Hochlichter – was Basler Museen zeigen

Von Frankenthaler über Cézanne, von Färbetechniken zu Gold und von Schwarz-Weiss-Comics bis zum freien Denken im inneren Ort. Ein reichhaltiges Angebot.

Markus Wüest Publiziert heute um 11:26 Uhr Helen Frankenthaler hält ein abstraktes Gemälde in einem Atelier voller grossformatiger Malereien und Farben.

Helen Frankenthaler in ihrem Studio in New York City 1974.

Foto: Alexander Liberman/Helen Frankenthaler Foundation, Inc.

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BotTalk Kunstmuseum Basel

Im Frühjahr 2026 widmet das Kunstmuseum Basel der US-amerikanischen Künstlerin Helen Frankenthaler (1928–2011) die bislang grösste europäische Werkschau ihrer Malerei und ihre erste Einzelausstellung in der Schweiz. Über 50 Werke zeigen die Entwicklung einer zentralen Pionierin der abstrakten Nachkriegskunst. Im Fokus steht Frankenthalers revolutionäre Soak-Stain-Technik, mit der sie seit den frühen 1950er-Jahren Farbe und Leinwand zu einer Einheit verschmolz und entscheidende Impulse für die Farbfeldmalerei setzte. Die Ausstellung beleuchtet ihr Schaffen über mehr als fünf Jahrzehnte und eröffnet neue Perspektiven auf ihre intensive Auseinandersetzung mit der westlichen Kunstgeschichte von der Renaissance bis zur Moderne.

Neubau Kunstmuseum, ab 18. April

Fondation Beyeler Stillleben mit Früchten und Krug auf einem Tisch mit weissem Tuch, um 1899, impressionistischer Stil.

Paul Cézanne, «Pommes et oranges» (Äpfel und Orangen), um 1899.

Foto: Hervé Lewandowski/Musée d’Orsay

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte widmet die Fondation Beyeler eine Einzelausstellung Paul Cézanne (1839–1906) – einem Pionier der modernen Kunst und zentralen Künstler ihrer Sammlung. Mit rund 80 Werken konzentriert sich die Ausstellung auf die letzte und bedeutendste Phase im Schaffen des französischen Malers und zeigt Cézanne in Hochform: Zu sehen sind geheimnisvolle Porträts, paradiesische Badende, Sehnsuchtslandschaften aus der Provence und sein Lieblingsberg, die Montagne Sainte-Victoire, die der Künstler in immer neuen Ansichten darstellte. In seinem Atelier im Süden Frankreichs brachte Cézanne mit meisterhaftem Gespür Licht, Farbe und Form in ein kraftvolles Spannungsverhältnis. Er gestaltete revolutionäre Bilder, die Generationen von Künstlern und Künstlerinnen bis heute inspirieren.

25. Januar – 25. Mai 2026

Museum Tinguely

2026 präsentiert das Museum drei Ausstellungen zu Technologie, Körper und Kommunikation: Nicolas Darrots «Fuzzy Logic» (ab 5. März) überträgt die Idee unscharfer KI auf mechanische Figuren. Statt im Binär- beziehungsweise im Dualsystem bewegen sie sich in Zwischentönen – spontan, komplex, fehlerhaft – und spiegeln menschliche Stimmungen.

Angelica Mesitis «Reverb» (18. März bis 30. August) erkundet in poetischen Videoinstallationen alternative Verständigung über Klang, Gestik und Rituale; The Rites of When (2024) denkt jahreszeitliche Bräuche neu und entwirft Wege des Miteinanders in ökologisch und sozial unsicheren Zeiten.

«Labouring Bodies» (10. Juni bis 8. November) betrachtet aus feministischer Perspektive, wie Maschinen seit der Moderne Körper prägen, kontrollieren und zugleich Räume für Widerstand, Fürsorge, Produktion und Reproduktion eröffnen.

Museum der Kulturen Nahaufnahme eines blauen Batikmusters mit weissen Kreisen und marmorierten Strukturen.

Männergewand Boubou, von den Soninke in Sierre Leone, erworben in Mali um 1973/1974.

Foto: Museum der Kulturen, Basel

In drei Ausstellungen rückt das Museum der Kulturen 2026 auf unterschiedliche Art und Weise Farbe, Technik und Material in den Fokus. «Die Eule ist pink – farbige Geschichten» lädt zum Erkunden mit verschiedenen Sinnen ein: Eine pinke Eule führt durch farbige Objekte der Sammlung; Mitmachstationen, grosses Atelier, Texte, Audioguides und Führungen machen die inklusive Schau für alle, besonders für Menschen mit Beeinträchtigungen, erlebbar. (24. April bis Januar 2027)

«Tie-dye: genäht, gefaltet, gefärbt» (4. September bis April 2027) zeigt unter Namen wie Shibori, Bandhani und Adire die Vielfalt gebundener Färbetechniken aus Asien, Europa, Afrika und Südamerika – aktuell ein Tiktok-Hype, der vor allem die Jungen anspricht.

