Nach Santa Clara und London ist Karlsruhe im Sommer 1989 der dritte Veranstaltungsort der World Games, die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten. Zwischen dem 20. und 30. Juli finden die Wettkämpfe zum großen Teil in der Europahalle und dem angrenzenden Sportpark statt, während Rollhockey und Korfball beispielsweise in der Schwarzwaldhalle im Kongresszentrum gespielt werden. Der Wassersport findet im Fächerbad statt.
„Ein heiteres Sportfestival für alle“
Die Europahalle ist bei der Eröffnungsfeier mit 5.500 Zuschauer ausverkauft. Mit seiner Eröffnungsrede gibt der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Juan-Antonio Samaranch, den Startschuss und Oberbürgermeister Gerhard Seiler hält einen Willkommensgruß in drei Sprachen.
Diese Durchführung der Weltspiele bedeutet für Karlsruhe eine große Herausforderung, sagt er. „Es soll ein heiteres Sportfestival für alle sein.“ Auch Un Yong Kim, Präsident der Internationalen World Games Association, hält eine Rede. „Die World Games bilden den Rahmen für größere Harmonie zwischen vielen Sportfamilien“, betont er.

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Die Europahalle nach der Sanierung am 22. Oktober 2024.
Foto: Katharina Peifer
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Die Europahalle nach der Sanierung am 22. Oktober 2024.
Foto: Katharina Peifer
Während der Games wird es ein vielseitiges Rahmenprogramm geben. Im Games Garden neben der Halle gibt es Musikprogramme und Theater auf drei Bühnen. Dazu kommen Tanzworkshops für Besucher, wo täglich Jazzdance und Rock ‘n‘ Roll angeboten werden. Lieder, Sketche und Entertainment stehen auch täglich im Programm. Insgesamt ist hier ein internationaler Treffpunkt mit Aktivitäten für alle.
Musik und Rockkonzerte begleiten die Veranstaltung
Am Eröffnungsabend halten vier Mädchen in Gutacher Tracht die Flaggen der Bundesrepublik, der World Games und die badische Fahne. Danach breiten Schulen und Vereine eine Weltkarte auf dem Hallenboden aus. Das „Rad um Sport und Spiel“ beginnt mit einem gemeinsamen Tanz von Rollstuhlfahrern und Menschen ohne Behinderung. Später tanzt das Publikum auf dem Spielfeld der Europahalle.
An beiden Wochenenden gibt es in der Unterführung am Ettlinger Tor zwei Rockkonzerte. Die Musikerinitiative Karlsruhe präsentiert zwei der besten Bands der Region: The Formula und Dorfcombo – Rock ‘n‘ Roll, Funk, Raggae, Jazzrock.
An einem Wochenende gibt es noch dazu ein Open-Air-Konzert in der Innenstadt – eine Jazz- und Blues-Session mit La Velle aus Paris und James Blood Ulmer’s Blues Experience aus den USA. Hier geht es um Free Jazz, Funk und Blues – Ulmer ist zu dieser Zeit einer der populärsten Jazzgitarristen.
Ärzte, Helfer und Ehrenamtliche
Bei einer solchen Veranstaltung ist ehrenamtliches Engagement gefragt. Wichtig ist auch die sprachliche Kommunikation. Dolmetscher für 16 Sprachen sind im Einsatz, etwa 70 Hostessen und 20 Betreuer kümmern sich um prominente Gäste, darunter auch Prinz Albert von Monaco, der fünf Tage in Karlsruhe bleibt.
Zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung gibt es auch ein Therapiezentrum, in dem täglich bis zu zehn Krankengymnasten sich um die Probleme der Sportler kümmern. Außerdem sind 600 Journalisten aus aller Welt vor Ort, um über die World Games zu berichten.
Lothar Teuber ist der Leiter der zwölfköpfigen Therapiegruppe und ehemaliger Bundesliga-Turner. Er ist auch Lehrbeauftragter in der deutschen Arbeitsgemeinschaft für Krankengymnastik in der Sportmedizin. Mit seinem Team versorgt er die Athleten medizinisch und sorgt dafür, dass Verletzungen bei Bedarf im Krankenhaus behandelt werden. „Jedoch besteht 80 Prozent unserer Arbeit aus Fixationen“ (eine Technik, bei der der Therapeut bestimmte Körperteile stabilisiert), erklärt er.
Neben erwachsenen Athleten trainiert auch die Jugend
Insgesamt sind sieben internationale Jugendlager während der Weltspiele in und um Karlsruhe platziert. 500 Jugendliche aus neun Ländern nehmen daran teil, um hier für die World Games zu trainieren und ihre Sportarten zu zeigen. Mit dabei sind beispielsweise Karate, Trampolin, Radfahren, Korfball, Rettungschwimmen, Faustball und Skateboard.
Karatekämpfer Kosta Sariyannis aus Karlsruhe gewinnt Bronze in seiner Kategorie. Er ist sehr stolz darauf: „Immerhin standen die sieben Besten der Weltmeisterschaft auf der Matte“ sagt er.
Ein Prinz besucht die World Games in Karlsruhe
Prinz Albert von Monaco besucht Karlsruhe für die letzten fünf Tage der World Games. Er macht dem Oberbürgermeister im Rathaus eine Aufwartung, gefolgt von Journalisten. Albert ist ein Allround-Amateursportler.

