Offenbach/Hannover. Der Wintereinbruch in Deutschland sorgt vor allem im Norden für massive Verkehrsstörungen. Während der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) seinen über Nacht eingestellten Busbetrieb in den frühen Morgenstunden wieder aufgenommen hat, bleibt der Busverkehr in Hannover und Kiel weiterhin ausgesetzt, wie die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) und die Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG (Üstra) am Morgen mitteilten.

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Die KVG teilte mit, die Straßen seien weiterhin stark vereist. Eine gefahrlose Wiederaufnahme des Busverkehrs sei daher derzeit nicht möglich. „Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass die Lage aufgrund der Straßensituation für viele Stunden anhalten wird“, hieß es am Morgen auf der Internetseite der KVG.

Bereits am Samstag kam es wegen Glätte zu zahlreichen Unfällen auf den Straßen, wie die „Kieler Nachrichten“, Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), berichten.

17.01.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Auto fährt über eine winterliche Straße. Laut Deutschem Wetterdienst sind Glatteis und starke Verkehrsbehinderungen zu erwarten. Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Autofahren bei Schnee und Glatteis – darauf kommt es an

Im Winter steigt die Gefahr durch Glatteis und Schnee. Vor allem im Straßenverkehr sind spiegelglatte Straßen, etwa durch Blitzeis, immer wieder Ursache für Unfälle. Was Autofahrer wissen sollten.

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Bahn warnt vor Einschränkungen in Nah- und Fernverkehr

Auch in Hannover bleibt der Busverkehr vorerst eingestellt. Die Verkehrsgesellschaft Üstra erklärte, der Betrieb sei witterungsbedingt bis auf Weiteres ausgesetzt. Laut der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, ebenfalls RND-Partner, sei derzeit nicht absehbar, wann Busse wieder fahren könnten.

Die Deutsche Bahn warnte ebenfalls vor Beeinträchtigungen im Nah- und Fernverkehr in Norddeutschland. Betroffen seien unter anderem ICE-Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin, Köln und Berlin sowie zwischen Oldenburg und Karlsruhe über Bremen, Hannover und Kassel. Auch im Regionalverkehr komme es zu Ausfällen und Verspätungen. Das Eisenbahnunternehmen Metronom sprach von „massiven Einschränkungen“.

40 Zentimeter Schnee im Harz

Vor allem im Bergland liegt schon viel Schnee, laut DWD etwa im Harz bis zu rund 40 Zentimeter. Südlich von Hamburg waren es am Morgen 16 Zentimeter, in Hannover 13 Zentimeter. Es könne im Laufe des Tages noch mehr Schnee dazukommen, der liegen bleibt, sagte die Meteorologin. Im Süden ist es laut Vorhersage trocken und südlich der Donau auch sonnig.

Autofahrer sollten mit angepasster Geschwindigkeit fahren, sagte Jacqueline Kernn, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD) am Morgen. Schneeschauer gibt es demnach immer wieder im Dreieck zwischen Nordsee, Niederrhein und Erzgebirge.

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Schierke Am Brocken: Ein Zug der Harzer Schmalspurbahnen GmbH fährt in den Bahnhof Schierke ein. Der Harzort erlebte nach dem ersten Wintereinbruch einen Besucherstrom.

„Wenn es schneit, sind die Straße auch glatt“, betonte Kernn. Der Wintereinbruch dürfte unter anderem viele Urlaubsrückkehrer treffen. In mehreren Bundesländern beginnt nach den Weihnachtsferien am Montag wieder Schulunterricht.

Zahlreiche Unfälle durch Glätte

Leitstellen in Bremen und Niedersachsen berichteten von Hunderten Unfällen auf schneebedeckten und glatten Straßen. Allein in Bremen verzeichnete die Polizei bis zum Morgen knapp 100 wetterbedingte Unfälle. „Meist handelte es sich dabei um Auffahrunfälle oder die Autos rutschen in geparkte Fahrzeuge am Straßenrand“, teilten die Beamten mit.

