Katastrophe von Crans-Montana: Stuttgarter will riskante Feuerfontänen durch sichere LED-Blitzstäbe ersetzen Mit diesem Foto wirbt der Stuttgarter Unternehmer Erkan Atas für LED-Stäbe statt Feuerfontänen an Champagnerflaschen. Foto: Crazypartz

Keine Feuerfontänen mehr in Clubs – nach der Katastrophe von Crans-Montana wird dieser Ruf immer lauter. In Stuttgart gibt es jetzt LED-Blitzstäbe für Champagner. Ist das die Zukunft?

Sie funkeln, blitzen und sorgen für Glamour, ganz ohne offene Flamme: Stehen LED-Fontänen und LED-Stroboblitzstäbe für Champagnerflaschen jetzt vor dem Durchbruch? Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana und der wachsenden Diskussion über Sicherheit in Clubs fragen sich Betreiber auch in Stuttgart, ob die Zeit der klassischen Feuerfontänen abläuft. Der Stuttgarter Erkan Atas bietet LED-Alternativen an, die bisher ein Nischen-Dasein führen.

Der Trend zur Champagner-Show mit Feuer begann einst in St. Tropez und verbreitete sich rasch in vielen Ländern. Teure Bestellungen werden seitdem gern mit Funkenfontänen inszeniert – sehr zur Freude der Clubs, deren Umsatz dadurch steigt. Doch die Kehrseite ist bekannt: verbrannte Kleidung, angesengte Haare, beschädigte Tischdecken. Schwerwiegende Unfälle sind bisher zwar selten in Deutschland, aber auch möglich, wie Sicherheitsexperten warnen. Die Katastrophe mit 40 Toten in dem Schweizer Kellerclub sorgt nun wohl für ein Nachdenken über gefahrlose Alternativen beim Schampus-Spektakel.

DJane Alegra Cole, die europaweit bei Firmenevents und Galas auftritt, fordert einen klaren Schnitt. „Beim Schampus sollte nur noch mit LED-Lichtern gearbeitet werden“, sagt sie unserer Redaktion. In ihrem meist exklusiven Umfeld würden Gäste zwar Champagner trinken, „aber niemals auf die Idee kommen, daraus eine Feuershow zu machen, um zu zeigen, dass man sich etwas leisten kann“. Für Cole passt offenes Feuer nicht mehr in eine moderne und verantwortungsvolle Eventkultur.

Die Stuttgarter DJane Alegra Cole fordert, dass Clubs nur noch LED-Lichter statt Feuerfontänen verwenden. Foto: privat

Der Stuttgarter Erkan Atas, der früher viel als DJ unterwegs war, bietet mit seiner Firma Crazypartz.eu bundesweit LED-Alternativen für Clubs an. „Feuerfontänen haben schon viel Schaden angerichtet“, sagt der Unternehmer. Auch wenn in Stuttgart der Brandschutz groß geschrieben werde, sei das Risiko real. Nach der Katastrophe von Crans-Montana könnte das Interesse an sicherem Lichtspektakel wachsen, hofft er. LED-Blitzstäbe seien zwar teurer als herkömmliche Feuerfontänen – die es teils für wenige Cent pro Stück gibt –, dafür aber wiederverwendbar und nachhaltiger.

Boa will nun Kaltfeuerfontänen testen

Auch in der Stuttgarter Clubszene bewegt sich etwas. Henrik Biegger, Chef der Boa, der ältesten Disco der Stadt, berichtet, man habe sich bereits intensiver mit Alternativen beschäftigt. „Wir haben uns tatsächlich schon mit einem Anbieter zusammengesetzt, um Kaltfeuerfontänen zu testen, die auf Granulat basieren“, sagt er. Diese erzeugen Funkeneffekte ohne offene Flamme.

Wie unsere Zeitung berichtet hat, haben der Perkins Park und die Boa nach der Brandkatastrophe den Einsatz echter Feuerfontänen vorerst ausgesetzt – aus Pietät gegenüber den Opfern. Ob dies dauerhaft so bleibt, ist offen. Werden echte Feuerstrahlen nach und nach durch LED ersetzt? „Wir sind dran“, sagt Michael Presinger vom Diskothekenverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Und auch Wasenwirt Michael Wilhelmer erklärt: „Die LED-Alternativen haben wir tatsächlich schon in Arbeit.“

Glanz und Glamour müssen nicht aus Flammen bestehen

Noch bremsen Kosten und Gewohnheit den schnellen Wandel. Viele Clubs leben gut von spektakulären Champagner-Bestellungen, und nicht jeder Betreiber möchte auf bewährte Showeffekte verzichten. Doch die Diskussion um Sicherheit, Verantwortung und Nachhaltigkeit gewinnt an Gewicht. Glanz und Glamour müssen nicht aus Flammen bestehen, dafür wirbt nun der Stuttgarter Erkan Atas.

Für DJane Alegra Cole ist klar, wohin die Entwicklung gehen sollte – nämlich weg von echtem Feuer, hin zu LED-Alternativen. Sie ärgert sich zudem über Vorwürfe in sozialen Medien, junge Gäste hätten bei der Brandkatastrophe zunächst gefilmt statt einzugreifen. „Die Situation wurde falsch eingeschätzt“, sagt sie. Niemand habe wissen können, wie gefährlich der verwendete Dämmstoff war, der sich extrem schnell entzündete – und der DJ habe wohl nicht auf die Gefahr hingewiesen.