Ausnahmezustand im Südwesten Berlins: Zehntausende Menschen kämpfen seit Samstag nach einem Brandanschlag auf die Stromversorgung mit Dunkelheit, Kälte. Erschwerend kommt hinzu, dass das Handynetz ausgefallen ist. Von dem Stromausfall waren zunächst 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Unternehmen betroffen. Mittlerweile ist die Versorgung für etwa 14.000 Haushalte und knapp 500 Gewerbekunden wieder hergestellt, so der Betreiber Stromnetz Berlin.
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Doch viele Menschen in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde müssen sich wohl noch bis kommenden Donnerstag gedulden, bis die Versorgung wieder komplett hergestellt ist. Einige harren in ihren kalten Wohnungen aus oder kommen bei Verwandten sowie Freunden unter. Zudem gibt es im betroffenen Gebiet auch Notunterkünfte.
Unterdessen legt ein Bekennerschreiben nahe, wer für den Brand einer Kabelbrücke über dem Teltow-Kanal verantwortlich sein könnte. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.
Wir halten Sie über die aktuellen Entwicklungen im News-Blog auf dem Laufenden.
Wichtige Updates
Bundeswehr soll verstärkt bei Logistik, Betrieb und mit Notstrom unterstützen
Generalstaatsanwaltschaft ermittelt nach Kabel-Brandanschlag
„Fast die ganze Nacht gearbeitet“: Physiopraxis versorgt Patienten dank Notstromaggregat
Stromausfall: „Bio Company“ stellt Ladeplätze und warmen Tee bereit
So laufen die Arbeiten am StromnetzIn einer Seitenstraße der Argentinischen Allee unweit des U-Bahnhofs Oskar-Helene-Heim wuseln Männer in neonfarbenen Jacken über den dreckigen Asphalt und heben Holzbretter in eine Grube. Hier sollen zwei Stromleitungen miteinander verbunden werden, die bisher nichts miteinander zu tun hatten, wie Henrik Beuster, der Sprecher von Stromnetz Berlin, erklärt.
Parallel dazu laufen Arbeiten am Tatort. Über mindestens eine dieser beiden provisorischen Lösungen sollen die verbliebenen 30.000 Haushalte ohne Strom wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. Bis Donnerstagnachmittag, wie der Sprecher erklärt.
Mit Blick auf den Brandanschlag sagte Beuster: „Es wird keine 100-prozentige Sicherheit geben“. 99 Prozent der Stromleitungen Berlins verliefen unterirdisch. „Das Berliner Stromnetz ist eines der sichersten in ganz Deutschland.“ Bis in die 30er-Jahre sollen auch die übrigen Kabel unter die Erde verlegt werden.
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Anschlag in Berlin – mutmaßliche Täter: „Können nicht ausschließen, dass es mehrere Gruppen sind“
Die linksradikale „Vulkangruppe“ verbreitete zeitnah ein Bekennerschreiben nach dem Anschlag. Innensenatorin Iris Spranger hielt sich bedeckt zum bisherigen Ermittlungsstand, sagte jedoch: „Wir können nicht ausschließen, dass es mehrere Gruppen sind.“ Das LKA und BKA stehen in engem Austausch, auch der Verfassungsschutz ist involviert. Dazu sagte Spranger: „Auch der Verfassungsschutz geht von Terrorismus aus.“
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Bundeswehr kommt bei Bewältigung der Krise jetzt wichtige Aufgabe zuViele Netzbetreiber haben sich von allein bei der Stromnetz GmbH gemeldet und Hilfe angeboten. Derzeit stehen Aussagen von Bernhard Büllmann zufolge, Geschäftsführer der Stromnetz GmbH, 15 Notstromaggregate zur Verfügung, 15 zusätzliche sollen von der Bundeswehr zur Verfügung gestellt werden.
Relativ schnell sei Innensenatorin Iris Spranger nach eigenen Angaben das Ausmaß des Blackouts bewusst gewesen. „Wir standen von Anfang an mit dem Bundesverteidigungsministerium in Kontakt“, so Spranger. Die Bundeswehr sei demnach auch im Krisenstab mit Verbindungsoffizieren vertreten. Spranger drängte nach eigenen Angaben auf ein Amtshilfeersuchen und damit auf die Hilfe der Bundeswehr.
„Die Prozesse, um uns zu helfen, gingen Samstag bereits los“, so Kai Wegner. So hätte er frühzeitig mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius telefoniert, der schnell seine Hilfe zusicherte.
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Bezirksbürgermeisterin Schellenberg zeigt sich selbstkritischBezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg gibt zu, dass die Vermittlung von Nachrichten zur Krise über bezirkseigene Kanäle, vor allem auf der eigenen Webseite, ausbaufähig war. „Ja, es hätte früher passieren können, wir hätten noch früher Infos geben müssen.“
Zudem informierte Schellenberg, dass bisher wenige Menschen die fünf Notunterkünfte zum Übernachten genutzt hätten. Schätzungsweise schliefen in der Nacht zu Montag rund 50 Personen in den Hilfsunterkünften. „Viele kommen aber vor allem, um Geräte aufzuladen, etwas Warmes zu trinken und Gespräche zu führen“, so Schellenberg.
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Stromnetzbetreiber zu Transparenz verpflichtet – gesetzliche Neuerung erforderlich?
