Seit Jahren ist klar: Ab 2026 greift der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Zum 1. August zunächst nur für die Erstklässler soll der Anspruch sukzessive auf alle Grundschulklassen ausgeweitet werden. Trotz klammer Kassen hat die Stadt Augsburg das Angebot in den vergangenen Jahren stetig erweitert – auch baulich. In diesem Jahr wird zudem das Kita-Portal um den Bereich Ganztag erweitert. Doch noch fehlen rechnerisch tausende von Plätzen. Und immer wieder werfen Träger hin.

Nach den aktuellsten Zahlen der Stadt besuchen im Schuljahr 2025/26 insgesamt 10.736 Kinder eine Augsburger Grundschule. Davon sind 6879 Kinder in einer der Betreuungsformen des Ganztags angemeldet, was einer Betreuungsquote von 64 Prozent entspricht. Bei den diesjährigen Erstklässlern sieht die Quote allerdings schon anders aus. Von den 2418 Kindern in der ersten Klasse sind insgesamt 1967 und damit 81 Prozent in einem Ganztagsangebot – mehr als die Hälfte davon besucht einen Hort. Um die angestrebte Betreuungsquote von 90 Prozent zu erreichen, fehlen aktuell nach Berechnungen der Stadt rund 2800 Plätze. Berücksichtigt werden müsse an dieser Stelle aber, dass sich diese Zahl an der angestrebten Quote orientiere, nicht am tatsächlichen Bedarf.

In manchen Augsburger Stadtteilen ist der Bedarf besonders hoch

Denn wie hoch die Nachfrage ist, hängt laut Bildungsbürgermeisterin Martina Wild stark vom Stadtteil ab. In einigen Gebieten seien die 90 Prozent zu hoch angesetzt. „Insbesondere in sozial herausgeforderten Stadtteilen wie Lechhausen, Herrenbach oder Oberhausen, aber auch in Göggingen besteht aber erheblicher Handlungsbedarf. Deshalb ist es uns wichtig, auf diese Grundschulen Priorität zu legen“, so Wild. In den vergangenen fünf Jahren habe man 287 neue Plätze im schulischen Kontext geschaffen und 100 Plätze erhalten können, so Wild. „In den letzten fünf Jahre sind wir große Schritte voran gegangen, um den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umzusetzen – trotz der fehlenden Mittel, die alle Kommunen vor große Herausforderung stellen.“

Aus den Gesprächen mit den Trägern schulischer Angebote wisse man aber, dass es leider immer mehr Probleme bei der Realisierung der Ganztagsbetreuung gebe. Immerhin gebe es mittlerweile tatsächlich eine Verbesserung in der Finanzierung des Ganztagsausbaus. Um bestehende Plätze zu erhalten und weitere Verluste zu verhindern, habe man einen runden Tisch für Ganztagsbetreuungsangebote ins Leben gerufen. So sei es möglich gewesen, an zwei Schulen, an denen ein Trägerverlust drohte, das bestehende Angebot vorerst fortzusetzen und auch einen neuen Träger zu gewinnen.

Träger bekommen immer wieder Anrufe von Augsburger Schulen

Die AWO Schwaben war bis vor vier Jahren im Bereich der Offenen Ganztagsschule (OGTS) tätig, allerdings nicht in Augsburg. Mittlerweile habe man sich aber aus diesem Bereich komplett zurückgezogen, so Vorständin Silke Scherer. „Der Grund war unter anderem, dass die Finanzierung je nach Angebot (Betreuung in Randzeiten, Ferien, Vorhalten von pädagogischem Personal) unterschiedlich ist und es keine einheitlichen Standards für die Qualität gibt. Wir haben in den vergangenen Jahren öfter Anrufe von Schulen bekommen, die einen Träger für eine OGTS gesucht haben – auch aus Augsburg. Denen musste ich dann freundlich erklären, dass wir in dem Bereich nicht mehr tätig sind.“

Das Modell des Kooperativen Ganztags, auf das die Stadt verstärkt setzen will, sieht Scherer kritisch. „Aus der Erfahrung ist es so: Wenn Jugendhilfe und Schule etwas gemeinsam machen, dann funktioniert es meistens in der Praxis nicht, weil verschiedene Ministerien daran beteiligt sind. Solange da so viele Dinge nicht geklärt sind, kann ich als Träger nicht aufspringen. Solche Experimente können wir uns schlicht nicht leisten.“ Überlegungen, die sie aktuell bei vielen Trägern, die nicht so viele Einrichtungen betreiben, wahrnehme. „Insofern müsste jetzt dringend der Freistaat in die Gänge kommen“, so Schneider.

Stadtjugendring ist zuletzt an Gögginger Grundschule ausgestiegen

Ähnlich sieht es auch Heidi Hofstetter vom Stadtjugendring. Der war im Juli 2025 aus dem gebundenen Ganztag an der Friedrich-Ebert-Grundschule in Göggingen ausgestiegen. „Da blieb uns aufgrund der schlechten Finanzierung nichts anderes übrig. Wir bekommen immer wieder Anrufe von Schulen aus Augsburg, aber beim Gebundenen Ganztag müssen wir mittlerweile klar sagen: Das können wir nicht mehr machen. Aber natürlich: Wenn uns als Stadtjugendring eine Schule anruft und fragt: Könnt ihr für Kinder und junge Menschen da sein und dann musst du Nein sagen, da wird es emotional.“

Und Hofstetter befürchtet, dass sich die Situation erstmal weiter verschlimmern wird. „Ich gehe davon aus, dass es bis nächstes Jahr nicht ausreichend Angebot gibt.“ Jedoch könne sie sich vorstellen, dass der Markt das mittelfristig regele und ihn sich private Träger nehmen würden. „Das haben wir ja schon im Kitabereich gesehen. Die locken dann mit höheren Gehältern und am Ende gibt es dann nur Plätze für diejenigen, die sich das leisten können. Wenn uns unsere Kinder wichtig sind, dann sollte es der Politik wichtig sein, hier Gelder bereitzustellen“, findet sie.

  • Katharina Indrich

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