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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). © picture alliance/dpa | Michael Kappeler
Mit Duckmäusertum kann sich die EU in der neuen Weltordnung nicht durchsetzen. Der Kommentar.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nahm sich fast den gesamten Samstag Zeit, bis er einen möglichst unverfänglichen Begriff gefunden hatte, mit dem er das Vorgehen der USA in Venezuela bewerten konnte. Die Wahl fiel schließlich auf „komplex“. Man wolle sich Zeit nehmen, um das Ganze rechtlich einzuordnen, teilte der Kanzler mit. Ähnlich vorsichtig äußerte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Man beobachte die Lage genau, schrieb sie auf X und versicherte dem venezolanischen Volk, dass man an seiner Seite stehe.
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Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas versicherte am Samstagmittag ebenfalls, dass man die Situation in Venezuela sehr genau beobachte und rief zur Zurückhaltung auf, wen auch immer sie damit meinen mochte. Immerhin konnte sie zu diesem Zeitpunkt mitteilen, dass sie mit dem US-Außenminister Marco Rubio gesprochen hatte. Die Bundesregierung hatte bis zum Samstagabend offenbar keinen direkten Draht zu US-Präsident Donald Trump. Warum sollte der auch an diesem Tag mit Merz sprechen wollen?
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Trump sichert ungeniert seine Interessen. Die Frage ist nun, wie Russland und China reagieren. Putin hat zum Jahreswechsel erklärt, dass Russland in der Ukraine einen Sieg anstrebt. China untermauert mit Militärübungen den Anspruch auf Taiwan. Jetzt kommt die Zeit der Wölfe.
Europa muss nun endlich umschalten. Wichtig ist, jetzt möglichst schnell und gründlich so viele Abhängigkeiten wie möglich abzuschütteln. Und endlich energischer für die eigenen Werte einzustehen. Mit Duckmäusertum gewinnt man in der Welt der Schulhofschläger keinen Blumentopf.