Im Regierungsviertel ist gerade Pause. Die Abgeordneten sind noch daheim in den Wahlkreisen, und auch die meisten Mitarbeiter machen Homeoffice oder gar kein Office, weil sie im Urlaub sind. Todsicheres Zeichen dafür, dass im Bundestag nichts los ist: Das Mitarbeiterrestaurant im Jakob-Kaiser-Haus, wo die Abgeordneten und ihre Teams ihre Büros haben, bleibt die ganze Woche zu. Pech für Journalisten, die trotzdem arbeiten und Mittagspausen gern nutzen, um Informanten zu treffen. Sie schauen hungrig auf ihr Handy. Vielleicht kommt wenigstens eine interessante SMS rein.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



Nicht mal das. Dafür taucht ein interessantes Video der japanischen Botschafterin auf. Sie lehrt auf Instagram, was die Küche ihres Heimatlandes zu bieten hat. Das ist bekanntlich sehr viel. In den Videos tritt Botschafterin Shino persönlich auf und zeigt ihren Followern ganz praktisch, wie man bestimmte Speisen zubereitet. „Lasst uns kochen!“, heißt die Rubrik. Wie gerufen kommt die jüngste Folge, in der die Botschafterin – in Schürze – vorführt, wie man das japanische Standardessen für die „Bento-Box“, also Lunchbox zubereitet: Onigiri, Reis in Form von Bällchen oder Drei­ecken. Vor mehr als zwanzig Jahren habe sie das schon hier in Europa für ihre Kinder zubereitet, erinnert sie sich. Nun zeigt sie ihren Zuschauern, wie.

„Wer schläft, kann keinen süßen Reiskloß essen“

Praktisch, denn die F.A.Z. hat vor einiger Zeit eine ideale Lunchbox an ihre Mitarbeiter ausgegeben, die an Tagen ohne Verabredung zum Mittagessen befüllt sein will. Die Botschafterin macht allen Mut, die ungeübt im Formen von Onigiri sind. Sie zeigt, wie sie einen kleinen Batzen gekochten Sushireis in den Händen zu einem Nest drückt, in dessen Mitte gedämpfter Lachs, eingelegte Pflaumen oder mit ein wenig Sojasauce gewürzte Bonitoflocken wie ein kleines Ei platziert werden. Dann gilt es, den klebrigen Reis drum herum zu formen, sodass er die Füllung einschließt.

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Ein Dreieck bekommt der Anfänger kaum hin. „Man kann sie aber auch wie ein rundes japanisches Reisfass formen“, schlägt die Botschafterin versöhnlich vor. Um den Bauch bekommt es dann einen Streifen geröstetes Seetangblatt, Nori. Auch die Dreiecke – oder Vierecke, wenn man nur solche zustande bekommt – werden von Nori zusammengehalten.

Wem selbst das nicht gelingt, der macht einfach Sandwiches aus dem Reis. Wie das geht, führt die Botschafterin ebenfalls vor. Sogar eine Variante mit Leberkäse als Belag präsentiert sie. Wann macht Markus Söder im Gegenzug mal Sushi?

Aber gut, das will man auch gar nicht sehen. Stattdessen lieber weitere Videos von Botschafterin Shino, zum Beispiel das zu japanischen Desserts (Milch-Gelee, Ingwer-Sorbet). Oder man informiert sich auf ihrem Kanal zu japanischen Redewendungen. Das Pendant zu „Ohne Fleiß kein Preis“ lautet „Wer schläft, kann keinen süßen Reiskloß essen.“