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Gaby Dohm kehrt ins ZDF zurück: Im Taunuskrimi „In ewiger Freundschaft“ verkörpert die 82-Jährige Margarethe Winterscheid. Wir haben mit der „Schwarzwaldklinik“-Legende gesprochen.
München – Gaby Dohm ist wieder im ZDF zu sehen: Im neuen Taunuskrimi „In ewiger Freundschaft“ (5./6. Januar, jeweils um 20:15 Uhr) spielt die 82-Jährige Margarethe Winterscheid, die Frau eines ehemaligen Verlagsleiters. Anlass für uns, mit der Schauspiel-Legende über ihre legendäre Rolle in der „Schwarzwaldklinik“, ihre Zusammenarbeit mit Produzent Wolfgang Rademann und darüber zu sprechen, warum sie nicht immer kranke Frauen spielen will. Im Interview verrät Gaby Dohm auch, wie sie damals zum Casting kam – und warum sie den Mega-Erfolg der Serie mit 28 Millionen Zuschauern zunächst gar nicht realisierte.
Gaby Dohm als Margarethe Winterscheid in einer Spielszene von „In ewiger Freundschaft – Ein Taunuskrimi“. © ZDF/Andrej Vasilenko
Liebe Frau Dohm, Sie spielen „In ewiger Freundschaft“ die Margarethe Winterscheid. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?
Es war eigentlich mehr das Ganze, was mich gereizt hat. Erstens finde ich Verlagsgeschichten generell spannend. Und ich fand es interessant, mit Manfred Zapatka zusammen zu spielen. Ich habe überhaupt in letzter Zeit mehr Lust zu spielen. Gestern habe ich noch Matthias Schweighöfer in einer Minirolle in „Amrum“ gesehen und dachte mir: „Es macht eben doch was aus, wenn diese kleinen Rollen, die aber wichtig sind, mit guten Schauspielern besetzt werden.“ Ein solcher Auftritt bleibt einfach hängen. Mir persönlich macht das auch Spaß, weil man kurzfristig arbeitet und nicht lang gebunden ist – nach all diesen Serien, wo man lang gebunden irgendwo bleiben und ausharren muss. Und diese Krimiserie ist doch ein sehr gutes Format mit tollen Einschaltquoten. Außerdem fand ich reizvoll, dass wir auch in Vilnius gedreht haben. Denn dieses Verlagshaus als Drehort haben sie dort gefunden. Da wollte ich schon immer mal hin. Ich bin dann auch von dort, wie ich das oft mache, wenn ich im Ausland drehe, noch nach Riga weitergefahren, wo ich auch immer schon mal sein wollte. Das war also noch ein schöner Zusatz.
Die „Taunuskrimi“-Reihe nach Nele Neuhaus ist ja sehr erfolgreich und hat auch eine treue Fangemeinde. Sind Sie selbst auch Fan von Nele Neuhaus?
Ich lese eigentlich selten Krimis. Da wird sie jetzt vielleicht entsetzt sein. Wenn, dann habe ich eben früher Patricia Highsmith und solche Sachen gelesen. Ich finde, es ist erstaunlich, dass Frauen als Autorinnen so einen besonderen Zugang zu Krimis haben. Mir ist der Mord nicht so wichtig als vielmehr die Schilderung der Personen, wie sie sich verhalten, die ganze Psychologie, die dahintersteckt. Das war bei Patricia Highsmith immer besonders.
„Ich bin da eher so reingerutscht“: Gaby Dohm wollte von zu Hause weg und kam zur Schauspielerei
Sie stammen ja aus einer Schauspielerfamilie und trotzdem wollten Sie ursprünglich Kinderbuch-Illustratorin werden. Was hat Sie dann doch zur Schauspielerei gebracht?
