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Ein Stromausfall in Neu-Isenburg zeigt die Verwundbarkeit moderner Städte. Experten raten zu Vorräten, Bargeld und alternativen Kochmöglichkeiten.
Neu-Isenburg – Ungewöhnlicher Vorfall am Morgen: Der Stromausfall um kurz nach acht Uhr des 12. September dauerte zwar nur zehn Minuten, aber betroffen war das gesamte Stadtgebiet. Ursache dafür war ein technischer Defekt an einem Transformator im Umspannwerk Sprendlingen, das der Energienetze Offenbach gehört. Dass die Lichter der Stadt schon bald wieder angingen, war vor allem dem schnellen und koordinierten Handeln der Stadtwerke-Mitarbeiter zu verdanken. „Der kurze, aber flächendeckende Stromausfall hat gezeigt, dass unsere Systeme im Ernstfall zuverlässig arbeiten“, erklärt Kirk Reineke, Geschäftsführer der Stadtwerke Neu-Isenburg.
Notfallsysteme funktionieren
Lange und großflächige Zusammenbrüche der Stromversorgung kommen überall auf der Welt immer wieder vor und sorgen mitunter für Chaos: Kurz vor Weihnachten gingen die Lichter für rund 130 000 Stromkunden in San Francisco aus. Im Herbst 2024 gab es auf der Insel Kuba plötzlich über drei Tage hinweg keine Elektrizität mehr. Und im Sommer 2012 hatte fast die halbe Bevölkerung Indiens – also 600 Millionen Menschen – bis zu 13 Stunden keinen Zugang mehr zu elektrischer Energie aus dem öffentlichen Netz – wohl der größte Stromausfall, den es jemals gab.
Das Umspannwerk im Norden Sprendlingens ist auch wichtig für das Netzgebiet in Neu-Isenburg. © Marc Strohfeldt
Obwohl das deutsche Stromnetz als eines der sichersten und stabilsten weltweit gilt, ist es wichtig, Vorsorge zu treffen – auch ohne konkreten Anlass. Ein technischer Defekt, Cyberangriffe oder ein Naturereignis können das Stromnetz für einen längeren Zeitraum lahmlegen. Neben den wichtigen Kommunikationsmitteln wie Telefon und Internet würden beispielsweise auch Heizungen, Kühlschränke und Geldautomaten ausfallen.
In der Pflege würden Hilfsgeräte stillstehen, die möglicherweise lebensnotwendig sind, beispielsweise Beatmungsgeräte. Auch die Lieferung von Essen auf Rädern könnte gestört werden. Viele der kritischen Infrastrukturen haben Notstromaggregate, die wichtige Maschinen und Einrichtungen mit Elektrizität versorgen können. „Alle Überwachungssysteme, Schutzmechanismen und Notstromversorgungen, insbesondere im Wasserwerk Neu-Isenburg, haben einwandfrei funktioniert“, sagt Reineke mit Blick auf den vergleichsweisen kleinen Stromaussetzer im September. Die Stadt Neu-Isenburg sowie Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und die Stadtwerke sind auf ein solches Szenario vorbereitet. Bei wirklich heiklen Situationen gibt es fünf Anlaufpunkte in der Stadt, sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme, an denen erste Hilfe, Trinkwasser, Wärme und ein Notstromaggregat bereitstehen. Dazu gehört das Foyer des Waldschwimmbads, die Hugenottenhalle, das Rathaus, das Bürgeramt Gravenbruch sowie das Bürgerhaus Zeppelinheim.
In den Notfallvorrat gehören ausreichend Wasser und haltbare Lebensmittel. © Christin Klose/dpa
Ungeachtet dessen kann aber auch jeder zu Hause Vorsorge treffen. „Legen Sie sich ausreichende Vorräte an Trinkwasser, haltbaren Lebensmitteln, Babynahrung und Hygieneartikel an“, teilt die Stadtverwaltung mit. Sinn ergibt auch, Kerzen, Campinglampe, Batterien und entsprechende Gaskartuschen vorrätig zu halten. Denn mit einem Campingkocher könne man unter freiem Himmel Mahlzeiten zubereiten. Auch für Pflegebedürftige sollten notwendige Materialien gebunkert werden. Wichtig könnten auch Radios oder Taschenlampen mit Dynamo- oder Handkurbelantrieb sein, um Informationen erhalten und sich im Dunkeln orientieren zu können. „Denken Sie daran, Bargeld zur Verfügung zu haben, da bei Stromausfall auch die Geldautomaten nicht mehr funktionieren“, erklärt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.
Auch liebgewonnene Gewohnheiten beim Essen enden ohne Elektrizität: Schnellgerichte oder Pasta lassen sich nicht mal eben so vorbereiten. Folglich helfen andere Rezepte, die beim Projekt „Kochen ohne Strom“ gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz zusammengestellt worden, zum Beispiel Mandel-Couscous. „Bei der Vorbereitung des zweiten Katastrophenschutztages in Bonn 2021 kam den beteiligten Institutionen eine vorzügliche Idee: Mit einem ganz besonderen Kochbuch sollen die Themen Kochen ohne Strom, Vorratshaltung und Notfallvorsorge alltagstauglich gemacht werden“, erklärt die Behörde. Mehr dazu unter www.bbk.bund.de.