Zugefrorene Seen scheinen dieser Tage auch in Stuttgart einige Menschen wie magisch anzuziehen: Einmal wie Jesus nach biblischer Erzählung übers Wasser laufen – wenn auch über das gefrorene – ist bei den derzeit herrschenden und auch in den kommenden Tagen angekündigten frostigen Temperaturen theoretisch ja möglich. Und manch einer wagt sich gar mit Kufen aufs Eis – und nutzt die Wetterbedingungen für kostenloses Schlittschuhlaufen. Doch da machen sie die Rechnung ohne aufmerksame Stuttgarter Bürger. Letztere wissen selbstverständlich vom Verbot, das die Stadt per Polizeiverordnung verhängt hat: Keiner darf aufs Eis.

Dort lauert Lebensgefahr – und es erfolge auch „keine Kontrolle der Stärke und Tragfähigkeit der Eisflächen“, heißt es von der Stadt. In Stuttgart gäbe es „nicht dauerhaft genug Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes“, erklärt eine Sprecherin. Und selbst bei mehreren Tagen mit Minusgraden verhinderten Strömungen oder Äste eine wirklich tragende Eisdecke. Deshalb wenden sich Anwohner auch an die Polizei, um die Beamten auf die verbotenen Handlungen vor ihrer Haustür hinzuweisen.

Polizei fordert am Wochenende mehrere Personen auf, die Eisfläche zu verlassen

„Wir hatten in den vergangenen Tagen vereinzelt Fälle, bei denen Polizeibeamte Personen auf zugefrorenen Seen entdeckt haben“, berichtet ein Sprecher der Polizei Stuttgart. Vor Ort machen Streifenpolizisten dann mit Lautsprechern auf das von der Stadt verhängte Verbot aufmerksam. „Wir weisen diese Personen nicht nur auf das Verbot des Betretens hin, sondern fordern sie auch auf, die Eisfläche sofort zu verlassen und warten, bis sie das auch getan haben.“

So geschehen etwa am Pfaffensee im Stuttgarter Westen, wo sich am vergangenen Samstag etwa 20 bis 30 Personen auf der Eisfläche getummelt haben und einige auch ihre Bahnen mit Schlittschuhen zogen. Oder die Kinder auf dem zugefrorenen Riedsee in Stuttgart-Möhringen am Silvestertag, die nach Aufforderung der Streife die Eisfläche wieder verließen.

Wie reagieren, wenn jemand auf dem Eis einbricht?

Bisher sind der Polizei noch keine Meldungen über eingebrochene Personen bekannt. Die Feuerwehr Stuttgart appelliert aber an alle, die sich aufs Eis wagen wollen, dies unbedingt zu unterlassen, betont ein Sprecher. „Zugefrorene Gewässer zu Betreten ist lebensgefährlich“, machen die Feuerwehr Stuttgart, die Stadt Stuttgart sowie die DLRG Stuttgart auch auf Instagram deutlich.

Blick auf den zugefrorenen Max-Eyth-See. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

Sollte aber doch jemand auf dem Eis einbrechen, gibt es einige Hinweise, die man beachten sollte:

  • Sofort die 112 wählen
  • Der betroffenen Person einen Rettungsring, einen Ast oder ein Seil zuwerfen
  • Die eingebrochene Person sollte die Arme schnell ausbreiten, um ein Untertauchen unter das Eis zu verhindern
  • Das Eis in Richtung Ufer so lange abbrechen, bis es wieder dicker wird
  • Versuchen, sich auf die Eisoberfläche zu rollen und kriechend zurück an Land zu gelangen

„Niemals aber selbst auf das Eis gehen, um der Person zu helfen, sondern auf die Rettungskräfte warten und Hilfsmittel zuwerfen“, mahnt der Feuerwehr-Sprecher. Wer sich ganz legal und sicher auf Eis bewegen möchte, dem stehe auf der Waldau die Eissporthalle „Eiswelt Stuttgart“ zur Verfügung, empfiehlt die Stadt.