine auch ein Wasserkocher hingestellt – für die Teetrinker.

MS L'Impressioniste: Die Kaffee- und Teebar. Foto: Hilke MaunderDie Kaffee- und Teebar im Salon der MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

Das Sonnendeck der MS L’Impressioniste

Lesen, gucken, träumen: Viel passiert nicht auf dem geräumigen Deck mit seinem Teaktisch unter dem Sonnensegel und dem größeren Teaktisch unter freiem Himmel.

Doch auf jedem Törn ist immer wieder einmal diese Bitte des Matrosen zu hören. „Achtung, bitte bleiben Sie sitzen. Nicht aufstehen!“ Das Sonnensegel senkt sich auf Knopfdruck hydraulisch, und das Flusskreuzfahrtschiff gleitet unter einer Brücke hindurch. Ihr Ziegelwerk, ihre Eisenträger oder Holzbalken sind nur handbreit von den Köpfen entfernt.

Daniel erläutert die Reiseroute de Tages. Foto: Hilke Maunder

Die Beine hochlegen könnt ihr auf zwei Teak-Liegestühlen. Ist das Schiff am Kai vertäut, rollt Sam zu Füßen der Deckchairs die Plane zurück: Zeit für genussvolles Plantschen im Whirlpool. Wer mag, kann zum Blubberbad feinste bulles genießen, Champagner.

Bei jedem Törn des MS L'Impressioniste sind Fahrräder mit an Bord. Foto: Hilke MaunderBei jedem Törn der MS L’Impressioniste sind Fahrräder mit an Bord. Foto: Hilke Maunder

L’Impressioniste: die Crew

Kapitän, Matrose, Reiseleiter, Küchenchef, Servierkraft und Zimmermädchen: Immer gehören sechs Mitarbeiter zur Crew, auch wenn weniger als zwölf Passagiere an Bord sind. Bei kleineren Gruppen führt dieser Serviceschlüssel zu einer außergewöhnlichen Betreuung.

MS L'Impressionisste: Zur Begrüßung an Bord gibt es Champagner. Foto: Hilke MaunderZur Begrüßung an Bord gibt es Champagner. Foto: Hilke Maunder

Während des Frühstücks verschwinden Staubkörnchen wie von Geisterhand, Kissen werden gerade gezupft und Gläser unauffällig nachgefüllt. Dieser Luxustourismus stresst nicht, sondern entspannt durch seine omnipräsente Herzlichkeit.

Der Kapitän, Cédric aus Dijon. Foto: Hilke Maunder

Cédric, der Kapitän aus Dijon, steuert das Schiff seit 20 Jahren gelassen durch 289 Schleusen, oft mit nur fünf Zentimetern Spielraum zum Rand.

Sam, Matrose an Bord des MS L’Impressioniste. Foto: Hilke MaunderSam, Matrose an Bord des MS L’Impressioniste. Foto: Hilke Maunder

Sam, der Matrose, bewältigt den sportlichen Teil und öffnet während eines Törns 41 Schleusen mit purer Muskelkraft.

Reiseleiter Daniel. Foto: Hilke Maunder

Daniel, der britische Cruise Manager, koordiniert die Ausflüge. Der Engländer ist mit einer Französin verheiratet und lebt mit ihr in der Nähe des Kanals. Beide haben die gleichen Tattoos auf der Innenseite des Unterarmes.

Erell. Foto: Hilke Maunder

Erell aus der Bretagne betreut die Kabinen und tritt abends als Sommelière und Servierkraft auf.

Rosalie. Foto: Hilke Maunder

Unterstützt wird sie von Rosalie, die ebenfalls aus der Bourgogne stammt – dem Tal der Ouche.

Joss. Foto: Hilke Maunder

Der britische Koch Joss zaubert in seiner winzigen Kombüse Hochgenüsse – von leichten Lunches bis zum fünfgängigen Captain’s Dinner.

L'Impressioniste: Vorspeise mit Rote Bete. Foto: Hike MaunderRote Bete-Vorspeise. Foto: Hilke Maunder

Konfinierte Ente zum Hauptgang. Foto: Hilke MaunderKonfierte Ente zum Hauptgang. Foto: Hilke Maunder

Käse schließt auch an Bord von MS L'Impressioniste den Magen. Foto: Hilke MaunderKäse schließt auch an Bord von MS L’Impressioniste den Magen. Foto: Hilke Maunder

Das Fahrtrevier: Durch das Herz Burgunds

Die MS L’Impressioniste ist ausschließlich auf dem Canal de Bourgogne unterwegs. Der 243 Kilometer langeKanal verbindet die Yonne, die im regionalen Naturpark Morvan entspringt, mit der Saône, wo er in Saint-Jean-de-Losne einmündet. Über weitere Flüsse – Seine und Rhône – sowie weitere Kanäle schafft er –ähnlich wie der südliche Canal du Midi – eine Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik. Zwischen 1773 und 1832 wurde der Kanal mit 189 Schleusen unter schwierigsten Bedingungen errichtet. Als UNESCO-Kandidat steht der Canal de Bourgogne für nachhaltigen Tourismus, der Natur und Kultur in harmonischem Einklang erhält

Der Canal de Bourgogne bei Vandenasse. Foto: Hilke MaunderDer Canal de Bourgogne bei Vandenesse-en-Auxois. Foto: Hilke Maunder

Den Hafen von Escommes findet ihr sechs Kilometer südlich vom 376 Meter hohen Kanalscheitelpunkt in Pouilly-en-Auxois. Wer gen Norden schippern will, muss hier die Voûte de Pouilly-en-Auxois passieren, einen 3.333 Meter langen Tunnel. Erst 2017 erhielt der berühmteste Flusstunnel Frankreichs entlang seines Gewölbes eine weiße Sicherheitsbeleuchtung installiert – und seinen zehn großen Lüftungsschächten zusätzliche Dioden. Ihr türkisblaues Leuchten beschert dem Tunnel eine einzigartige Atmosphäre!

