
Auch in Guatemala-Stadt haben Exil-Venezolaner die Festnahme ihres autoritären Staatschefs Nicolás Maduro gefeiert. (AFP / JOHAN ORDONEZ)
Repräsentative Umfragen unter den Exil-Venezolanern gibt es nicht. Korrespondenten berichten jedoch aus verschiedenen Ländern von Jubelstimmung bei spontanen Versammlungen auf der Straße. So hätten zahlreiche Venezolaner die Hoffnung geäußert, nach dem US-Militäreinsatz in Caracas und der Gefangennahme des autoritär regierenden Präsidenten Maduro ihre Heimat wiederzusehen.
„Vorgehen der USA war notwendig“
„Ich kann es kaum erwarten zurückzukehren“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP etwa die Verkäuferin Yasmery Gallardo, die vor acht Jahren nach Chile emigrierte. Dort feierte die 61-Jährige am Samstag spontan mit vielen anderen Landsleuten die Absetzung Maduros im Zentrum von Santiago. Viele trugen die venezolanischen Nationalfarben Gelb, Blau und Rot.
Auch in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires bejubelten Exil-Venezolaner die Entwicklung in ihrem Land. Der 39-jährige Carlos Sierra sagte der AFP: Niemand wünsche sich eine Invasion und Bombardierung seiner Heimat, aber in diesem Fall sei ein solches Vorgehen notwendig gewesen.
Sierra lebt schon seit 2017 im Ausland. Damals entmachtete Maduro mit Hilfe des Obersten Gerichts das venezolanische Parlament und hob die Gewaltenteilung auf. Die Versorgungslage wurde immer prekärer.
Venezolaner im Ausland nicht immer willkommen
Jetzt hat auch Sierra die Hoffnung auf Rückkehr. Denn in den Aufnahmeländern sind die Migranten aus Venezuela oft nicht gerne gesehen. Das gilt insbesondere für Chile. Dort will der gewählte Präsident José Antonio Kast, der im März sein Amt antritt, fast 340.000 Zuwanderer ohne Aufenthaltspapiere abschieben. Ein Großteil von ihnen stammt aus Venezuela.
Kolumbien hat fast drei Millionen Venezolaner aufgenommen. Einer von ihnen ist Yeiner Benítez. Während einer spontanen Versammlung von Landsleuten in Bogotá erzählt er der AFP von den Zuständen, die ihn dazu bewegt haben, die Heimat zu verlassen. Es seien sehr harte Jahre gewesen – geprägt von Hunger und Folter und von Freunden, die verschwunden seien. Benítez bezeichnet die Gefangennahme Maduros als Ausdruck „göttlicher Gerechtigkeit“.
„Die Träume der Venezolaner im Ausland sind wahr geworden“
Kevin Zembrano arbeitet in Bogotá als Friseur und sagt, er sei „glücklich, glücklich, glücklich“ über die jüngsten Entwicklungen in seiner Heimat. Er danke US-Präsident Trump dafür, dass er Venezuela „helfe“.
Auch in Miami im US-Bundesstaat Florida feierten hunderte Venezolaner auf den Straßen. Einige küssten die venezolanische Fahne. „Danke, Trump!“ ruft Ana González und jubelt, die Träume der Venezolaner im Ausland seien wahr geworden“.
In Spaniens Hauptstadt Madrid versammelten sich tausende Venezolaner zu einem Straßenfest, viele von ihnen mit der Flagge des Heimatlandes über den Schultern. „Endlich endet diese Diktatur“, sagte der 47-jährige Pedro Marcano. Er ist einer von rund 400.000 Venezolanern, die nach Spanien ausgewandert sind. Auch Marcano hofft auf eine Heimkehr. Bis dahin müssten „die Dinge aber erst etwas klarer werden“, sagt er im Hinblick auf die Frage, wie es in Venezuela weitergehen soll. Trump hat angekündigt, dass die USA Venezuela übergangsweise selbst regieren wollen. Das lehnt die frisch ernannte Interimspräsidentin Rodríguez ab.
Wie die etwa 28 Millionen Einwohner Venezuelas die Lage sehen, ist schwer einzuschätzen. Nach dem Militäreinsatz der USA und der Gefangennahme Maduros gab es in der Hauptstadt Caracas vereinzelt Versammlungen, auf denen die Teilnehmer Unterstützung für den autoritären Machthaber bekundeten. Sie waren mutmaßlich staatlich organisiert, wie die ARD-Korrespondentin Marie-Kristin Boese berichtet. Die Opposition halte sich derzeit noch zurück.
Caracas menschenleer – nur Schlangen vor Supermärkten und Tankstellen
Ansonsten waren die Straßen von Caracas gestern weitgehend menschenleer. Nur vor geöffneten Supermärkten und Tankstellen bildeten sich lange Schlangen. Sehr wenige Menschen waren am Samstag bereit, mit Journalisten zu reden. Viele stellten sich die Frage, wie es jetzt weitergeht in Venezuela. Denn Präsident Trump hat auch einen Einsatz von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen, sollte sich die Führung des südamerikanischen Landes seinen Plänen widersetzen.
Die Verunsicherung im Land ist groß. Davon berichtet auch der Politikwissenschaftler Günther Maihold von der Freien Universität Berlin. Maihold sagte im Deutschlandfunk, viele Menschen fürchteten eine zweite Angriffswelle der USA. Gleichzeitig gebe es hohe Erwartungen an schnelle Verbesserungen im Land, etwa bei der Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln.
Weiterführende Informationen:
Wir informieren Sie auch in einem Newsblog über die Ereignisse in Venezuela.
Maduros Nachfolgerin: Wer ist Delcy Rodriguez?
Nach Maduros Festnahme: Wie sich Trump die US-Verwaltung Venezuelas vorstellt und welche Fragen offen bleiben
Venezuela: Westliche Länder dringen auf einen geordneten Machtwechsel
Diese Nachricht wurde am 04.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.