Aufruhr in der Pension Seeblick, irgendwo am Chiemsee: Inhaberin Sophie Bauer (Mona Freiberg) hat einen Bauantrag gestellt, doch nichts passiert, Ihre Konkurrentin dahingegen darf bauen. Was läuft da schief? Das ist die Ausgangssituation in dem Stück „Eine Amsel macht doch keinen frommer“, mit dem das Chiemgauer Volkstheater Station in der Stadthalle Gersthofen machte.

„Eine Amsel macht doch keinen frommer“: Ein Whisleblower soll Sophia Bauer retten

Hilfe naht für die aufgebrachte Pensionsbesitzerin in Person eines mysteriösen Whistleblowers (Peter Fritsch). Er hat sich angekündigt und will Sophie Bauer brennend heiße Aktenbeweise und Informationen über Bestechungsgelder – „Mäuse“ – zukommen lassen. Erkennungszeichen ist ein roter Schal.

Zugleich steht der CSU-Landrat Dr. Aschauer (Manfred Stecher) in der Pension vor einem Rendezvous mit zwei jungen „Mäusen“, denen er näherkommen will. Er bekommt kalte Füße wegen seiner Frau, und beauftragt seinen begriffsstutzigen Assistenten Huber (Flo Bauer), auf die Frauen zu warten und dann abzusagen. Erkennungszeichen ist ein roter Schal.

Mäuse in der Küche

Und schließlich ist da noch die Grünen-Stadträtin Hübschmann (Kristina Helfrich), die generell hart gegen Amigos durchgreifen will und konkret von „Mäusen“ (den echten) in der Küche der Pension gehört hat, was Schorsch (Andreas Kern), Koch und Wirt der Pension in Personalunion, weiß, aber bisher ignoriert.

Das komplette Stück spielt in der Rezeption des Hotels. Die Wände sind geschmückt mit Bildern der Wirtin, die in jungen Jahren als „Amsel vom Chiemsee“ Schlagerstar war, auf dem Pult steht stets der Schnaps bereit. Sobald die Situation etabliert ist, was sich allerdings etwas hinzieht, beginnt eine Verwechslungsgeschichte auf mehreren Ebenen, die zunächst unlösbar scheint. Die Verwirrung ist also ein großer Knoten, der zum Schluss in einer Aussprache platzt. Alles nochmal gut gegangen, und sogar die Amsel wird nochmal singen.

Manche Witze sind derb

Das Stück von René Heinersdorff ist schwungvoll, rund und unterhaltsam, aber zugleich volkstümlich und mit schenkelklopferischem Humor. Garniert wird es mit teils derben sexuellen Konnotationen. Doch das Volkstheater oder das Bauerntheater ist eine eigene, eben volksnahe Welt, auf die sich der Zuschauer einlassen muss. In Gersthofen war dies an diesem Abend hörbar der Fall, bei jedem Schlager klatschten die Zuschauerinnen und Zuschauer reflexartig mit.

Das Chiemgauer Volkstheater ist eine Institution unter den Volkstheatern. Mona Freiberg, die in „Eine Amsel macht doch keinen frommer“ die Wirtin spielte, leitet es zusammen mit ihrem Mann Bernd Helfrich. Auch Tochter Kristina Helfrich, die an diesem Abend als Grünen-Stadträtin auf der Bühne stand, ist bereits fester Bestandteil des Teams. Die Schauspieler vermittelten ihren Part hauptsächlich über den Text, Körpersprache wurde nur gering eingesetzt, Mimik und Gestik kamen kaum zum Zuge. Leider war die Technik nicht auf der Höhe, mehrfach wurde der Einsatz von Musik verfehlt, und diese ertönte dann um ein Vielfaches lauter als die Stimmen, was gerade bei Gesangsdarbietungen kontraproduktiv war. Beleuchtung im dramaturgischen Sinne gab es überhaupt nicht.

Dennoch macht die Vorstellung Spaß und ist kurzweilig, weil die Gags sitzen und die Auflösung des Konflikts stimmig ist.

  • Julian Reischl

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis

  • Gersthofen

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis

  • Stadthalle

    Icon Haken im Kreis gesetzt

    Icon Plus im Kreis