Insbesondere auf der Autobahn 1 gerieten zahlreiche Wagen ins Schleudern. „Es blieb glücklicherweise bei Blechschäden“, teilte die Autobahnpolizei Ahlhorn mit, die zwischen Samstag- und Sonntagmorgen zehn Unfälle in der Region registrierte.

Ein Räumfahrzeug fährt bei Schneefall auf dem Messeschnellweg in der Region Hannover.

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Auch auf Bundes- und Landstraßen behinderten Schneefälle den Verkehr. Die Polizei im Kreis Harburg meldete 70 Glätteunfälle am Wochenende, ihre Kollegen im Raum Wilhelmshaven mehr als 40 wetterbedingte Unfälle.

Im Landkreis Gifhorn überschlugen sich zwei Autos, die Insassen wurden leicht verletzt und konnten sich selbst befreien. Auch im Landkreis Diepholz blieb in der Nacht ein Wagen auf dem Dach liegen, der Fahrer wurde leicht verletzt.

In Mecklenburg-Vorpommern auf der Bundesstraße 110 bei Görke (Landkreis Vorpommern-Greifswald) wurde eine 32-jährige Autofahrerin am frühen Morgen schwer verletzt, nachdem sie auf glatter Fahrbahn ins Schleudern geraten, gegen einen Baum geprallt und in einen Straßengraben gerutscht war. Die Frau musste von der Feuerwehr aus dem Fahrzeug befreit werden.

Auf der L202 zwischen Gielow und Demzin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) überschlug sich am Morgen ein Pkw auf eisglatter Straße. Die 38 Jahre alte Fahrerin wurde leicht verletzt.

Lastwagen blockieren Autobahnen

Schon am Samstag waren in Norddeutschland auf glatten Autobahnen Fahrer ins Schleudern geraten, Unfälle häuften sich etwa auf der A1. Zahlreiche Unfälle wurden auch aus Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg gemeldet. In Bayern kippte auf der schneebedeckten Autobahn 93 bei Wernberg-Köblitz der Anhänger eines Lastwagens und platzte auf – auf der Fahrbahn in der Oberpfalz verteilte sich eine Ladung Lachs.

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Ein Lastwagen blockiert die Autobahn 1 bei glatter Fahrbahn.

In Rheinland-Pfalz erfasste ein 20-Jähriger mit seinem Wagen einen Polizisten, der gerade einen Unfall absicherte. Der Beamte wurde den Angaben zufolge leicht verletzt. Zudem prallte der Mann mit seinem Wagen gegen den Streifenwagen. Der Autofahrer hatte zuvor das Stauende übersehen und noch versucht, auf der glatten Straße ausweichen.

Störungen im Flugverkehr

Am Flughafen Düsseldorf konnten am Samstagnachmittag für 40 Minuten keine Flugzeuge starten oder landen. Die Start- und Landebahn wurde nach Angaben eines Sprechers komplett vom Schnee befreit. Auch am Flughafen Dortmund beeinträchtigte das Wetter den Betrieb. Einige Flüge starteten deutlich später als geplant.

Es bleibt winterlich: Frost im Anmarsch

Das Winterwetter hält erst einmal an. In der Nacht zum Montag erwartet der Deutsche Wetterdienst an manchen Orten zweistellige Minusgrade. Im Süden sind demnach Tiefstwerte zwischen minus 10 und minus 15 Grad – örtlich sogar minus 17 Grad – möglich, im Rest des Landes zwischen minus 3 und minus 9 Grad. Dabei seien vor allem im Norden Schneeschauer möglich.

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Am Montag komme es insbesondere in Küstennähe zu schauerartigen Schneefällen, vereinzelt seien auch Graupelgewitter möglich. Im Süden soll es hingegen weitgehend trocken bleiben. Abseits von größeren Nebelfeldern zeige sich zudem vermehrt die Sonne.

Am Dienstag erwartet der DWD eisige Temperaturen und Dauerfrost fast im gesamten Land. Lediglich auf den Nordseeinseln und am Niederrhein seien leichte Plusgrade möglich. Ansonsten lägen die Höchsttemperaturen bei weitgehend trockenem Wetter zwischen minus 6 und minus 1 Grad.

RND/dpa/jst/nis