
Stand: 05.01.2026 14:35 Uhr
Nach dem gewaltsamen Tod einer Frau in Hemmingen (Region Hannover) hat heute der Prozess gegen ihren ehemaligen Nachbarn begonnen. Der 31-Jährige äußerte sich nun erstmals zum möglichen Motiv.
Der 31-Jährige berichtete vor dem Landgericht Hannover am Montag unter anderem von seinem Jobverlust, Schlafmangel und Depressionen. Seit seinem Einzug in dem Haus habe er unter Lärm und Zigarettenrauch des Vermieters der Frau – sie war Untermieterin – gelitten, heißt es in der Erklärung des Angeklagten. „Ich habe die Kontrolle über mich selbst verloren“, sagte er außerdem. Der Angeklagte war bereits kurz nach der Tat festgenommen worden und hatte den Angriff auf die 26-Jährige gestanden.

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Nachbarn fanden die schwerverletzte Frau im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses. Sie starb nach dem Eintreffen der Rettungskräfte.
Mord aus Heimtücke?
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 31-Jährigen Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen vor. Er soll sich am 4. Juli 2025 gewaltsam Zutritt zur Wohnung der Frau im Stadtteil Arnum verschafft und gezielt mit einem Messer mehrmals zugestochen haben. Die Frau erlitt mehrere Messerstiche am Oberkörper, konnte sich aber noch aus eigener Kraft ins Treppenhaus schleppen. Nachbarn fanden sie dort. Ein alarmierter Notarzt konnte die 26-Jährige jedoch nicht mehr retten, sie starb wenig später noch im Treppenhaus an inneren Blutungen. Die 26-Jährige habe mit dem Angriff nicht gerechnet, sagte die Staatsanwältin am ersten Prozesstag. Ohne erkennbaren Grund soll der Angeklagte mit einem Jagdmesser zugestochen haben.
Familie vermutet rassistischen Hintergrund
Die Familie des Opfers hatte nach der Tat gegenüber Medien die Vermutung geäußert, dass es sich um einen rassistischen Hintergrund handeln könnte. Angehörige hatten berichtet, die 26-Jährige sei wegen ihrer arabischen Herkunft und auch wegen ihres Kopftuchs mehrfach von dem Angeklagten belästigt und beleidigt worden. Die Staatsanwaltschaft schließe rassistische Motive bisher aus, sagte ein Sprecher des Landgerichts am Montag. Dazu gebe es unter anderem im Lebenslauf des 31-jährigen Angeklagten keine Hinweise. Stattdessen gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass das Motiv im Kern auf Nachbarschaftsstreitigkeiten beruhe. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten dem Sprecher zufolge eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Nach dem gewaltsamen Tod der Frau ist das Motiv noch immer unklar. Der Verdächtige schweigt, im Internet kursieren Gerüchte.

Die 26-Jährige wurde am Freitag in einem Mehrfamilienhaus getötete. Die Polizei geht davon aus, dass ihr Nachbar sie umgebracht hat.
Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.01.2026 | 12:00 Uhr