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Er stammt aus der Zeit des billigen Benzins und der Riesenmotoren mit extremer Leistung. Der 719 PS starke Dodge Durango SRT Hellcat ist ein Dino.

München – Für dieses Auto gibt es eigentlich nur ein Wort, das es umfassend beschreibt: brutal. Der 6,2-Liter-V8 im Dodge Durango SRT Hellcat leistet 719 PS, es liegt ein maximales Drehmoment von 874 Nm an, der Wagen schafft den Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h in 3,6 Sekunden und ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h angegeben. Wir haben das derzeit stärkste Serien-SUV aus US-Produktion einem Alltagstest unterzogen. Brutal und ehrlich.

Dodge Durango SRT HellcatDodge Durango SRT Hellcat. © Dodge

Das US-Monster ist ein Auto zum Anfassen. Die Perfektion, die so manches andere Fahrzeuge im sechsstelligen Preissegment bietet, ist für den Durango SRT Hellcat nicht erreichbar – das will er aber auch nicht sein. Während beispielsweise ein 727 PS starker BMW M5 als perfekter Allround-Sportler vorfährt, ist der Dodge hart und herzlich und man braucht keine Angst zu haben, dass man zu wenig schick für dieses Muscle Car ist. Ölige Haare? Verschwitztes Outfit? Schwarzes unter den Fingernägeln? Passt perfekt. Der Innenraum ist ordentlich nach amerikanisch-rustikaler Art und Weise verarbeitet, aber mehr auch nicht. Eher preisgünstiger Kunststoff dominiert hier, Klavierlack und Alcantaraleder sucht man vergeblich.

6,2-l-V8 MotorKraftwerk: In dem V8-Motor stecken 6166 Kubikzentimeter, die gut sind für 719 PS und ein maximales Drehmoment von 874 Nm. © Pfau

Viel wichtiger in diesem Auto ist jedoch der Motor. Er ist der Mittelpunkt, das Zentrum dieses Wagens. Auf Knopfdruck weckt man das Herz aus seinem Schlaf, das daraufhin mit einem bösen Grollen der Umgebung dokumentiert, wer hier nun sein Werk zu tun gedenkt. Sobald das tempolimitierende Ortsschild passiert ist, kann man das Gaspedal mal ordentlich treten. Und dann brüllt der Dodge Durango richtig los, erinnert bei voll durchgetretenem Gaspedal an einen startenden Kampfjet. Lenkt man den 2604 Kilogramm schweren Ami dann auf die Autobahn, zeigt dieser auf tempolimitfreien Abschnitten, was er am besten kann: brutal beschleunigen. Ist es ein Zufall, dass unser Testwagen in der Farbe „Destroyer Grey“ lackiert war? Mit viel Selbstdisziplin kann man sein Punktekonto in Flensburg unter Kontrolle halten.

HellcatAutoredakteur Volker Pfau hat den Hellcat auf Herz und Nieren getestet. © Maximilian PfauDer 6,2-Liter-V8 hat Kraft im Überfluss und legt immer noch eine Schippe drauf

Der Motor hat selbst bei hohem Tempo (als Maximum sind 290 km/h eingetragen) immer noch Kraft, um beim Beschleunigen noch eine Schippe draufzulegen. Dabei verhält er sich stets souverän und sorgt nicht für Schweißausbrüche. Nur bei flott überfahrenen Bodenwellen kommt etwas Unruhe ins Fahrwerk. In schnell gefahrenen Kurven ist allerdings Arbeit am Lenkrad angesagt, und die Gesetze der Physik sollte man auch nie vergessen. Das Fahrwerk ist bei aller Sportlichkeit erstaunlich komfortabel und vermittelt dennoch ein sattes Gefühl der Sicherheit. Bei den Fahrprogrammen kann man wählen zwischen Track, Sport, Auto, Snow, Tow (Anhänger) und Custom.

Gute Noten für Zuladung, Stauraum und Anhängelast

Den 5,11 Meter langen und 1,92 Meter breiten Durango steuert man erstaunlich leicht und entspannt durch den Stadtverkehr, auf dem Supermarktparkplatz kann es jedoch etwas eng werden. Da parkt man besser in den abgelegenen Bereichen. Wenn es ans Einpacken geht, ist der Dodge ebenfalls ziemlich maßlos: Mit sechs Sitzen fasst er 490 Liter Gepäck, als Zweisitzer dagegen 2.400 Liter. Ein zusätzliches Fach im Kofferraumboden schluckt einiges an Kleinkram. Allerdings schwingt die Heckklappe gerade mal 1,80 Meter hoch auf, da heißt es also bei entsprechender Körpergröße Kopf neigen. Die Zuladung darf bis zu 675 Kilogramm wiegen, an der Anhängerkupplung nimmt er rund 3,2 Tonnen an den Haken.

Teuer im Kaufpreis, noch teurer beim TankenTankenDie Stunde der Wahrheit: In den Tank des Dodge Durango passen 93 Liter – und die sind nur zu schnell aufgebraucht. © Pfau

Für den Dodge Durango SRT Hellcat muss man beim Importeur KW Auto (www.kwauto.com) 136.188 Euro hinblättern. In vermutlich noch höheren Dimensionen bewegt sich der Preis eines Unimogs, den Mercedes-Benz zu einem Luxus-Arbeitstier umgebaut hat. Richtig teuer wird es dann bei den Fahrten mit dem Dodge aber an der Tankstelle: Der Verbrauch auf unseren Fahrten lag kaum unter 18 Liter auf 100 Kilometer. Auch bei 93 Liter Tankinhalt muss nur allzu oft an der Zapfsäule gestoppt werden. Das Monster-SUV ist also im Grunde genommen ein automobiler Dino. Die Fahrt damit ist ein faszinierender Ausflug in die automobile Vergangenheit, man braucht solche Autos aber nicht mehr.

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