
marktbericht
Die Ereignisse in Venezuela ließen die Ölpreise zunächst einknicken. Unter der Ägide der USA könnte die Produktion wieder steigen, so das Kalkül. Das verhalf auch dem DAX zu einem neuen Rekordstand.
An diesem Montagmorgen kamen gleich mehrere Effekte zusammen, die den deutschen Aktienmarkt antrieben. Im frühen Handel erreichte der DAX mit einem Plus von 1,2 Prozent ein neues Rekordhoch von 24.825 Punkten, womit er seine alte Bestmarke aus dem Oktober bei 24.771 Punkten hinter sich ließ.
Zuletzt notierte der deutsche Leitindex allerdings nur noch bei 24.692 Punkten, was einem Plus von 0,6 Prozent entspricht.
Neue Hoffnungen am Ölmarkt
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Venezuela wirkte zunächst nicht negativ, sondern positiv auf die Kurse: Zum einen hat die Aussicht auf ein höheres Ölangebot die Ölpreise gedrückt. So sackte die Notierung für Rohöl der Nordseesorte Brent zunächst um 0,6 Prozent auf 60,53 Dollar pro Barrel (159 Liter) ab.
Unter US-Führung – so die Spekulation – könnten die maroden Ölanlagen Venezuelas modernisiert und möglicherweise internationale Sanktionen aufgehoben werden. Eigentlich verfügt das OPEC-Mitglied über die größten Ölreserven der Welt. Allerdings leidet seine Ölförderung neben den Sanktionen unter Misswirtschaft und mangelnden Investitionen.
Sanktionen bleiben vorerst bestehen
Nach der Gefangennahme von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro hatte US-Präsident Donald Trump zunächst erklärt, das US-Embargo für venezolanisches Öl bleibe in vollem Umfang in Kraft. Würden die internationalen Sanktionen aber aufgehoben, könne sich die Produktion um mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag erhöhen, schätzt die Rohstoffexpertin Helima Croft von RBC Capital.
Allerdings greifen die Spekulationen am Ölmarkt weit in die Zukunft – im Handelsverlauf am Montag holten die Ölnotierungen ihre Verluste denn auch wieder auf und zogen sogar weiter an. Schließlich dürften die Ölexporte des südamerikanischen Landes zunächst gestört werden.
OPEC reagiert vorerst nicht
Venezuela ist Gründungsmitglied des Ölkartells OPEC. In den 1970er-Jahren produzierte das Land bis zu 3,5 Millionen Barrel pro Tag, was damals mehr als sieben Prozent der weltweiten Ölförderung entsprach. Seither ist die Produktion zurückgegangen. In den 2010er-Jahren fiel sie unter zwei Millionen Barrel pro Tag und lag im vergangenen Jahr bei durchschnittlich rund 1,1 Millionen Barrel täglich.
Die OPEC selbst sprach nach eigenen Angaben in einer zehnminütigen Videokonferenz am Sonntag nicht über die Lage in Venezuela. Die Organisation hatte ihre Produktion im vergangenen Jahr peu à peu ausgeweitet. Da der Ölpreis unter anderem deswegen stark unter Druck geraten ist, soll das Ölangebot im ersten Quartal erst einmal nicht weiter erhöht werden.
Rüstungsaktien wieder gefragt
Der US-Angriff auf Venezuela hat den Leitindex DAX aber auch direkt gestärkt. Die schwierige geopolitische Lage gab den Rüstungsaktien einen neuen Schub. DAX-Mitglied Rheinmetall schoss um mehr als sieben Prozent in die Höhe.
Auch die Titel von Hensoldt und Renk waren stark gefragt.
Konjunkturhoffnungen erneuert
Die anfangs rückläufigen Ölpreise stärkten die zuletzt wieder aufgekeimte Hoffnung auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft im neuen Jahr. Bereits gegen Ende 2025 hatten Anlegerinnen und Anleger zunehmend auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft durch die schuldenfinanzierten Infrastruktur- und Rüstungsmilliarden der Bundesregierung sowie durch weniger Bürokratie gesetzt.
„Anleger scheinen fest entschlossen zu sein, die fundamentale Neuausrichtung der deutschen Wirtschaft – getragen von den Reformhoffnungen unter der Regierung Merz – in die Kurse einzupreisen“, schrieb Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades. Dennoch bleibe die Marktdynamik vorerst fragil, da das Handelsvolumen nach den Feiertagen erst allmählich wieder anziehe.
