Schon 1000 Mal habe er als Mitglied den Saal der Strücher KG in Thomasberg betreten, aber dies als designierter Karnevalsprinz zu tun – „das macht mich wortlos und sprachlos“, sagte ein hörbar bewegter Arno I. am Samstagabend vor zahlreichen Karnevalisten im Franz-Unterstell-Saal.
Kurz zuvor war er auf der Bühne des vollen Saals durch Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling offiziell zum Siebengebirgsprinzen proklamiert worden. Ihm steht als Siebengebirgsprinzessin seine Frau Christine II. zur Seite. Strüßcher werfend, angeführt vom Tambourcorps Siebengebirge und begleitet von Standartenträgern der Karnevalsgesellschaften, die dem Festausschuss Siebengebirge (FAS) angehören, wurden sie bejubelt.
Karnevalsgesellschaft von Unkel bis Beuel im Festausschuss vertreten
Prinz Arno I. erhielt Mütze und Feder – und von der Bürgermeisterin das Zepter als Zeichen seiner Macht. Die Prinzessin trug ihr Diadem bereits, als das da noch designierte Prinzenpaar in den Saal einzog. Sie erhielt auf der Bühne einen Blumenstrauß und – wie ihr Prinzgemahl – den Orden des Festausschusses.
Dessen „Wirkungsspektrum“ erstreckt sich bekanntlich im Tal von Unkel über Bad Honnef und Königswinter bis nach Bonn-Beuel und in den Bergen von Aegidienberg über Bockeroth bis eben nach Thomasberg.
Dass die dortige Strücher Karnevalsgesellschaft das Siebengebirgsprinzenpaar stellen darf, ist für den 1977 gegründeten Verein schon etwas ganz Besonderes, wie dessen Vorsitzender Willi Weyler deutlich machte. Bisher habe die Strücher KG nur Kindertollitäten gestellt. Nach Jahren der Planung und nachdem man zwei Menschen gefunden habe, die „doll genug sind, dabei mitzumachen“, stelle man nun nicht nur zum ersten Mal ein erwachsenes Prinzenpaar, sondern zugleich auch die Repräsentanten des Karnevals im ganzen Siebengebirge.
Das ist ein Amt, das durchaus begehrt zu sein scheint. Bis zum Jahr 2032 gibt es nach Angaben des FAS-Vorsitzenden Fritz Pacht schon designierte Tollitäten beziehungsweise interessierte Gesellschaften. „2033 wäre dann noch frei“, sagte der FAS-Chef, der zu Beginn des Abends die Verdienste der Siebengebirgstollitäten 2025, Andreas I. und Bettina I. von der Großen Königswinterer Karnevalsgesellschaft (GKKG), hervorgehoben hatte.
Neues Siebengebirgsprinzenpaar liebt das Segeln
„Ihr habt viel Freude in die Säle getragen.“ Sie seien nun aber nach der endgültigen Abnahme der Insignien – zuletzt wurde die Standarte des FAS übergeben – „wieder ganz normale Menschen im Karneval, wie jeder andere auch“.
Der neue Siebengebirgsprinz Arno I. kam als „Öcher Jung“ in Aachen in Kontakt mit dem Karneval, während Christine II. in Köln aufwuchs. Bei der Strücher KG kreuzten sich dann beider Lebenswege. Sie hätten im Laufe der Jahre viel für die KG getan, betonte ihr Präsident Stefan Hübenthal bei der Proklamation.
Im Gegenzug habe der Verein ihnen „sehr viel gegeben“, sagt der soeben proklamierte Siebengebirgsprinz. „Wir lieben ihn.“ Dass die neuen Siebengebirgstollitäten seit einigen Jahren rund 570 Kilometer entfernt in Heiligenhafen wohnen, hält sie nicht davon ab, jedes Jahr in der fünften Jahreszeit „op de Strüch“ zu sein und jetzt die Regentschaft zu übernehmen. „Wir lieben das Segeln“, verriet die neue Siebengebirgsprinzessin Christine II.
Nicht zuletzt deshalb ziert auch ein Segelboot den Orden der närrischen Regenten. Deren Motto: „De Sejel sin jesetzt, m’r fiere met janzem Hätz.“

