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Hat die Venezuela-Krise auch Einfluss auf den Ukraine-Krieg? Sollte Venezuela wieder mehr Öl exportieren, könnte das indirekt Folgen für Russland haben.

Caracas/Moskau – Die Zukunft Venezuelas ist ungewiss. Wer das Land künftig regieren wird, ist unklar. Dabei könnte die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro auch indirekt Folgen für Russlands Wirtschaft haben – und daher für den Ukraine-Krieg. US-Präsident Donald Trump will nämlich an die Ölreserven des lateinamerikanischen Landes.

Spürt nach Raketenangriffen die Auswirkungen auf seine Wirtschaft: Russlands Präsident Wladimir Putin.Spürt nach Raketenangriffen die Auswirkungen auf seine Wirtschaft: Russlands Präsident Wladimir Putin. © Mikhail Metzel/dpa

Und Öl hat Venezuela so viel wie kein anderes Land. Unter der Erde sollen sich laut einer Analyse des britischen Mineralölunternehmens BP von 2014 rund 300 Milliarden Barrel Öl befinden – knapp 18 Prozent des weltweiten Ölvorkommens. Ein Großteil davon ist bisher jedoch unangetastet. 2025 exportierte Venezuela lediglich Rohöl im Wert von knapp vier Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Trotz massiver Sanktionen und kleinerer Ölvorkommen exportierte Russland 2025 Rohöl im Wert von 125 Milliarden US-Dollar.

Russlands Wirtschaft im Fokus: Exportiert Venezuela bald mehr Rohöl?

Sollte Venezuela nun seinen Export steigern, könnte das die Ölpreise drücken – und damit auch Wladimir Putins Geldhahn zudrehen. Öl-Analyst Patrick De Haan erklärt gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Fortune: „Während viele berichten, dass die Ölinfrastruktur Venezuelas durch die Militäraktionen der USA unbeschädigt geblieben ist, befindet sie sich seit vielen Jahren im Verfall und es wird Zeit benötigen, sie wieder aufzubauen.“ Stehen die Chancen also schlecht für niedrigere Ölpreise?

Analyst Phil Flynn von der „Price Futures Group“ sieht zumindest eine große Gelegenheit: „Wenn es so aussieht, als ob die USA das Land in den nächsten 24 Stunden erfolgreich regieren können, würde ich sagen, dass es viel Optimismus geben würde, dass US-Energieunternehmen einsteigen und die venezolanische Ölindustrie ziemlich schnell wiederbeleben könnten.“ Sollte sich Venezuela wieder als Ölexport-Powerhouse etablieren können, sieht Flynn gute Chancen, dass auch die Ölpreise längerfristig sinken. Auf eine Frage eines Journalisten an Bord der Air Force One, ob Trump vor der Militäroperation mit den amerikanischen Ölfirmen gesprochen habe, erwiderte der US-Präsident: „Davor und danach. Sie wollen rein und werden großartige Arbeit leisten.“

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Laut Flynn könnte eine steigende Ölproduktion in Venezuela dann auch Russland hart treffen: „Für Russland war es von großem Vorteil, dass die Ölindustrie Venezuelas zusammengebrochen ist. Der Grund dafür ist, dass sie auf dem globalen Ölmarkt ein Konkurrent waren.“ Sollte dieser Konkurrent nun zurückkehren, könnte das einen Preisdruck für russisches Öl bedeuten.

Dabei ist Russlands Wirtschaft schon jetzt unter enormen Druck. Immer wieder treffen ukrainische Angriffe Russlands Ölraffinerien, Öldepots und Tanker. Im Dezember vermeldete die Ukraine fast täglich Angriffe und Treffer auf die russische Ölinfrastruktur. Laut einer Analyse des US-Nachrichtenportals Bloomberg gab es im Dezember insgesamt 24 Angriffe auf russische Raffinerien, Pipelines und andere Infrastruktur im Zusammenhang mit der Ölproduktion und dem Export.

Ukraine erhöht Druck auf Russlands Wirtschaft durch gezielte Angriffe auf Ölanlagen

Die ukrainische Strategie gegen russische Energieanlagen hat sich vor allem seit August deutlich intensiviert, wie CNN berichtet. Ein zentraler Wandel in der ukrainischen Taktik liegt in der systematischen Wiederholung von Angriffen auf dieselben Anlagen. Die Rosneft-eigene Saratow-Raffinerie wurde beispielsweise seit Anfang August mindestens achtmal getroffen, davon viermal allein im November. „Was früher gelegentliche Angriffe waren, die Schäden verursachen sollten, ist zu einer nachhaltigen Anstrengung geworden, Raffinerien daran zu hindern, sich jemals vollständig zu stabilisieren“, schrieb Nikhil Dubey, leitender Raffinerieanalyst bei der Daten- und Analysefirma Kpler, Anfang Dezember.

Die Angriffe auf die russische Infrastruktur machen sich bemerkbar. Russlands Ölexporte sanken im November auf den niedrigsten Stand seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Während Russlands Wirtschaft 2023 und 2024 noch um knapp vier Prozent wuchs, stagnierte Putins Wirtschaft 2025 bei um die ein Prozent, wie die Exil-Zeitung Moscow Times schreibt. Ein Anstieg der Öl-Exporte von Venezuela könnte die russische Wirtschaft somit noch weiter in Bedrängnis bringen – und der Ukraine mit ihren Angriffen auf Wladimir Putins Ölproduktion gezielt in die Hände spielen. (Quellen: Moscow Times/CNN/Fortune/Bloomberg) (sischr)