«Gold – von Glanz- und Schattenseiten» (ab 19. November) kontrastiert funkelnde Objekte mit kritischen Stimmen zum Abbau des Edelmetalls. Zudem gibt es im MKB wieder einen Familientag im Mai, ein Nachtfieber im Juni, und auch der Dia de Muertos (2. November) soll wieder gefeiert werden. Es ist das erste Jahr unter der neuen Direktion. Am 1. November 2025 hat Friedrich von Bose von Anna Schmid übernommen.

Antikenmuseum und Sammlung Ludwig

Unter dem Titel «Aufbruch» setzt sich das Antikenmuseum ab 18. Oktober mit der Frage auseinander: Was bewegt Menschen – damals und heute? Was bewegt Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen? Welche Folgen hat Mobilität für Gesellschaften – damals wie heute? Die neue Sonderausstellung nimmt diese drängenden Fragen auf und bietet eine einzigartige Möglichkeit, sich einem aktuellen Thema aus einer ungewohnten, historischen Perspektive zu nähern.

Kunsthaus Baselland Gemälde mit Topfpflanzen auf einem Tisch, umgeben von abstrakten Farben und Formen.

«Green Carpet», Tamara Al-Samerraei, 2018.

© Tamara Al-Samerraei

Die beiden Künstlerinnen Tamara Al-Samerraei (48) und Mireille Blanc (40) lassen sich für ihre vielschichtigen Malereien von Innenräumen und alltäglichen Szenen inspirieren. Ausgehend davon zeichnen sie für die Ausstellung «Sounding the Interior» auf ihre jeweils eigene Weise das Innere als Ort für freies Denken, aber auch für fragile und flüchtige Erinnerungen nach. Malerei, zumeist grossformatig, ist für beide die hierfür gewählte Gattung, um Motive auf Leinwand oder andere Untergründe zu bannen und zugleich unterschiedliche Grade an Abstraktion zu eröffnen. Wie können wir aus dem Inneren heraus denken, agieren und zugleich nach aussen wirken? Dieser Frage geht die Ausstellung im Kunsthaus Baselland ab 6. Februar nach. Kuratiert wird die Ausstellung von der Direktorin Ines Goldbach.

Cartoonmuseum Schwarz-weisse Comicseite mit einem Mann, der durch eine Tür geht und in einem Raum mit Schallplatten steht.

Gleichzeitig Krimi und Gesellschaftskritik in hartem Schwarz-Weiss.

Foto: José Muñoz

Das Cartoonmuseum stellt 2026 drei Künstler und Künstlerinnen und ihre innovativen, kraftvollen Arbeiten vor. Es beginnt mit José Muñoz am 28. März. Die vom in Buenos Aires geborenen Comiczeichner gemeinsam mit Autor Carlos Sampayo geschaffenen expressiven Schwarz-Weiss-Alben sind gleichzeitig Krimis und Gesellschaftskritik. Etwas weniger bekannt sind die Arbeiten, die Muñoz’ Sehnsucht nach der Pampa und seine Liebe für den Tango illustrieren.

Mit der 400-seitigen Graphic Novel «Am liebsten mag ich Monster» ist Emil Ferris 2017 bekannt geworden. In dem Werk verwebt die Amerikanerin eine differenziert erzählte Familientragödie mit Ereignissen der Zeitgeschichte. Am 4. Juli startet die grosse Sommerausstellung.

Und schliesslich Barbara Yelin in einer grossen Einzelausstellung ab 28. November in Basel. Wie dokumentiert man Erinnerungen, wenn einem die Worte fehlen, hat sich die Münchnerin gefragt. Und nähert sich in ihren subtilen Comics den Schicksalen jüdischer Frauen an. Zuletzt widmete sie sich der Brecht-Schauspielerin Therese Giehse mit einer facettenreichen Biografie.

Museen in Basel

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Einloggen Markus Wüest ist Mitglied der Chefredaktion der BaZ. Er hat in Basel Geschichte studiert und arbeitet seit 1990 als Journalist und Redaktor. Mehr Infos

Helen Frankenthaler in ihrem Studio in New York City 1974.

Foto: Alexander Liberman/Helen Frankenthaler Foundation, Inc.

Paul Cézanne, «Pommes et oranges» (Äpfel und Orangen), um 1899.

Foto: Hervé Lewandowski/Musée d’Orsay

Männergewand Boubou, von den Soninke in Sierre Leone, erworben in Mali um 1973/1974.

Foto: Museum der Kulturen, Basel

«Green Carpet», Tamara Al-Samerraei, 2018.

© Tamara Al-Samerraei

Gleichzeitig Krimi und Gesellschaftskritik in hartem Schwarz-Weiss.

Foto: José Muñoz