Annahme, Abschluss, Tor. So kennt man Harry Kane, den akkuraten Mittelstürmer des FC Bayern München mit der Fabel-Quote von 30 Treffern in 25 Pflichtspielen in dieser Saison. Ebenso treffsicher präsentierte er sich beim traditionellen Fanclub-Besuch des Rekordmeisters, der ihn am Sonntag zu den Red White Bombers nach Denkendorf im Landkreis Eichstätt führte.
Mit Blasmusik auf die Bühne
Die Turnhalle der Grund- und Mittelschule Denkendorf war ein rot-weißes Fahnenmeer, als Kane, begleitet von einer Blaskapelle, erschien und durch ein Smartphone-Lichtermeer zur Bühne schritt. Eine Großbildleinwand hielt jede Regung fest: die des zweitbesten Premier-League-Torschützen aller Zeiten (213 Treffer), des Gewinners des Goldenen Schuhs 2024 (36 Tore), des Kapitäns der englischen Nationalmannschaft – kurz: des Superstars. Und doch trat er auf wie immer: als englischer Gentleman.
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Bescheiden, fast beiläufig. In weißen Sneakern und einem schwarz-grünen Jogger stand er vor 500 Fans und lächelte über Präsente wie die Ehrenmitgliedschaft im Fanclub, einen unterschriebenen Ball und einen Untersetzer. „In Bavaria we call it: Bierfuizl“, erklärte ein Fanclub-Vertreter. Kane, schlagfertig: „Für meine Kaffeetasse.“
Hier die schönsten Bilder von Harry Kanes Besuch
Titel für Harry Kane: 2026 ist einiges möglich
Etwas anderes hätte verwundert. Schließlich hat Kane viel vor. In England war es lange ein Running Gag, dass ausgerechnet der Toptorjäger keinen Titel vorweisen konnte. Im vergangenen Jahr änderte sich das: die Meisterschaft mit dem FC Bayern, sein erster Pokal. Nun steht er vor einer Saison, in der drei Titel möglich sind. In der Bundesliga liegt der Rekordmeister neun Punkte vor Borussia Dortmund, im DFB-Pokal wartet das Viertelfinale gegen RB Leipzig, in der Champions League ist derzeit nur der FC Arsenal besser. Im Sommer folgt die Weltmeisterschaft mit der englischen Nationalelf.
Ich bin sicher, dass es diese Gespräche geben wird. Momentan gibt es keinen Ort, an dem ich lieber wäre
Harry Kane über eine mögliche Verlängerung seines Vertrags über 2027 hinaus
Kane ist sowohl in seinem Heimatland als auch in München Leistungsträger. Auf ihm ruhen die Hoffnungen. Kein Risiko, nichts wird dem Zufall überlassen. Eigentlich war im Denkendorfer Rahmenprogramm ein Torwandschießen vorgesehen. Kurzfristig wurde daraus ein Tischkicker-Match gegen Fanclub-Mitglieder. Die Beine, die am Sonntag unter Trainer Vincent Kompany noch eine kurzfristig anberaumte Vormittagseinheit absolviert hatten, erhielten ein Schonprogramm. Am Kicker hatte der Stürmer sichtlich Spaß – und erlebte am Ende ein ungewohntes Gefühl: eine Niederlage.
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Kane büffelt fleißig Deutsch
Kane nahm es mit Humor. Abklatschen, posieren, unterschreiben – den üblichen Marathon bewältigte der Stürmer höflich. Ernst wurde er bei der Fragerunde. Die Winterpause (Kane urlaubte in Lappland und in der Karibik) wäre wichtig für die mentale Seite gewesen. „Durchatmen, neue Energie tanken“ – das stand im Fokus. Kane verbrachte viel Zeit mit der Familie und spielte Golf. Spontan ging der Stürmer in die Analyse.
Was ändert sich mit Jamal Musialas Rückkehr? „Nicht allzu viel“, sagte er. Er wolle sich weiter fallen lassen, ins Spiel eingreifen. Passen, verteidigen, Tore schießen – „ich kann der Mannschaft auf viele Arten helfen“. Vielleicht bald auch auf Deutsch. Der Engländer büffelt fleißig, räumt aber ein, die Sprache sei „sehr hart“ zu erlernen. Dennoch: Sein Ziel sei es, am Ende der Saison ein Interview auf Deutsch zu geben. Bis dahin genügt sein deutsches Lieblingswort. Es lautet, natürlich: „Tor“. Annahme, Abschluss, Treffer – und Applaus der Fans, denen Kanes fokussierter, demütiger Auftritt gefiel.
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Bleibt Kane länger als 2027? „Es ist möglich“
Mit der Blaskapellen-Version von „Stern des Südens“ endete das Gastspiel in Denkendorf. Doch Kane verließ die Halle nicht, ohne einen Fingerzeig in Richtung Zukunft. Sein Vertrag läuft im Sommer 2027 aus. Bislang hatte er offengelassen, wie es danach weitergeht. Bleibt er länger? „Es ist möglich“, sagte Kane. „Ich bin sicher, dass es diese Gespräche geben wird. Momentan gibt es keinen Ort, an dem ich lieber wäre.“
mgb