Dem Hype zum Trotz konnte die „Conjuring“-Saga bei FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian nie so richtig unter die Haut kriechen – ganz im Gegensatz zu jenem intensiven Geheimtipp, der nach Jahren des Wartens nun endlich im Heimkino angekommen ist.

Mit Horror ist es wie mit Humor: Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Die einen fahren auf ausuferndes Gemetzel ab, die anderen auf unter die Haut kriechenden Schauer, manche lassen die Grenzen des Vorstellbaren gerne von übernatürlichen Schauermärchen aufsprechen und für viele liegt der größte Schrecken im greifbaren Grauen, das jeden von uns ereilen könnte. FILMSTARTS-Redakteur Daniel Fabian kann all diesen Rubriken etwas abgewinnen – wobei ihm das Spiel mit den menschlichen Urängsten immer wieder ganz besonders an die Nieren geht …

… und zwar in den verschiedensten Variationen – vom klaustrophobischen Höhlen-Horror „The Descent“ bis hin zum Höhenangst-Spektakel „Fall – Fear Reaches New Heights“, vom Gefangen-in-einem-Sarg-Thriller „Buried – Lebend begraben“ bis zum Anti-Strandurlaubs-Klassiker „Der weiße Hai“. Euch geht es ähnlich? Dann haben wir einen Tipp für euch: Hush – Still“ ist ein Paradebeispiel für minimalistisches, effektives Spannungskino – inszeniert von Mike Flanagan, der sich zuletzt mit Serien und Filmen wie „Spuk in Hill House“ und „Doctor Sleeps Erwachen“ zu einem DER Hoffnungsträger des modernen Horror-Kinos aufgeschwungen hat.

Nachdem der bereits neun Jahre alte Film in Deutschland zunächst 2018 exklusiv via Netflix veröffentlicht wurde, verschwand er mittlerweile wieder von der Streaming-Plattform. Mittlerweile könnt ihr den Film aber endlich eurer Sammlung einverleiben – und zwar so, dass ihn euch niemand mehr so einfach wieder wegnehmen kann. Denn nachdem der Film bereits pünktlich zu Halloween auf DVD* und Blu-ray* erschienen ist, kam es Ende letzten Jahres auch zur Auswertung auf 4K-Blu-ray:

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Lighthouse Home Entertainment beschert uns die physische Premiere, die darüber hinaus ein weiteres Novum mitbringt. Denn an Bord ist nicht nur die altbekannte Version, sondern erstmals auch der sogenannte „Shush Cut“, bei dem es sich um die Schwarz-Weiß-Fassung des Streifens handelt – mit dem „Still“ sogar noch reduzierter (und so vielleicht noch effektiver?) als je zuvor wird.

„Hush – Still“: 80 Minuten Hochspannung!

Während mir die eingangs erwähnten „Conjuring“-Filme seit jeher schlichtweg zu plump und „überinszeniert“ sind, als dass mich das Schicksal der betroffenen Familien auch nur die Bohne interessieren könnte und der Spannungsbogen für mich so nie allzu weit über den Nullpunkt kommt, ist „Still“ eine absolute Lehrstunde in Sachen visuelles Storytelling. Wobei Mike Flanagan und seine Ehefrau und Hauptdarstellerin Kate Siegel schon viel früher den Grundstein für ihren nahezu einmalig spannenden Home-Invasion-Thriller legen. Und zwar mit dem Drehbuch.

Genau wie es bei „John Wick“ schon genügt, dem Titelhelden Hund und Auto zu nehmen, um die Story in Gang zu treten, halten es auch Flanagan und Siegel stets simpel. Mit einer Autorin, die in einer abgeschiedenen Hütte im Wald an ihrem neuen Werk arbeitet, walzen sie ehrlicherweise sogar längst totgetretene Genre-Pfade platter als sie ohnehin schon sind. Dass die Protagonistin jedoch taubstumm ist – und so eben lange Zeit nicht merkt, dass sich ein Eindringling gefährlich nähert –, reicht bereits aus, um das Spannungskorsett sukzessive enger zu schnüren, bis einem selbst kaum noch Luft zum Atmen bleibt.

Sobald der Angreifer erstmals im Bild ist, fiebert man mit der von Siegel gespielten Schreiberin mit – und drückt ihr nicht nur die Daumen in dem sich abzeichnenden Kampf, den sie eigentlich nur verlieren kann. Vor allem versetzt man sich selbst in ihre aussichtslose Lage, sucht verzweifelt nach Mitteln und Wegen, mit deren Hilfe man die Flucht womöglich ergreifen könnte. Umso erfreulicher ist es, dass Flanagan dabei darauf verzichtet, mit seiner Story unnötige Haken zu schlagen. So wird einerseits die Laufzeit auf knapp 80 Minuten reduziert und dem Publikum andererseits keine Verschnaufpause vergönnt – bis der Abspann einsetzt und ENDLICH durchgeatmet werden kann.

Ja, am Ende fühlt man sich vor lauter Anspannung fast so erschöpft, als wäre man gerade im Gym gewesen. Seinen Hintern kriegt man allerdings spätestens dann vom Sofa hoch, wenn man plötzlich nicht mehr ganz sicher ist, ob man die Haustür eigentlich abgesperrt hat…

Während „Hush“ nicht ganz so hohe Wellen schlagen konnte wie die anderen Werke Flanagans (zuletzt etwa die famose Stephen-King-Verfilmung „The Life Of Chuck“), erfreut sich das „Conjuring“-Franchise immer noch enormer Beliebtheit. Das unterstreichen auch die Pläne für das nächste Kapitel innerhalb des gigantischen Grusel-Universums:

„Conjuring 5“ kommt wirklich – doch Horror-Fans müssen sich auf eine große Veränderung einstellen

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Dieser Artikel basiert auf einem bereits auf FILMSTARTS erschienenen Beitrag.