Naturhafen des Pont d’Ouche am Canal de Bourgogne. Foto: Hilke MaunderNaturhafen des Pont d’Ouche am Canal de Bourgogne. Foto: Hilke Maunder

Ausflüge und Landgänge

Das Ausflugs- und Landprogramm der MS L’Impressionniste auf dem Canal de Bourgogne sieht täglich ein bis zwei geführte Aktivitäten mit privaten Guides vor.

Ein fester Programmpunkt ist Châteauneuf-en-Auxois, das zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört. Zwei Stunden lang könnt ihr dort bei einem Rundgang die UNESCO-geschützte Altstadt mit ihrer Burg, der gotischen Kirche, alten Bauernhöfen und Esplanade mit Panoramablick über das Ouche-Tal genießen.

Châteauneuf-en-Auxois. Foto: Hilke Maunder

Das Burgschlloss von Châteauneuf-en-Auxois. Foto: Hilke Maunder

Die dreistündige Tour zu den Hospices de Beaune endet mit einer privaten Weinprobe bei einem lokalen Winzer mit Bourgogne Pinot Noir und Chardonnay. In Dijon entdeckt ihr bei einer dreistündigen ​Stadtführung den Palais des Ducs de Bourgogne, die Markthalle, den Senfhersteller Fallot sowie regionale Spezialitäten. 

Beaune: Hôtel-Dieu. Foto: Hilke Maunder

Weltberühmt: das Hôtel-Dieu von Beaune. Foto: Hilke Maunder

Das Unternehmen

Dereks Banks ist der Mann hinter European Waterways. Selbst begeisterter Skipper, gründete er 1974 European Waterways in London.

Unter dem Motto Go barging bietet er Luxuskreuzfahrten auf Europas Flüssen an – 18 Schiffe, acht davon gehören dem Unternehmen, sind in 18 Regionen zwischen Schottland und Gascogne 22 Wochen im Jahr unterwegs. An Bord sind acht bis 20 Gäste.

Livemusik zum Apero. Foto: Hilke MaunderNach einem Ausflug gibt es mitunter auch Live-Musik an Bord zum Apéro. Foto: Hilke Maunder

Eine Kanalkreuzfahrt mit der MS L’Impressioniste: die Infos

Anreise

European Waterways organisiert für Gäste der MS L’Impressionniste Transfers zum Abfahrtshafen in Escommes. Bei Buchung eines regulären Törns (Fleurey-sur-Ouche nach Escommes oder umgekehrt) erfolgt die Anreise per privatem Minibus ab dem Hotel Westminster in Paris (rund 3,5 Stunden Fahrtzeit) am Sonntagmorgen mit Champagner-Begrüßung an Bord. Rücktransfers am Samstagmorgen führen zurück nach Paris oder optional nach Dijon (ca. 1 Stunde).

Ohne Transferpaket erreichen ihr Escommes in eigenen Gefährt auf der Autobahn A6, Abfahrt Pouilly-en-Auxois, dann D15, ca. 20 Minuten; Parkplätze am Naturhafen Pont d’Ouche). Per Bahn bringt euch der TGV nach Dijon (1,5 Std. ab Paris), von dort geht es mit Bus oder Taxi nach Pouilly-en-Auxois (keine direkte Linie, ca. 1 Std.). Von den Flughäfen Lyon oder Basel empfiehlt sich ein Mietwagen (3–4 Std.).

Bouchard Père & Fils. Foto: Hilke Maunder

Trockenmauern trennen die einzelnen Parzellen der Weinberge von Beaune-Grèves. Foto: Hilke Maunder

Die beste Reisezeit

European Waterways bietet Kreuzfahrten mit der MS L’Impressionniste auf dem Canal de Bourgogne von Mai bis September an. Im Frühling ist Burgund oft nass und regnerisch. Niederschläge von 60–80 mm/Monat sind üblich, bei Temperaturen um 12–18 °Celsius. Juni bis August bieten 20–28 °C und wenig Regen (40–60 mm). ​ Für mich persönlich ist September der schönste Monat für einen Törn mit der MS L’Impressioniste. Es ist noch schön mild und sonnig, aber das Laub der Weinberge beginnt sich zu färben, und die Lese beginnt.

Offenlegung

Zu der Reise auf dem Luxuskreuzfahrtschiff L’Impressioniste lud mich European Waterways ein. Veranstalter und Crew sage ich merci und herzlichen Dank. Einfluss auf meine Blogberichte hat dies nicht. Ich berichte subjektiv, wie ich es erlebt habe, mache kein Merchandising und werde erst recht nicht für meine Posts bezahlt.

MS L'Impressioniste, Gäste. Foto: Hilke MaunderApéro an Deck – welche eine schöne Form, den Abend zu beginnen. Foto: Hilke Maunder

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Im Blog

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