In Lateinamerika ansässige und internationale katholische Organisationen kritisieren den US-Schlag in Venezuela, im Zug dessen auch der Machthaber Nicolas Maduro und seine Frau verhaftet und außer Landes gebracht wurden.
Nach dem gewaltsamen Sturz von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro durch die USA hat sich der Europarat besorgt geäußert. „Der Europarat weiß aus seinem Engagement in der Ukraine, …
„Erst vor zwei Tagen haben wir das Jahr mit dem Gebet von Papst Leo XIV. begonnen und um Frieden in einer verwundeten Welt gebeten. Doch heute sehen wir mit tiefem Schmerz, wie dieser Frieden durch den militärischen Eingriff der Vereinigten Staaten in Venezuela verletzt wird“: So beginnt die Botschaft mit dem Titel „Nein zum Krieg. Ein freies und souveränes Lateinamerika“, die vom Encuentro Mundial de Movimientos Populares nur wenige Stunden nach dem US-amerikanischen Angriff auf venezolanischem Territorium veröffentlicht wurde.
In der Zwischenzeit mehren sich weitere Erklärungen und Stellungnahmen von Organisationen und Gruppen aus dem Umfeld der katholischen Kirche, welche die militärische Operation der Vereinigten Staaten in Venezuela verurteilen.
Völker sollten über eigenes Schicksal entscheiden
Für das Encuentro de Movimientos Populares handelt es sich um eine „Aggression, die nicht nur ein Territorium angreift, sondern die Würde einer ganzen Region“. Die Volksbewegungen Venezuelas – so heißt es in der Erklärung des Netzwerks, das vom 21. bis 24. Oktober 2025 auch seine Jubiläumspilgerreise nach Rom unternommen hat – „waren grundlegende Protagonisten unserer weltweiten Treffen. Es sind Weggefährten, die uns durch ihr Beispiel gelehrt haben, indem sie Modelle öffentlicher Politik von unten her aufgebaut haben, die den Armen Wohnraum und Arbeit garantieren. Sie haben stets Frieden, Solidarität und Autonomie gefördert. Ihre Souveränität anzugreifen bedeutet, die Möglichkeit der Völker anzugreifen, über ihr eigenes Schicksal zu entscheiden.“
Gefährlicher Präzedenzfall
Die brasilianische Kommission Justitia et Pax bezeichnet die Aggression in Venezuela als „inakzeptabel“ und erinnert an die Selbstbestimmung der Völker als „grundlegendes Prinzip des Völkerrechts“. „Das venezolanische Volk“, so heißt es weiter in der von Justitia et Pax Brasilien verbreiteten Erklärung, „hat das Recht, seinen eigenen Weg ohne äußere Einmischung zu wählen. Die Entführung des Präsidenten und der Angriff der Vereinigten Staaten auf venezolanisches Territorium stellen eine unzulässige Herausforderung der nationalen Souveränität und einen gefährlichen Präzedenzfall für die regionale Stabilität und die internationale Ordnung dar.“ Bekräftigt wird zudem die Dringlichkeit, eine „multipolare Welt“ zu schützen, in der die Lösung von Krisen dem „Dialog und der Zusammenarbeit“ anvertraut ist und nicht „Gewalt und Unterdrückung“.
Auch die Articulação Brasileira des Netzwerks „Ökonomie von Franziskus und Klara“ hat ihre Solidarität mit dem venezolanischen Volk zum Ausdruck gebracht und dabei mit einem Zitat des uruguayischen Schriftstellers Eduardo Galeano ihrer Auffassung Ausdruck verliehen, dass „historisch gesehen die vom amerikanischen Imperialismus invadierten Länder Elend und Not erlebt“ hätten.
Kritik von Pax Christi International
In den Chor der kritischen Stimmen reiht sich auch Pax Christi International ein. Die Organisation hat die „schwere Verletzung des Völkerrechts durch die Regierung und die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika durch die militärische Aggression verurteilt, die in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 gegen die Bolivarische Republik Venezuela verübt wurde“.
Dieser „interventionistische Gewaltakt, der sich direkt gegen das Territorium und die Zivilbevölkerung richtet“, so die Erklärung von Pax Christi International, „stellt eine Beleidigung des Weltfriedens und eine direkte Bedrohung der Grundlagen des souveränen Zusammenlebens der Staaten dar. Die Verletzung der internationalen Souveränität durch die Vereinigten Staaten stellt einen äußerst gefährlichen Präzedenzfall dar, der neue derartige Verstöße durch die Streitkräfte der mächtigsten Nationen zu rechtfertigen und zu legitimieren droht und uns in eine unkontrollierbare Situation von Ungerechtigkeit und Gewalt stürzt.“
Pax Christi International richtet zudem „kraft seines katholischen Glaubens“ einen Appell „an die internationale katholische Gemeinschaft, die wiederholten Aufrufe von Papst Leo XIV. zur Gewaltlosigkeit und zu einem ‚entwaffneten und entwaffnenden‘ Frieden aufzunehmen, der die internationale Ordnung wiederherstellt und der Charta der Vereinten Nationen sowie der Proklamation Lateinamerikas und der Karibik als Zone des Friedens neue Bedeutung verleiht“.
Bischof ruft zu Gebet und Unterscheidung auf
Unterdessen hat José Antonio Da Conceição Ferreira, Bischof von Puerto Cabello und zugleich Generalsekretär der Venezolanischen Bischofskonferenz, bereits am Samstag, dem 3. Januar, eine Botschaft an das „pilgernde Volk Gottes“ seiner Diözese gerichtet. „Wir erleben Momente der Verwirrung, der Unsicherheit und des Schmerzes, in denen man wenige Stunden nach den Ereignissen in Caracas und in anderen umliegenden Gebieten noch kein vollständiges Verständnis hat. Unter diesen Umständen“, so der Bischof weiter, „müssen wir auf die Kraft und die Hoffnung vertrauen, die uns der Herr Jesus gebracht hat, denn er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (vgl. Joh 14,6). Deshalb ermahne ich euch, vereint zu bleiben und das Gebet zu fördern, das uns zur Unterscheidung im Heiligen Geist führt. Beten wir ohne Unterlass (vgl. 1 Thess 5,17) und seien wir umsichtig (vgl. Spr 3,21).“
(fides – cs)