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Fürst Albert II. von Monaco.
Foto: Gregor Fischer, dpa
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Fürst Albert II. von Monaco.
Foto: Gregor Fischer, dpa
Er ist nach Karlsruhe gekommen, um sich verschiedene Veranstaltungen anzusehen, etwa Bowling oder Flossenschwimmen. Zu den anderen Sportarten, die in diesen letzten Tagen zu sehen sind, zählen beispielsweise Bodybuilding, Taekwondo, Tauziehen, Kunstradfahren, Tumbling, Netball und das Boule-Spiel Pétanque.
Insgesamt haben bei den Karlsruher World Games über 1.600 Athleten aus 54 Nationen an 21 Weltkampfdisziplinen teilgenommen. Die Bundesrepublik ist mit 408 Teilnehmern vertreten. Neben den Wettkampfdisziplinen zeigen 2.400 Teilnehmer aus 60 Nationen 25 Sportarten wie Aikido oder Tchoukball.
Feuerwerk markiert das Ende der Spiele
Das große Finale findet am 30. Juli um 17 Uhr im Games Garden statt. Bis 20 Uhr sind internationale Kulturbeiträge zu sehen und die Tanzworkshops zeigen, was sie geübt haben. Heißluftballons steigen in den Himmel. Um 20 Uhr beginnt in der Europahalle der offizielle Teil der Abschiedsparty, mit einer Rede von Un Yong Kim.
Um 21 Uhr markiert die Übergabe der World Games-Fahne von Oberbürgermeister Gerhard Seiler an seinen Amtskollegen aus Den Haag das Ende der Spiele. Die Stadt in den Niederlanden richtet die 4. World Games im Jahr 1993 aus.

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Luftaufnahme des Geländes bei der Europahalle mit den Spielstätten und Infrastruktur.
Foto: 8/BA Schlesiger 1989 A26a_253_2_02
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Luftaufnahme des Geländes bei der Europahalle mit den Spielstätten und Infrastruktur.
Foto: 8/BA Schlesiger 1989 A26a_253_2_02
Die World Games enden mit einem Konzert und Musik im Festzelt. Noch dazu gibt es eine High-Tech-Artistikshow. Es spielen die Bands „Phil Edwards“, die „Artistik Company Air Mail“ und die „Freddy Wonder Combo“. Am Ende haben 200.000 Leute die Games in der Fächerstadt besucht.
Wer bezahlt?
Die Fächerstadt verdient unmittelbar nichts bei diesem Ereignis und muss sogar Geld dazuschießen – etwa mehr als eine Million D-Mark. Das Land Baden-Württemberg hat 500.000 D-Mark Zuschuss gegeben. Andererseits verhält man sich in Bonn – damals Deutschlands Hauptstadt – zurückhaltend. Aber Karlsruhe hat an Image gewonnen. Und die Athleten und Besucher bringen viel Geld in die Stadt – zahlreiche Wirtschaftszweige profitieren.
Der Sinn und Zweck dieser Spiele ist jedoch nicht nur der sportliche Wettkampf, sondern auch eine Begegnung mit anderen und das Kennenlernen. Für Karlsruhe sind die alle vier Jahre stattfindenden World Games eine Bewährungsprobe, die die Fächerstadt bestanden hat.
Das ist für die World Games 2029 in Karlsruhe geplant
Vom 19. bis 29. Juli 2029 kann Karlsruhe seine Kompetenz als Austragungsort erneut unter Beweis stellen: Bei den 13. World Games wird die badische Stadt Gastgeber sein. Das hat der Gemeinderat am 29. Juli dieses Jahres entschieden.
Über 5.000 Athleten aus mehr als 100 Ländern sollen laut Stadt Karlsruhe voraussichtlich in etwa 35 Sportarten antreten. Über 200 Vereine, Initiativen und Freiwillige sollen in die Organisation der World Games eingebunden werden. Organisiert wird das Event von der Stadt Karlsruhe in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Wo finden die World Games 2029 in Karlsruhe statt?
Stattfinden sollen die Wettkämpfe und Rahmenveranstaltungen über das ganze Stadtgebiet verteilt. Nach Angaben der Stadt Karlsruhe sind das unter anderem folgende Stätten:
- der Karlsruher Festplatz
- das Kongresszentrum mit Schwarzwaldhalle und modernisierter Stadthalle
- der Schlosspark
- der Alte Schlachthof
- die Europahalle mit Carl-Kaufmann-Stadion und Lina-Radke-Halle (Elisabeth-Selbert-Schule)
- das Fächerbad
- die Sportanlagen im Traugott-Bender-Sportpark
- der Otto-Dullenkopf-Park
- das BBBank Wildpark Stadion für die Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung
- die Hallen der Messe Karlsruhe
- der Flugplatz Rheinstetten
- die Sportanlagen des Karlsruher Instituts für Technologie
- der Rheinhafen
- die noch zu bauende Sporthalle des SSC Karlsruhe
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Katherine Quinlan-Flatter
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