Berlin – Die zweite Nacht ohne Strom in Berlins Südwesten. Alles liegt im Dunkeln, dazu eisige Kälte.
Seit Samstagmorgen sind Zehntausende Haushalte im Berliner Südwesten infolge des mutmaßlichen Anschlags ohne Strom. Während es bei manchen mit der Versorgung schon wieder klappt, spitzt sich die Situation in anderen Bereichen zu.

Verwaister S-Bahnsteig im Dunklen Berliner Südwesten: Der Stromausfall trifft auch den Bahnverkehr. In Berlin-Wannsee ist ein Stellwerk ausgefallen. Die Folge sind massive Einschränkungen im S-Bahn- und Regionalverkehr zwischen Berlin und Potsdam. Dazu sind die Bahnhöfe selbst ohne Stromversorgung
Foto: michael körner
Polizei fährt verstärkt Streife
Die Polizei fährt vermehrt Streife in den immer noch vom Stromausfall betroffenen Gebieten. Von den ursprünglich 40.000 betroffenen Haushalten und mehr als 2200 Unternehmen sind inzwischen etwa 14.500 Haushalte und 500 Firmen wieder am Netz, wie Stromnetz Berlin am Sonntagabend mitteilte. 9000 von etwa 12.000 Fernwärmekunden könnten wieder versorgt werden. Auch die Wasser- und Abwasserversorgung sei über Notstromaggregate gesichert.

Die Polizei fährt in den vom Blackout nach wie vor betroffenen Gebieten verstärkt Streife
Foto: michael körner
„Heute wird es darum gehen, dass wir weiter an den Baustellen arbeiten. Da sind wir im Zeitplan“, so Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) im RBB-Inforadio. Zusätzliche Notstromaggregate sollen dafür sorgen, dass insbesondere Senioreneinrichtungen und Supermärkte wieder ans Netz kommen – „und zwar deutlich vor Donnerstag“.
Polizei und Rettungskräfte helfen, wo sie können. Auch die Bundeswehr soll unterstützen, Berlin rief dazu eine sogenannte „Großschadenslage“ aus.
Weiteres Pflegeheim geräumt
In der Nacht wurde ein Pflegeheim im Waskensteig geräumt. Dort hat der Strom nur 48 Stunden gereicht, nun mussten neun Menschen verlegt werden.

Rettungskräfte vor dem Pflegeheim, das in der Nacht geräumt wurde
Foto: Pressefoto Wagner
Nicht nur Pflegeeinrichtungen, sondern auch pflegebedürftige Menschen in ihren Wohnungen sind vom Stromausfall betroffen. Feuerwehr und Hilfsorganisationen richteten Notunterkünfte ein.
Unfall nach Ampelausfall
Kreuzungs-Crash im stockdunklen Berliner Ortsteil Nikolassee! Der Verkehrsunfall passierte an der Kreuzung Potsdamer Chaussee/Spanische Allee. Die Ampeln sind dort wegen des Stromausfalls außer Betrieb!

Die Front des Pkw wurde zerstört. Zu dem Unfall kam es an einer Kreuzung, an der die Ampel ausgefallen ist
Foto: michael körner
Nach ersten Informationen soll auch ein ziviler Polizeiwagen in den Unfall verwickelt gewesen sein. Ob es Verletzte gab, war zunächst unklar. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.
Versuchter Einbruch bei Aldi
Ein paar Meter weiter in der Potsdamer Chaussee an der Filiale eines Discounters: Dort gab es in der Nacht einen Einbruch bzw. einen Einbruchsversuch. An einem Container und an der Lagertür sind Spuren zu sehen. Ob tatsächlich etwas gestohlen wurde, ist zur Stunde nicht bekannt.

Einbruchsspuren an der Tür der Discounter-Filiale
Foto: Pressefoto Wagner
Doppeldecker als Wärmebus
Am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte steht Busfahrer Ramona Wehde (60) mit einem Fahrzeug seines privaten Reiseunternehmens. Sonst fährt er mit einem Nightliner Bands, die auf Tour sind, jetzt bietet er einen Doppeldecker als Wärmebus an.

Ramona Wehde (60) stellt auf Eigeninitiative seinen Bus zum Aufwärmen zur Verfügung
Foto: michael körner
Bis zum frühen Morgen war noch niemand vorbeigekommen. Offenbar halten sich viele wacker mit Decken und Jacken in den eigenen vier Wänden warm oder sind übergangsweise woanders untergekommen.
Keine Schule für Tausende Kinder
Wegen des Stromausfalls fällt in zahlreichen Schulen der Unterricht aus – voraussichtlich bis Donnerstag. So zum Beispiel an der Grundschule am Buschgraben, die am Montagmorgen ebenfalls im Dunkeln lag. Eltern können auf Notbetreuung in anderen Schulen zurückgreifen. Wie es weitergeht: Darauf hat der Senat noch keine Antwort. Auch Kitas sind betroffen.
Mehr zum ThemaErst am Donnerstag wieder alle am Netz
Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin schwerwiegend und die Reparatur kompliziert: Erst am Donnerstagnachmittag könnten voraussichtlich alle Stromkunden wieder versorgt werden.

In einer Wohnung leuchten Kerzen. Erst am Donnerstag sollen wieder alle Haushalte mit Strom versorgt werden können
Foto: michael körner
Seit Sonntag steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben der mutmaßlichen Täter ist laut Senatorin Iris Spranger (SPD) authentisch.