Erinnerungen an Gerlingens Freibad bleiben
Die Erinnerung an das Freibad auf Gerlinger Gemarkung ist lebendig, auch wenn die Pläne für eine Reaktivierung des Bades vor langer Zeit zu den Akten gelegt wurden. Zu teuer würde vor allem die für einen Badebetrieb zwingend erforderliche neue Technik sein, wo doch in der Gerlinger Ortsmitte zwischenzeitlich das Hallenbad gebaut wurde und mit dem Leobad auch ein modernes Freizeitbad unter freiem Himmel im nur wenige Kilometer entfernten Leonberg eröffnet hatte.
Die Infrastruktur des ehemaligen Freibads von Gerlingen ist vernachlässigt. Foto: Simon Granville
Das Naturfreibad im Krummbachtal gehörte seit jeher den Naturfreunden. 1929 erbaut, 1967 renoviert – und im Jahr 1991 aufgegeben – wurden dort an guten Sommerwochenenden bis zu 5000 Besucher gezählt, sagte Peter Hanle von den Naturfreunden Stuttgart-Weilimdorf vor einiger Zeit. Wer in Gerlingen, Leonberg oder auch Stuttgart wohnte, lag dort nachmittags in der Sonne, schwamm in einem Becken, das Wettkampfgröße hatte, tobte auf der Wiese und jobbte in den Schulferien am Kiosk.
Gerlinger Freibad von Ehrenamtlichen betrieben
Ehrenamtliche machten den Betrieb möglich: die Gastwirtschaft wurde von den Vereinsmitgliedern geführt, ebenso wurde auch die Aufsicht gewährleistet, erst in Eigenregie, später in Kooperation mit der DLRG, ein Bademeister wurde erst später erforderlich. „Zehn bis zwölf Leute brauchten wir am Wochenende schon“, sagte Peter Hanle. Mehrere hundert Essen wurden an solchen Tagen ausgegeben. Die Gastro war wichtig für den Betreiber, denn das Bad blieb ein Zuschussbetrieb. Schulklassen durften umsonst rein, dafür wurde dem Verein die Pacht für die Liegewiese auf städtischem Gelände erlassen.
Gerlinger Freibad einst von einer Quelle gespeist
Das 50 auf 18 Meter große Becken war einst zunächst von Quellwasser gespeist worden – die Nähe zur Quelle war einst der Ursprung vieler kleiner Freibäder, sie an die Bodenseewasserversorgung anzuschließen, wäre viel zu teuer geworden. Erst später wurde Bodenseewasser beigefügt. „Das Bodenseewasser war kälter“, sagte Peter Hanle von den Naturfreunden Stuttgart-Weilimdorf. Er ordnet damit auch Erinnerungen ein, die sich hartnäckig halten, dass das Wasser nämlich nur wegen des Quellwassers so kalt gewesen sei.
Wie alle Freibäder damals war auch dieses nicht beheizt. Das Aus kam mit dem Bedarf einer neuen Umwälzpumpe. Eine Million Mark hätte sie gekostet, das konnte sich der Verein nicht leisten. Zumal nahezu zeitgleich Spaßbäder entstanden, wie auch das Leobad im nahen Leonberg. Einst eigenständig, gehören die Weilimdorfer heute zu den Stuttgarter Naturfreunden, die das Bad sowie das Naturfreundehaus übernommen hatten.
Ein- bis zweimal im Jahr werde die Freifläche gepflegt, sagte Roland Moosbrugger vom Vorstand der Naturfreunde vor einiger Zeit. Nachdem das Gelände modelliert wurde, hat es auch kein Hochwasser mehr gegeben. Der immer wieder reparierte Zaun hält die Wildschweine draußen. Das Gelände liegt weitgehend brach. Obwohl sie selbst ihre Aktivitäten zwischenzeitlich von Weilimdorf weg hin nach Stuttgart verlegt haben, halten die Naturfreunde daran fest. Die Gastwirtschaft ist verpachtet, ist ein Ausflugsziel, zumal der Walderlebnispfad und die Kugelbahn jenseits der Straße und von der Stadt Gerlingen angelegt, auch Familien anlocken.
Was wird aus dem Lost Place und ehemaligen Freibad?
So bleibt es im Moment ein geschützter Ort, der doch für alle attraktiv ist. Veränderungen sind gleichwohl durchaus möglich. Moosbrugger verwies auf die beschlossene, aus finanziellen Gründen zurückgestellte weitere Renaturierung des Bachlaufs, Pläne der Stadt dazu gibt es längst.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien erstmals im April 2024.
Im Netz
Auf der Seite der Stadt Gerlingen gibt es weitere Informationen zum Walderlebsnispfad: https://www.gerlingen.de/walderlebnispfad