Bildquelle: Toho
Seit über 70 Jahren erschüttert schon ein schweres Stampfen aus Japan die Kinosäle. Mit „Godzilla Minus Zero“ geht dieses Beben dieses Jahr in die achte Dekade. Da die letzten beiden Beiträge „Shin Godzilla“ und „Godzilla Minus One“ auf eine sehr erwachsene Weise mit politischen Themen umgegangen sind, stellt sich jetzt natürlich die Frage: Wie wird der nächste Film aussehen?
Ob Regisseur Ishirô Honda, Produzent Tomoyuki und Toho Studio 1954 wussten, welche Auswirkungen ihr Werk auf die Popkultur der Zukunft haben wird? Mittlerweile Flügel entwickelt, hat sich das Franchise sich über die eigenen Grenzen und den großen Teich namens Pazifik hinweg ausgebreitet. In Form von Filmen, Serien und Anime ist die kosmopolitische Omnipräsenz an jeder Ecke zu spüren. Oliver Kalkhofe wird jedenfalls nie müde, Godzilla als seinen einstigen Lieblingsschauspieler zu bezeichnen.
War der erste Film noch eine Mischung aus Monster- und Kriegsfilm – der Bezug auf die Atombomben-Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki, und die Folgen davon, nahm – wurde nach 1954 der politische Aspekt in den Filmen stark heruntergefahren. Die Reihe nahm einen kinderfreundlichen Ansatz. Erst 1984 kehrte der Ernst zurück in das Franchise, in dem nun der kalte Krieg als Hintergrund diente. Fünf Jahre später in „Godzilla vs. Biollante“ stellte die Globalisierung ein Hauptthema dar. In diesem Film wird zellularer Restbestand von dem Monster mit dem ikonischen Rückenkamm um den halben Erdball gejagt.
„Ich geh mit meinem Reaktor, und mein Reaktor mit mir. Dort oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir“; (Bild: „Godzilla – Die Rückkehr des Monsters“)
Ein Symbol, sie zu knechten
Godzilla – oder Gojira (Gorilla-Wal), wie die Kreatur im japanischen Original genannt wird – ist ein Naturgesetz, das einer starken Symbolkraft unterlegen ist. Die Riesenechse nach dem Geschlecht zu urteilen ist mindestens unsinnig. Jedoch mehren sich bei näherer Beobachtung einige geschlechtsspezifische Merkmale. Der Zerstörungsdrang drängt den Saurier in die zutiefst masculine Ecke. Nicht zu Unrecht hat Godzilla ein beinahe rein männliche Zielgruppe von bis zu 89 %. Das Godzilla hier und da mal Nachwuchs zu verzeichnen hat, spielt dabei nur eine geringe Rolle, da die Elternschaft nie gerichtlich bestätigt wurden ist.
Schon lange vor dem Kabinett Merkel sprach sich die Filmreihe gegen Atomkraft aus. Angefangen hat Godzilla als eine Naturkatastrophe, heraufbeschworen durch die Kraft der Atombombe. Dieser Eingriff in die Natur hat den Fürchtegott auf den Plan gerufen. Obwohl der Bezug zu der Wortsilbe ‚God‘ erst in den 2010er Jahren als eine Art Huldigung hinzugedichtet wurde.
In den jungen Jahren der Serie wird dieser Rückbezug durch die Wurzeln immer deutlicher hergestellt. In „Godzilla 2000: Millennium“ (1999) wird das Auftreten von Godzilla als reine Naturgewalt behandelt. Ähnlich wie in den „Twister“- Blockbustern jagen hier Wissenschaftler mit Messinstrumenten dem Monster nach und analysieren es. Einen Film später in „Godzilla x Megaguirus“ wird die Atomkraft endgültig abgeschafft und durch Plasma-Energie ersetzt, um die wandelnde Gefahr nicht mehr anzulocken.
1999 jagten Wissenschaftler der Riesenechse wie Tornado-Jäger einem Wirbelsturm nach, um Daten zu sammeln; (Bild: „Godzilla 2000: Millenium“)
Konservativer Zerstörer/Verteidiger Japans
Charakterlich ist Godzilla eher dem Feld der Antihelden untergeordnet; arrogant bis in die Schuppen, der Freund und Feind von oben herab behandelt (eines König … oder eben eines Gottes ebenbürtig). Nicht nur sein Alter bringt Godzilla in die rechts-konservative Ecke. In seiner Funktion als internationales Objekt der japanischen Popkultur vertritt die Riesenechse eine strenge patriotische Richtung. In Filmen wie „Godzilla – Duell der Megasaurier“ (1991) zieht es Zeitreisende (anstelle von den üblichen Außerirdischen) ins Japan des 20. Jahrhunderts, um das Land vor weiteren Expansionsbestrebungen zu warnen. Dem Zeitreisenden-Trio gehört auch ein US-Amerikaner und ein Russe an und die beleben gleich mal King Ghidorah (hier mal ‚Ghidrah‘ in der deutschen Synchro) wieder, um ihre Forderungen zu erpressen.
