Aktualisiert am 05.01.2026 – 07:27 UhrLesedauer: 4 Min.
Eine verrostete Pumpe in Venezuela (Archiv): Die venezolanische Ölindustrie wurde viele Jahre lang heruntergewirtschaftet. (Quelle: STRINGER/reuters)
Nach dem Sturz des venezolanischen Präsidenten Maduro kündigt US-Präsident Donald Trump Milliardeninvestitionen in die dortige Ölindustrie an. Doch die US-Ölriesen halten sich eher bedeckt.
Doch am Tag nach der spektakulären Militäroperation dämpfen Experten weltweit die Erwartungen an einen solchen Boom. Denn damit die Pläne des US-Präsidenten aufgehen, müsste erst eine ganze Reihe an Bedingungen erfüllt werden. Bedingungen, die nicht allein in der Hand des Präsidenten liegen.
Video | Maduros bizarrer Auftritt in New York
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Zunächst einmal müssten die US-amerikanischen Ölunternehmen überhaupt ein Interesse daran haben, Milliarden in die venezolanische Ölindustrie zu stecken. Venezuela verfügt zwar über riesige Ölvorkommen, Schätzungen zufolge mit über 300 Milliarden Barrel sogar die größten Reserven weltweit. Doch das Öl ist zum einen sehr schwer und daher teuer zu raffinieren. Vor allem jedoch ist die venezolanische Ölinfrastruktur in einem solch desolaten Zustand, dass es enorme Investitionen bräuchte, um die Produktion signifikant zu erhöhen, so wie sich Trump das vorstellt.
Analysten der Denkfabrik Energy Aspects sagten etwa zum US-Medium „New York Times“, dass es rund zehn Milliarden Dollar kosten würde, um die Produktion in Venezuela um 500.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Aktuell werden um die eine Million Barrel pro Tag produziert, das wäre also eine Erhöhung der Kapazitäten um gut 50 Prozent.
Ähnlich äußern sich Analysten gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“. Neben den enormen Geldmengen, die die Ölmultis investieren müssten, müssten sie viel Zeit mitbringen. „Wenn Trump und andere einen friedlichen Übergang mit wenig Widerstand
schaffen, dann gibt es in fünf bis sieben Jahren einen deutlichen Anstieg der Ölförderung“, sagte der Energie-Stratege Thomas O’Donnell. Ein gescheiterter Übergang könne jedoch zu jahrelangem Widerstand führen.
Unter den US-Konzernen wäre Chevron in der besten Ausgangslage, um von einer Öffnung zu profitieren, da das Unternehmen als einziger US-Ölmulti noch im Land aktiv ist. Ein starkes Interesse an einer Rückkehr dürfte jedoch vor allem ConocoPhillips haben. Der Konzern habe nach einer Verstaatlichung vor fast zwei Jahrzehnten noch Ansprüche von mehr als zehn Milliarden Dollar, sagte Francisco Monaldi vom Baker Institute der Rice University.
Die Geschichte zeige jedoch, dass ein solches Engagement nicht zwangsläufig US-Firmen zugutekäme, warnte der Energieexperte Ed Hirs von der University of Houston. „Die USA haben bei den Regimewechseln im Irak und in Libyen keinerlei Nutzen aus dem Öl gezogen. Ich fürchte, die Geschichte wird sich in Venezuela wiederholen.“