Ich war jung und wollte so schnell wie möglich von zu Hause weg. Und eigentlich kann ich bis heute nicht sagen, was mich dazu bewogen hat, bei meiner späteren Schauspiellehrerin Else Bongers vorzusprechen. Wahrscheinlich habe gedacht: Als Zeichnerin kann ich ja auch Kostüme und Bühnen machen. Dann habe ich mir gesagt: Wenn man Schauspielerin wird, wird man wahrscheinlich auch ein Gefühl dafür bekommen, welche Kostüme man tragen will, wie man sich darin bewegt und dergleichen. Dann habe ich das gemacht, aber ohne den Antrieb, dass ich auch auf der Bühne stehen werde. Ich bin da eher so reingerutscht. Also ganz merkwürdig. Ich weiß nicht, aber wenn es so etwas gibt, dann hat mir mein Vater aus dem Himmel irgendwelche Zeichen geschickt oder mich dahin beordert. Es war jedenfalls überraschend, auch für meine Mutter, weil ich ja sehr still war. Ich war nicht gerade ein junges Mädchen, das unternehmungslustig war. Ich war sehr zurückgezogen mit meinem Zeichnen, also der Malerei.
Ihr Vater starb ja, als Sie erst fünf Jahre alt waren …
Ich habe ihn gar nicht erlebt, weil als ich geboren wurde, dann hat man uns – meinen Bruder und ich – erst mal zum Attersee gebracht und später kamen wir nach München. Dann kamen die Amerikaner, haben uns aus den Wohnungen geschmissen. Ich war mit meinem Bruder sehr oft bei Erzieherinnen. Irgendwie hat man versucht, die Kinder irgendwohin zu bringen, wo es ruhig ist, irgendwann kamen wir nach Rückersdorf bei Nürnberg. Mit sieben Jahren bin ich dann nach Berlin gekommen und habe meinen Stiefvater kennengelernt. Aber ich habe meinen Vater eigentlich erst erlebt oder gesehen, als ich neun war: Da wurde im Kino am Steinplatz in Berlin ein Film – nämlich „Das Bad auf der Tenne“ – mit meinen Eltern gezeigt. Und da habe ich meinen Vater mal als Schauspieler gesehen, eigentlich das erste Mal. Sonst hat natürlich meine Mutter viel erzählt. Mein Bruder musste jedenfalls allein von Nürnberg bis nach München zur Beerdigung fahren. Aber ich habe das nicht mitbekommen, man hat mich da verschont. Ob das richtig war, weiß ich nicht.
„Das war eigentlich das Schönste“: Gaby Dohm erinnert sich an ihre Zeit am Residenztheater München
Sie haben von 1966 bis Mitte der 1980er-Jahre am Residenztheater in München gespielt. Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Ich verbinde mit München natürlich besonders meine Ferien, weil meine Großmutter dieses Schreibwarengeschäft „Finkenzeller am Dom“ hatte, was ja sehr groß war. Und Rudolf Noelte, der Regisseur, fragte immer: „Sitzt Ihre Großmutter immer noch an der Kasse?“ Die fand er so beeindruckend, was sie ja auch war. Früher saßen noch richtige Damen an der Kasse. Sie hatte immer kleine Schmuckstücke und Kostüme an und sich mit Kunden unterhalten. Deswegen waren wir in München in den Ferien und es war auch mein Traum, da irgendwann mal zu landen. Ich war aber selbst völlig erstaunt, dass ich schon so früh dieses Engagement hatte. Die großen Rollen waren ja alle hier: „Woyzeck“ oder „Gretchen“ oder „Was ihr wollt“. Tolle Regisseure, ein festes Ensemble. Das war eigentlich für mich das Schönste. Wir waren ein festes Ensemble, das stark miteinander verbunden war. Es war eine große Familie sozusagen.
1985 kam dann „Die Schwarzwaldklinik“ – mit 28 Millionen Zuschauern in der Spitze. Wenn Sie heute alte Folgen sehen, schalten Sie weg, bleiben Sie dran? Was geht in Ihnen vor?
