CEV-Cup im Volleyball: Deshalb ist Allianz MTV Stuttgart mal nicht der große Favorit Auf MTV-Libera Yurika Bamba kommt in Istanbul viel Arbeit zu. Foto: Baumann

Ungewohnte Ausgangslage für die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart: Im Achtelfinale des CEV-Cup trifft der Bundesliga-Spitzenreiter auf THY Istanbul – und ist der Außenseiter.

Volleyball ist für Konstantin Bitter nicht nur ein Job, es ist seine Leidenschaft. Folglich schaut der Trainer von Allianz MTV Stuttgart regelmäßig mit großem Interesse Spiele der Champions League, nicht nur wenn die Bundesliga-Konkurrenten SSC Schwerin und Dresdner SC dort aufschlagen. „Wir hätten in diesem Wettbewerb viel Freude haben können“, sagt Bitter, „aber das ist jetzt irrelevant. Wir versuchen, uns die Qualifikation in dieser Saison wieder zu verdienen.“ Und zugleich europäisch erfolgreich zu sein – im CEV-Cup.

Den Sprung in die Königsklasse verpassten die Stuttgarter Volleyballerinnen in den Play-offs der vergangenen Runde, als sie im Halbfinale gegen den Dresdner SC ausschieden. Wie attraktiv Spiele im zweitklassigen CEV-Cup (vergleichbar mit der Europa-League im Fußball) sein können, erlebte das MTV-Team in der Saison 2021/22, als es unter Trainer Tore Aleksandersen im Finale stand. Ähnlich weit würde der souveräne Bundesliga-Spitzenreiter gerne erneut kommen – einfach wird das allerdings nicht. „Das Los hat es nicht gut mit uns gemeint“, sagt Konstantin Bitter vor dem Achtelfinal-Hinspiel an diesem Dienstag (15 Uhr) bei THY Istanbul, „das ist ein echtes Brett.“

Auch Hanna Orthmann spielt für THY Istanbul

Die türkische Liga gilt, neben der italienischen, als beste der Welt, allein sechs Clubs kommen aus Istanbul. Den Ton geben Vakifbank, Fenerbahce und Eczacibasi an, alle spielen in der Champions League. Titelfavorit im CEV-Cup ist Galatasaray mit den Ex-Stuttgarterinnen Britt Bongaerts, Eline Timmerman und Kaja Grobelna – und dann gibt es noch THY Istanbul. Der von der Fluggesellschaft Turkish Airlines gesponserte Club belegt in der Liga Rang acht, hat aber weitaus größeres Potenzial. Nach einem Trainerwechsel und der Verpflichtung der Italienerin Anna Nicoletti will die Mannschaft, zu der neben Weltklasse-Zuspielerin Roberta, ihrer brasilianischen Landsfrau Julia Bergmann und der Türkin Tugba Ivegin auch die deutsche Nationalspielerin Hanna Orthmann gehört, durchstarten. „Wir treffen auf einen sehr physischen und blockstarken Gegner, der in der Champions League in die K.-o.-Runde kommen würde“, sagt Bitter, „für uns ist das eine große Herausforderung.“ Und deshalb umso reizvoller.

Trainer Konstantin Bitter will in Istanbul einen mutigen Auftritt seines Teams sehen. Foto: Baumann

In der Bundesliga und im Pokal gab es bisher viele klare Siege für die starken Stuttgarterinnen, die an diesem Montag in die Türkei fliegen. Dort ist die Ausgangslage eine andere. „Wir sind nicht der Favorit, aber wir haben eine Chance, wenn wir gut spielen“, sagt Coach Bitter, der mit seinem Team in der 7000 Fans fassenden und bei THY-Heimspielen oft nahezu leeren Volleyball-Arena Burhan Felek in Istanbul gerne zumindest einen Punkt mitnehmen würde. Doch noch wichtiger als das Ergebnis ist ihm die Art und Weise, wie seine Spielerinnen auftreten: „Ich will eine Mannschaft sehen, die mutig ist, nicht hofft und zaudert. Wir haben allen Grund, selbstbewusst zu sein.“

Für Allianz MTV Stuttgart geht es um eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel am 14. Januar (19 Uhr) in der Scharrena. Noch gibt es Tickets, Aurel Irion hofft auch im CEV-Cup auf mehr als 2000 Besucher. „Wir haben ein attraktives Los gezogen“, sagt der Geschäftsführer des Vereins, der bei den Bundesliga-Heimspielen auf eine Auslastung von stolzen 93 Prozent kommt, „nach den Duellen gegen THY Istanbul, wissen wir, wo wir stehen.“ Und wie viel Freude auch Spiele im CEV-Cup machen können.