In der anschließenden Fragerunde wurde Innensenatorin Spranger mit der Frage konfrontiert, ob man auf dem linken Auge blind gewesen sei und warum die Täter so einfach diesen Anschlag verüben konnten. Spranger antwortete darauf: „Ich bin auf dem linken Auge überhaupt nicht blind.“ Sie selbst sei gegen die Transparenz, die aktuelle Gesetze vorgeben. Diese verpflichten Strom- und Gasnetzbetreiber rechtlich, ihre Infrastruktur in der Öffentlichkeit für jedermann darzulegen. Spranger kündigte dazu Gespräche mit Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) an. Kai Wegner bestärkte Spranger in ihren Aussagen und sagte ebenfalls: „Hier muss man von Terrorismus reden.“
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Zwei Angriffe auf Geldautomaten
Die Polizei ist mit 300 zusätzlichen Kräften auch am Montag im Einsatz, wie Polizei-Vizepräsident Marco Langner sagte. Beamte hätten zudem mehrere mutmaßliche Einbrüche verhindert. So wurden unter anderem zwei Geldautomaten angegriffen. Zudem stoppte die Polizei zwei Autofahrer, die Einbruchswerkzeug und spezielle Hydraulikspreizgeräte dabei hatten. Ein Auto war zudem mit falschen Kennzeichen unterwegs.
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Polizei vernimmt erste Zeugen
Marco Langner, Polizei-Vizepräsident, sagte in der Pressekonferenz, dass die Polizei erste Zeugen nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung vernimmt. Am Sonntag hatte sich die Polizei mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit gewandt. Zudem wurden Plakate mit dem Zeugenaufruf an Masten angebracht.
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Strom soll bis Donnerstagnachmittag wieder überall da seinBis zum Donnerstagnachmittag sollen alle Haushalte im Berliner Südwesten wieder ans Stromnetz angeschlossen werden. Das sei zwar ambitioniert, aber machbar, so Bernhard Büllmann, Geschäftsführer der Stromnetz GmbH.
Auf Mittelspannungsebene konnte die Stromversorgung in Lichterfelde schnell wieder hergestellt werden. Problematisch sei die Versorgung mit Hochspannung, da die Reparatur aufwendig sei. Aktuell gehe man zwei Wege, so Büllmann. So wird die Stromversorgung über die Kabelbrücke am Teltowkanal wieder in Gang gesetzt und das Umspannungswerk an der Argentinischen Allee wird mit einem anderen Umspannwerk verbunden, um das gesamte Gebiet wieder mit Strom versorgen zu können.
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Zusätzliche Notunterkünfte in Brandenburg eingerichtet
Maren Schellenberg, Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, informiert über Notunterkünfte. So wurden in der Drei-Linden-Schule in Wannsee sowie in Teltow und Kleinmachnow Notunterkünfte mit Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet. Schellenberg bedankte sich insbesondere bei den Städten in Brandenburg für die Unterstützung. Die Hilfe werde von Berlinern gut angenommen.
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Alle älteren Menschen in Sicherheit? Lage in Pflege-WGs noch unklarIm Südwesten gibt es aktuell noch wenige Pflege-WGs, bei denen unklar ist, ob dort ältere Menschen noch Hilfe bei der Suche nach alternativen Unterkünften benötigen. „Ganz große Evakuierungen waren zum Glück nicht notwendig“, so Gesundheitssenatorin Ina Czyborra.
Zudem brachte Czyborra ein Notfallregister ins Gespräch. „Wir brauchen das, damit wir schnell wissen, wer Hilfe braucht, vor allem in der Beatmungspflege.“ Sie will Gespräche mit dem Bund führen.
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Heizkraftwerk Wannsee vom Anschlag betroffen
Anders als im Bekennerschreiben zum Anschlag im Berliner Südwesten angegeben, war das Heizkraftwerk in Lichterfelde nicht vom Anschlag betroffen. Dafür hätte es das Heizkraftwerk in Wannsee getroffen, informierte Giffey. In diesen Minuten sei man dabei, das Heizkraftwerk mit Notstrom zu versorgen.
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S1 und S7: Vier Notstromaggregate am S-Bahnhof Wannsee installiertDie entscheidende Frage derzeit ist: Wo werden Notstromaggregate möglichst effektiv eingesetzt? Denn: Die Anzahl ist begrenzt. Dazu sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey: „Wir müssen die Notstromaggregate so einsetzen, dass vor allem vulnerable Einrichtungen ans Netz kommen.“ Die Notstromversorgung in allen Krankenhäusern im Krisengebiet sei gesichert. Vor allem die große Masse an Diesel, die benötigt wird, um die Aggregate zu betreiben, muss erst einmal transportiert werden. Darum kümmere sich, so Giffey, explizit die Bundeswehr.
Vier Notstromaggregate wurden am S-Bahnhof Wannsee installiert, damit die Linien S1 und S7 wieder regulär fahren können.
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Supermärkte gehen heute und Dienstag wieder ans Netz
Eine wichtige Frage für viele Bürger ist derzeit, wie es um die Stromversorgung in den Supermärkten bestellt ist. Auch dazu gab es Antworten. Demnach gehen die Märkte von Edeka und Kaufland wieder ans Netz, Rewe und Aldi benötigen hingegen zusätzliche Notstromaggregate. Die letzten beiden Lidl-Filialen sind nach Angaben von Wirtschaftssenatorin Giffey ab Dienstag wieder geöffnet.
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Innensenatorin Spranger spricht von „Linksterrorismus“
Innensenatorin Iris Spranger wird in der Pressekonferenz deutlich: „Es kann nicht lediglich von Linksextremismus die Rede sein, sondern es muss von Linksterrorismus gesprochen werden.“ Täter nehmen demnach bewusst in Kauf, dass Menschen in „Leib und Leben zu Schaden kommen“, so Spranger.
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