Ich schalte zumindest nicht extra ein. Also dass jetzt zum Beispiel alle Folgen in der Mediathek zum 40. Jubiläum stehen, habe ich gar nicht gewusst. Wenn ich Fernsehen einschalte und bin gerade zu sehen, dann bleibe ich dran, ja. Aber ich würde mir nicht wieder alle Folgen anschauen. Das ist einfach zu lange her. Ich denke dann eher: „War gut gemacht.“ Waren ja auch tolle Schauspieler in Gastrollen dabei. Leider Gottes zum Teil schon tot. Trotzdem bleibe ich dann dran, weil ich die noch mal sehen möchte – mehr die Kollegen als mich selbst.
„Mit der möchte ich spielen“: Wie Klausjürgen Wussow Gaby Dohm für die „Schwarzwaldklinik“ auswählte
Erinnern Sie sich noch an Ihr Casting für die Serie?
Oh ja, das war im „Bayerischen Hof“. Da saß Wolfgang Rademann. Und ich sollte „Guten Tag“ sagen. Da bin ich hin und das Erste, was er gesagt hat, war: „Mensch, Sie schauen ja jut aus!“ Das habe ich nicht vergessen. Rademann sprach ja Berlinisch und war ganz erstaunt. Er war erstaunt, dass ich gut aussehe. Ich weiß nicht, was er sich vorgestellt hat. Letztlich war es aber Klausjürgen Wussow, der dann gesagt hat: „Mit der möchte ich spielen.“ Ich hatte ein ganz einfaches Schwarz-Weiß-Foto geschickt im Vorfeld. Das war wirklich sehr schlicht, mit einfachem weißem Kleidchen und einem längeren Pferdeschwanz, wie man halt auf der Bühne ausschaut. Also einfach und ungeschminkt. Das war damals mein Bewerbungsfoto.
Sie haben zusammen mit Klausjürgen Wussow gedreht und auch schon im Residenztheater gemeinsam gespielt. Was machte ihn als Schauspieler und Menschen aus?
Er war einfach ein guter Schauspieler. Das war das Tollste. Wenn man irgendwohin kommt und hat einen Partner, der lange auf der Bühne gestanden hat – und man selbst auch, ist gleich eine Verbindung da. Dann hat man voneinander gelernt, Texte abzunehmen, zuzuhören, sich was einfallen zu lassen. Das kommt einem sehr entgegen und ist einfach nur angenehm. Ich glaube, dass wir beide sehr froh waren, mal vom Theater wegzukommen und in Freiheit zu sein. Da war ich ja schon 42 oder 43, aber es war das erste Mal, dass ich nicht immer im Theater war. Ich war seit meinem 19. oder 20. Lebensjahr immer im Theater. Wir hatten vier Wochen Ferien, aber sonst waren wir morgens und abends und nachts im Theater. Und dass man plötzlich außerhalb des Theaters in einer schönen Landschaft dreht, das war für mich völlig neu. Das waren aber nur zwei Monate im Schwarzwald. Und die restlichen zwei Monate im Winter wurde in Hamburg im Atelier gedreht. Alles, was innen war, war ja Atelier und wurde nicht im Originalhaus gedreht. Da wären wir mit der Kamera gar nicht durchgekommen. Das war natürlich Luxus. „Die Schwarzwaldklinik“ war ja auch nur für ein Jahr konzipiert. Und dann lag es ein ganzes Jahr, weil erst die nächsten Bücher geschrieben werden mussten. Ich war ganz erstaunt. Heute wäre das völlig undenkbar.
„So einen Produzenten findet man nicht mehr“: Gaby Dohm erinnert sich an Wolfgang Rademann
Sie waren auch auf dem „Traumschiff“ mehrmals in Gastrollen zu sehen, Sie kamen offensichtlich gut mit Wolfgang Rademann zurecht.
