Großbritannien und Frankreich haben in der Nacht zum Sonntag einen gemeinsamen Luftangriff auf eine mutmaßliche Waffen- und Sprengstoffanlage der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien durchgeführt. Das teilte das britische Verteidigungsministerium am Sonntag mit.

Nach Angaben der britischen Behörde zielte der Schlag auf ein unterirdisches Netzwerk von Tunneln und Lagerräumen nördlich der antiken Stadt Palmyra in der zentralen Provinz Homs. Dort habe der IS Waffen und Sprengstoff gelagert, hieß es. Die präzisionsgelenkten Paveway-IV-Bomben wurden von Typhoon-Kampfflugzeugen abgeworfen, unterstützt von einem Voyager-Tankflugzeug der Royal Air Force. Die französischen Streitkräfte nahmen ebenfalls an dem Einsatz teil. Details zu ihrer konkreten Rolle nannte das britische Ministerium nicht.

„Ziel erfolgreich getroffen“

„Nach ersten Einschätzungen wurde das Ziel erfolgreich getroffen“, erklärte das Ministerium. Die Umgebung der Anlage sei zu dem Zeitpunkt frei von ziviler Besiedlung gewesen, und alle beteiligten Flugzeuge seien sicher zu ihren Stützpunkten zurückgekehrt.

Der britische Verteidigungsminister John Healey betonte, der Einsatz unterstreiche die Entschlossenheit Londons und seiner Partner, einer möglichen Wiedererstarkung der Terrormiliz entgegenzuwirken. Zwar gilt der IS seit dem Verlust seiner letzten territorialen Bastionen 2019 als militärisch besiegt, doch bleiben in Syrien und im Irak kleinere Zellen aktiv und stellen weiterhin eine Sicherheitsgefahr dar.

In der Nähe des Militärflughafens Mezze soll es bei dem Raketenangriff mehrere Schäden gegeben haben.

In der Nähe des Militärflughafens Mezze soll es bei dem Raketenangriff mehrere Schäden gegeben haben.Bakr Al-Kasem/imago

Härteste US-Luftschläge seit Assads Sturz

Experten sehen den Luftangriff auch im Zusammenhang mit einer Reihe westlicher Militäroperationen nach einem mutmaßlichen IS-Angriff im Dezember, bei dem mehrere US-Soldaten und ein ziviler Dolmetscher in der Nähe von Palmyra getötet wurden. Vor gut zwei Wochen hatte das US-Militär daraufhin mehr als 70 Stellungen der Dschihadisten in Syrien angegriffen. Nach Angaben aus Washington handelte es sich um die intensivsten amerikanischen Luftschläge in dem Land seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Baschar al-Assad Ende vergangenen Jahres.

Die Vereinigten Staaten führen in Syrien eine internationale Koalition gegen den IS an. Die Terrormiliz gilt zwar seit Jahren als militärisch geschlagen, ist jedoch weiterhin mit Zellen in weiten Landesteilen präsent. Präsident Donald Trump betonte, die jüngsten Angriffe richteten sich nicht gegen die syrische Übergangsregierung unter Interimspräsident Ahmed al-Scharaa. Sollte der IS endgültig zerschlagen werden, sagte Trump, stehe dem Land eine „glänzende Zukunft“ bevor.