In „Giant Monster All-Out Attack“ (2001) wird einmal mehr der patriotische Aspekt hervorgerufen. Die junge Reporterin Yuri Tachibana begibt sich in dem Film auf eine Reise zu den mythischen Wurzeln Japans. Dementsprechend wurde das Design von Godzilla hier stark überarbeitet. Zusammen mit ihrem Vater, einem japanischen Admiral, stellt sich Yuri dem Monster. An der Seite des japanischen Militärs kämpfen auch die Schutzgötter (in diesem Fall Baragon, Mothra und King Ghidorah) gegen die Gefahr. Das abschließende Bild zeigt Vater und Tochter als Generationsübergreifend salutierend vor der Bucht Tokyos.
„Na, wer von euch drei Goldbären sind die beiden Landesverräter?“; (Quelle: „Godzilla- Duell der Megasaurier)
Globaler Erfolg
Wie die „James Bond“- Reihe so wird auch Godzilla erwachsen, motiviert durch den Vorfall von Fukushima Anfang 2011. „Shin Godzilla“ von „Neon Genesis Evangelion“-Schöpfer Hideaki Anno brach 2016 alle japanischen Kinorekorde des Franchises. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von 77,9 Mio. Dollar war der Film damals der erfolgreichste seiner Zunft. Auch hier spielt die Politik eine nicht minder große Rolle. Japan wird von einer Naturkatastrophe aus dem Meer in Form von Godzilla heimgesucht. Von der Seite der USA her kommt keine Hilfe. Eine neue japanische Regierung kann das Monster schließlich bekämpfen.
Dieses Ergebnis wird vom Nachfolger „Godzilla Minus One“ 2023 mit 113,8 Mio. Dollar noch übertroffen. Ist natürlich alles nichts gegen die hohen Einspielsummen der amerikanischen Ableger. Allerdings: Neben Anime bescheren Godzilla-Filme der japanischen Filmindustrie einen Platz neben den Platzhirschen USA und China. Der neueste Beitrag der originalen Filmreihe spielt in der Nachkriegszeit. Im Jahre 1947 hat die japanische Regierung der nahenden Gefahr durch die Kreatur nichts entgegenzusetzen. Ein Zusammenschluss von Zivilisten löst das Problem mit einem wissenschaftlichen Plan. Die Kritik an der japanischen Kriegspolitik, vor allem der Einsatz von Kamikaze-Piloten, ist überdeutlich. Im Film wird somit dem alten Japan der Rücken zugedreht.
Menschliche Figuren stehen bei den beiden Filmen im Vordergrund. Tatsächlich bekommen die Menschen hier im Finale etwas zu tun, was ein Novum in der Reihe darstellt. Sonst stehen sie nur daneben und ergötzen sich des Spektakels.
In „Shin Godzilla“ wurden 2016 für die Nahaufnahmen des Monsters noch praktische Puppen-Effekte eingesetzt. In „Godzilla Minus One“ war der titelgebende Star komplett mittels Computer animiert; (Bild: „Shin Godzilla“)
Wie wird „Godzilla Minus Zero“ aussehen?
Seit November ist es bekannt: Der neue Godzilla-Film der Toho-Studios soll den Namen „Godzilla Minus Zero“ tragen. Durch den wachsenden Erfolg der japanischen Reihe wird dem Sequel ein höheres Budget zur Verfügung gestellt. Nach einigen Angaben bleibt man dem historische Setting wohl treu. Die begrüßenswerte Mischung aus Katastrophen-Spektakel und Drama darf auch ruhig beibehalten werden.
Wie die letzten beiden Film-Beiträge dürfen wir bei den Effekten wieder Qualität als Quantität erwarten. „Godzilla Minus One“ holte sogar den Oscar für die besten Spezialeffekte. Und das obwohl die Riesenechse zum Teil stark animiert aussah, da die Bewegungen des Monsters kein richtiges Momentum aufwiesen. Einigen Quellen verlauten, dass dem nächsten Godzilla wieder einem monströsen Antagonisten entgegentreten wird. Das Serien-Urgestein Anguirus (Angilas) ist wohl ein heißer Kandidat. Laut Bloomberg soll sogar, wegen des überraschenden Erfolgs der letzten Dekade, Tohos CEO Hiroyasu Matsuoka ebenso eine Fortsetzung von „Shin Godzilla“ planen.
Anguirus (oder Angilas) ist schon seit der ersten Fortsetzung „Godzilla kehrt zurück“ 1955 ein Teil des Kanons. Wird er auch im neuen 2. Teil eine Rolle spielen?; (Bild: „Godzilla und die Riesenkäfer“)
Auch interessant: