„Diese kleine Pause vom Laufen, für die Reinigung des Geistes, tut sehr gut“, sagt Robert Friedrich. Er sitzt auf der Sachsenbrücke in Leipzig und berichtet von seiner Reise. Neun Monate unterwegs zu sein, bedeute nicht nur körperliche Anstrengung. Es seien vor allem die unzähligen Eindrücke, Begegnungen und Gespräche, die irgendwann nachwirkten. Wieder zu Hause zu sein, Menschen zu treffen, die man kennt, und nicht jeden Tag Neues verarbeiten zu müssen – das sei fast genauso herausfordernd wie das tägliche Laufen gewesen.
3.500 Kilometer, viele Länder und noch mehr Geschichten
Seit dem Start in Leipzig hat der Wanderer Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien und die Türkei durchquert. Er war im Libanon und in Syrien, stand an der Grenze zum Irak. Unterwegs habe er Bäume gepflanzt, Straßenhunde und Katzen gerettet, in Moscheen übernachtet und auf Einladung Fremder gegessen, sagt Robert. Das aufregendste Erlebnis: ein Heißluftballonflug über Kappadokien in der Türkei. „Ich habe Höhenangst“, erzählt er. Das war eine krasse Überwindung!“. Und doch eines der prägendsten Erlebnisse der Reise.
Wenn man ein klares Ziel hat, ist erstaunlich viel möglich.
Robert Friedrich
Gerade diese Momente seien es, meint er, die das große Projekt ausmachten: immer wieder die eigene Komfortzone verlassen, Grenzen verschieben, körperlich wie mental. Dass Robert Friedrich heute problemlos 20 bis 30 Kilometer am Tag laufen kann, manchmal auch deutlich mehr, habe ihn selbst überrascht. „Wenn man ein klares Ziel hat und strukturiert darauf hinarbeitet, ist erstaunlich viel möglich.“
Die Welt wird kleiner und greifbarer
Mit jedem Land habe sich sein Blick auf die Welt verändert. Konflikte, die man sonst nur aus den Nachrichten kennt, wurden plötzlich konkret. Der Aufenthalt in Syrien, in dem vom Krieg gezeichneten Land, habe ihn nachhaltig geprägt. „Im Nachhinein ist das ganz schön eingesunken“, sagt er. Der Weg habe ihn bescheidener gemacht und dankbarer dafür, in Europa in Frieden und Freiheit leben zu können.
Einsamkeit, Gefahren – und Vertrauen
Nicht jeder Tag sei leicht gewesen. „Lange Etappen an viel befahrenen Straßen, mehrere hundert Kilometer ohne große Abwechslung, da hat sich auch Einsamkeit eingestellt“, erzählt Robert. „Alleinsamkeit“, nennt er das. Doch fast immer folgte auf ein Tief wieder ein Hoch: neue Begegnungen, neue Geschichten, neue Gastfreundschaft.
Ich bin nie weggeschickt worden.
Robert Friedrich
Ganz ohne brenzlige Situationen blieb die Reise dennoch nicht. In der Türkei standen ihm einmal mehrere Herdenschutzhunde gegenüber, in Bulgarien geriet er an Mitfahrer, die mit Messern posierten und Geld verlangten. Situationen, die ihm im Gedächtnis geblieben sind, ohne ihn vom Weitergehen abzuhalten. Denn Hilfe bekomme man im Zweifel überall. Ein paar Worte in der Landessprache, Übersetzungen auf dem Handy, Offenheit. „Ich bin nie weggeschickt worden“, sagt er.
Kurze Rückkehr – und bald wieder los
Der Grund für die Winterpause liegt nicht nur in der Sehnsucht nach der Familie. Abgelaufene Visa, organisatorische Hürden und die Planung der nächsten Etappen machten eine Unterbrechung notwendig. Bis Anfang Januar bleibt er in Deutschland, dann geht es weiter: in den Irak, in den Iran, später nach Afghanistan, Pakistan, Indien und Nepal. Die Reise wird länger dauern als ursprünglich geplant, voraussichtlich bis Ende 2027.