Bunte, schneebedeckte Häuser in Nuuk (Grönland) sind vom Meer aus zu sehen.

Stand: 05.01.2026 15:45 Uhr

Nach dem Militäreinsatz in Venezuela steigt die Sorge, dass die USA auch in Grönland ernst machen könnten. Kein Wunder, denn US-Präsident Trump hat den Anspruch der USA auf die Insel erneut betont.


Jana Sinram

Schon am Sonntag hatte US-Präsident Donald Trump in einem Interview mit der US-Zeitschrift „The Atlantic“ unverhohlen gedroht: Venezuela sei möglicherweise nicht das letzte Land, in dem die Vereinigten Staaten intervenierten.

An Bord der Präsidentenmaschine „Air Force One“ legte Donald Trump noch einmal nach – auch wenn er zunächst behauptete, er wolle das Thema Grönland nicht kommentieren. Er werde nur so viel sagen, so Trump weiter: „Wir brauchen Grönland. Das ist strategisch wichtig.“ Gerade seien in Grönland überall russische und chinesische Schiffe, daher bräuchten die USA Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit.

Dänemark könne diese Aufgabe nicht bewältigen, höhnte der US-Präsident. Das Land habe lediglich einen zusätzlichen Hundeschlitten auf der Insel stationiert, um die Sicherheit zu erhöhen. Damit spielte Trump mutmaßlich auf die Sirius-Hundeschlittenpatrouille an, die das dänische Militär im Nordosten der Insel stationiert hatte.

Grönland: Trump-Äußerungen inakzeptabel

Die Regierung in Nuuk reagierte deutlich auf die neuen Drohungen: Sein Land in einem Atemzug mit der US-Militärintervention in Venezuela zu nennen, sei völlig inakzeptabel, erklärte der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen auf Instagram. Grönland sei Teil der NATO und sich seiner strategischen Bedeutung sehr bewusst.

Man sei offen für einen Dialog – der müsse aber über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen. Zuvor hatte Nielsen die Bevölkerung Grönlands vor Panik gewarnt. Denn die Entführung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro hatte bei vielen große Sorgen ausgelöst.

Kurz vor den neuen Äußerungen des US-Präsidenten hatte die Frau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller bei X eine Grönland-Karte in den Farben der US-Flagge geteilt, versehen mit dem Kommentar „SOON“ – „bald“. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen rief die USA in einer schriftlichen Stellungnahme nachdrücklich dazu auf, die Drohungen zu unterlassen. Die Vereinigten Staaten hätten kein Recht, einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren.

Unterstützung aus Deutschland und Skandinavien

Die Bundesregierung stellte sich hinter Kopenhagen. Bundesaußenminister Johann Wadephul sagte bei einem Besuch im litauischen Vilnius, Grönland sei Teil des dänischen Königreiches. „Und da Dänemark der NATO angehört, wird auch Grönland prinzipiell von der NATO zu verteidigen sein.“ Wenn es weitere Erfordernisse gebe, die Verteidigungsanstrengungen bezüglich Grönlands zu verstärken, dann werde die Allianz dies besprechen.

Ähnlich äußerten sich die Regierungs- und Staatschefs von Schweden, Norwegen und Finnland. Niemand entscheide für Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark selbst, so der finnische Präsident Alexander Stubb.