Zwingend UN-Charta einhaltenEuropäer nach US-Angriff auf Venezuela in großer Sorge
03.01.2026, 14:39 Uhr
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Kallas fordert nach Maduros Entmachtung einen friedlichen Übergang in Venezuela. (Foto: picture alliance / NurPhoto)TeilenFolgen auf:
Unterstützer des linksnationalen Präsidenten Venezuelas verurteilen seine Festnahme durch US-Spezialkräfte. In Europa reagieren Staats- und Regierungschefs dagegen mit großer Sorge vor den Konsequenzen. Ihre Worte richten sich vor allem an die US-Regierung.
Nach dem US-Angriff auf Venezuela und der Festnahme von Präsident Nicolas Maduro durch US-Spezialkräfte betonen Verbündete wie Russland oder der Iran ihre Unterstützung des südamerikanischen Landes. Auch aus westlichen Demokratien gibt es erste Statements. Die sind jedoch alles andere als Jubelstürme für das Vorgehen der Trump-Regierung.
Die Bundesregierung erklärte, sie beobachte die Entwicklung „mit größter Sorge“. Der Krisenstab der Bundesregierung berate im Auswärtigen Amt über die Situation. „Wir beobachten die Lage in Venezuela sehr aufmerksam“, hieß es. Das Auswärtige Amt stehe im engen Kontakt mit der Botschaft in Caracas. Die Lage sei derzeit noch in Teilen unübersichtlich. „Wir stimmen uns eng mit unseren Partnern ab.“
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas rief nach einem Telefonat mit US-Außenminister Marco Rubio zur Zurückhaltung auf. „Die EU hat wiederholt erklärt, dass Herrn Maduro die Legitimität fehlt und sich für einen friedlichen Übergang ausgesprochen“, schreibt sie auf X. „Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden. Wir rufen zur Zurückhaltung auf“, fügt sie hinzu, ohne die USA direkt zu kritisieren. Die Sicherheit der EU-Bürger in Venezuela habe für die EU oberste Priorität.
Auch EU-Ratspräsident António Costa zeigte sich besorgt über die Angriffe. „Die Europäische Union ruft zur Deeskalation und zu einer Lösung unter vollständiger Achtung des Völkerrechts und der in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Grundsätze auf“, schrieb Costa auf X. Die EU werde sich weiterhin für eine friedliche, demokratische und inklusive Lösung in Venezuela einsetzen.
Spanien fordert Mäßigung der USA
Auch Spanien forderte angesichts der US-Angriffe in Venezuela und der Mitteilung über eine Gefangennahme von Präsident Maduro Mäßigung. Das Völkerrecht und die UN-Charta müssten beachtet werden, stand in einer ersten Erklärung des spanischen Außenministeriums zur Lage in dem südamerikanischen Land. Zugleich bot die linke Regierung in Madrid ihre Hilfe an, um „eine friedliche und durch Verhandlungen erzielte Lösung der gegenwärtigen Krise zu erreichen“. Das Außenministerium beobachte die Lage in Venezuela und in Abstimmung mit seinen Partnern in der EU und den Ländern der Region, hieß es weiter. „Wir fordern eine schrittweise Lockerung der Beschränkungen und verantwortungsvolles Handeln. Das Völkerrecht und die Grundsätze der UN-Charta müssen geachtet werden“, forderte auch Ministerpräsident Pedro Sanchez auf X.
Der niederländische Außenminister David van Weel schreibt ebenfalls aus X, dass die Lage in Caracas weiterhin unklar sei. „Wir verfolgen die Entwicklungen aufmerksam und stehen in Kontakt mit unserer Botschaft in Venezuela, dem Verteidigungsministerium und den jeweiligen Ländern. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Sicherheit niederländischer Staatsbürger in Venezuela und im Königreich der Niederlande.“ Zu den Niederlanden gehören auch mehrere Karibikinseln. Weitere karibische Gebiete sind kein Teil des Landes Niederlande, sondern autonome Länder im Königreich der Niederlande: Aruba, Curaçao und Sint Maarten.
Das polnische Außenministerium erklärte laut CNN, dass es die Zahl seiner Staatsangehörigen in dem Land „überprüfe“. „Wir haben keine Informationen darüber, dass einer unserer Staatsangehörigen Hilfe benötigt. Die meisten Polen halten sich langfristig in Venezuela auf“, erklärte Sprecher Maciej Wewiór in sozialen Medien.
Argentiniens Präsident Javier Milei feiert dagegen die Festsetzung von Maduro. „DIE FREIHEIT SCHREITET VORAN, ES LEBE DIE FREIHEIT VERDAMMT NOCHMAL“, schrieb der ultraliberale Politiker auf X in Versalien zu einem Nachrichtenbericht, den er auf der Plattform teilte. Milei ist ein vehementer Gegner der bisherigen venezolanischen Führung unter Maduro und ein Verbündeter der US-Regierung von Donald Trump.