Ja, den habe ich geliebt. Den hat jeder geliebt. So einen Produzenten findet man nicht mehr. Der hat sich um seine Schauspieler gekümmert. Der wollte uns die Welt zeigen. Der war stolz, wenn wir etwas Schönes gemacht haben. Als „Die Schwarzwaldklinik“ beendet war, hat er zehn Fernseher aufgebaut und uns alle zusammengesucht und eine zusammengeschnittene Geschichte vorgespielt, voller Stolz. Und er sagte: „Das wird ein Riesenerfolg.“ Wir haben das gar nicht kapiert. Ich habe es überhaupt nicht kapiert. Ich habe es auch gar nicht so ernst genommen, weil ich vorher so viele andere Sachen gespielt habe, dass ich dachte: „Ja, schön, toll, freut mich, und dann kommt was anderes.“ Ich habe nicht gedacht, dass das so ein großer Erfolg wird. Oder dass danach, nach zwölf Folgen, nach einem Jahr Pause noch mal weitergedreht wird. Dass da überhaupt noch jemand weiterschaut, wenn eine Serie ein Jahr lang liegen bleibt und nichts passiert.
Sie haben ja auch Florian Silbereisen als Kapitän erlebt bei Ihrem bisher letzten „Traumschiff“. Was halten Sie von ihm?
Ich kann dazu nichts sagen. Ich habe mit ihm persönlich nichts zu tun gehabt, weil wir ja immer die Spielpartner der einzelnen Episoden haben. Also ich hatte mit ihm nie eine gemeinsame Szene, deswegen kann ich das nicht beurteilen. Vom Zuschauen würde ich sagen: Seine Fans freuen sich, ihn zu sehen – und natürlich müssen junge Idole für die jüngeren Zuschauer engagiert werden.
Sie sind jetzt 82 Jahre und damit eigentlich im besten Rentenalter. Sie stehen aber immer noch gern vor der Kamera. Können Sie sich einen Ruhestand überhaupt vorstellen?
Ich finde, dass ich bereits einen Ruhestand habe. Diese paar kleinen Rollen, die mache ich aus reinem Vergnügen. Ein Schauspieler ist eigentlich nie in Rente, weil wir ja Freischaffende sind und uns immer noch überlegen können, ob wir auch noch mit 100 dastehen wollen. Ich möchte das zwar nicht, aber es gibt Kollegen, die wollen das. Ich will es nicht.
Aber beziehen Sie eigentlich schon eine Rente?
Ja, natürlich, wie jeder Mensch. Also ich habe natürlich auch eingezahlt in die Theaterrente. Ich bin halt in der Theaterrente geblieben. Da zahlt man ja auch ganz normal Rentenbeiträge.
Und Sie haben aber zusätzlich noch die Engagements, also unabhängig von der Rente …
Ja, aber ich habe nicht viele Engagements. Ich will ja auch gar nicht mehr viele Engagements. Ich habe bis zum 80. Lebensjahr gut gearbeitet und jetzt mache ich hin und wieder was, wenn es mir Spaß macht.
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Schauspielerinnen klagen ja oft darüber, dass es ab 50 schwerer wird, Rollen zu bekommen. Würden Sie das unterschreiben?
Nein, da hatte ich Glück. Ich habe eigentlich immer meine interessantesten Rollen bekommen. Und ich werde auch oft für ganz interessante Sachen gefragt, nur dass ich im Alter nicht immer kranke Frauen spielen will. Das Frauenbild für ältere Frauen ist ja trostlos. Die sind ja in den Filmen entweder im Rollstuhl oder an der Krücke. Darauf habe ich keine Lust. Es muss schon irgendwie originell sein.
Letzte Frage: Was würden Sie jungen Schauspielerinnen mit auf den Weg geben, die eine ähnliche Karriere – also so lang und so erfolgreich wie Ihre – anstreben?
Da kann ich gar nichts sagen, weil das ein Zufallsberuf ist. Da können Sie gar nichts dafür, wenn Sie nicht der Typ der Zeit sind, wenn Sie nicht die richtigen Leute kennenlernen. Aber auf jeden Fall sollte man eine gute Ausbildung machen in einer guten Schule. Und wenn es geht, eine Weile Theater spielen, weil nur da kann man sich ausprobieren.
Verwendete Quellen: Ippen.Media-Interview mit Gaby Dohm, zdf.de