„Wir machen es wie immer – ich lese bis zur Pause, komme dann wieder und lese noch einmal!“ Der Bestseller-Autor, Journalist und Kolumnist, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert, kann auch in Augsburg darauf vertrauen, dass die Mehrheit seines Publikums nicht das erste Mal zu einer seiner Lesungen kommt. So startete Axel Hacke mit dieser Ansage charmant und gut gelaunt in einen Abend, der ebenso amüsant wie anregend, tiefsinnig und lehrreich wurde. Wer hätte zuvor schon den Fachbegriff „Sternutio“ für das explosionsartige Niesen gekannt? Wird man nicht mehr vergessen, nachdem Hacke erzählte, wie er bei seiner abendlichen Meditationsroutine auf diese Weise einen Rippenbruch erlitt. Diese Episode prägte sich ähnlich ein wie einige der subtilen Pointen, die der Münchner Autor in die Veranstaltung einflocht.

Axel Hacke liest aus seinem jüngsten Buch „Wie fühlst Du Dich?“

Für seine im eleganten Plauderton gehaltenen Lesungen benötigt Axel Hacke auf der Bühne nur das Headset-Mikro, einen schlichten Stuhl und einen kleinen Beistelltisch. Der war bestückt mit einer Auswahl aktueller SZ-Kolumnen, seinem vorletzten Buch „Aua – Die Geschichte meines Körpers!“ sowie seinem jüngsten, Ende September 2025 im Dumont-Verlag erschienenen Buch „Wie fühlst du dich? Über unser Innenleben in Zeiten wie diesen“.

Sein Vermögen, die Menschen mit seinen präzise und prägnant in Sprache übersetzten Alltags-Wahrnehmungen zu vereinnahmen, hat er jahrelang kultiviert. Entsprechend leicht und oft mit einem Schmunzeln folgte man ihm und seiner Stimme in puncto „Lebenskunst“. Und wie wohltuend war dabei, dass Hacke niemals belehren will, sondern den erfrischenden Weg der Anteilnahme durch den Wiedererkennungseffekt nimmt. Denn das, was Hacke so treffend an Wehwechen und größerem und kleinerem Leid beschreibt, kennt jeder an sich selbst. Die klug formulierten Angebote zu Überlebens-Strategien in irrwitzigen Zeiten voller Abstrusitäten und Populisten nahm sich das Publikum also sehr gerne zu Herzen.

Hacke philosopiert über wackelige Servierwägen, teuren Capuccino und die Münchner Eisbachwelle

Traditionell kredenzte Axel Hacke zunächst eine feine Auswahl seiner relativ aktuellen Kolumnen. Die widmeten sich entlang der Zeichenzahlvorgabe konträren Trendthemen wie etwa der spurlos verschwundenen Münchner Eisbachwelle ebenso wie den Tücken eines Servierwagens. Der schien im neuen Speisezimmer zunächst unerlässlich, erwies sich dann aber nach dem Zusammenbau der gelieferten Einzelteile als wackliges und hässliches Monstrum und wurde retourgesandt. Mehr als nachvollziehbar auch das schockierend teure Cappuccino-Erlebnis auf der Fahrt nach Wien, das Hacke zum Philosophieren über die möglicherweise sinnvolle Relation zwischen Lebenspanne und Preissteigerungen motivierte.

Immer wieder drängte sich das Gefühl auf, über das Meiste schon ähnlich selbst nachgedacht zu haben, es erlebt oder ebenso empfunden zu haben. Gut so, denn Gefühle stehen ja schließlich im Fokus des aktuellen Buches von Axel Hacke, das auf 256 Seiten u.a. daran erinnert, dass Empfinden kein Luxus ist, sondern als unentbehrliches Hilfsmittel eine entscheidende Rolle in unserem Leben spielt. Ohne Gefühle können wir nicht vernünftig handeln. Es schadet nicht, Gefühle zu erkennen, sie zu reflektieren, sie besser einzuordnen. Es ist sicher hilfreich, wenn wir unsere Fähigkeit ertüchtigen, uns gegen diejenigen zu wehren, die uns am Nasenring unserer Affekte durch die Welt führen wollen und damit auch viel Geld machen.

Axel Hacke: Hoffnung zum Optimismus

Dafür hat Hacke, der selbst in einer „Ära der Gefühlsblindheit“ groß wurde, wie er sagt, erneut intensiv recherchiert. Zurate gezogen für sein neues Buch hat er dabei unter anderem die Schriften berühmter Vordenker und angesagter Soziologen wie Andreas Reckwitz oder Hartmut Rosa oder auch die Experimente und Forschungen des Neurowissenschaftlers António R. Damásio. Von ihm stammt etwa der Satz, der für Hackes Buch nach eigenem Ermessen sehr wesentlich wurde: „Vielleicht das Wichtigste, was wir an jedem Tag unseres Lebens tun können, uns und andere an unsere Vielschichtigkeit, Anfälligkeit, Endlichkeit und Einzigartigkeit zu erinnern.“

Zum Start in ein neues Jahr, das sich womöglich erneut angesichts globaler Krisen beängstigend anfühlen wird, sei Axel Hackes Buch also wärmstens empfohlen! Denn ebenso wie es dem Autor als Persönlichkeit in einer Lesung gelingt, schürt und stärkt es die Hoffnung zum Optimismus in diesen „Zeiten der Müdigkeit“!

  • Renate Baumiller-Guggenberger

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