Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat vor dem Gipfel zum Ukrainekrieg an diesem Dienstag in Paris hervorgehoben, dass Litauen sich auf den zugesagten Aufbau der deutschen Brigade im Land verlassen könne. Bei seinem Antrittsbesuch in der litauischen Hauptstadt Vilnius sagte Wadephul am Montag, die Ukraine brauche eine Vereinbarung zu Sicherheitsgarantien, und dafür brauche es amerikanisches Engagement in Europa. Wie das aussehe, werde diskutiert. Was Deutschland betreffe, stünden weder der Zeitplan für den Aufbau der deutschen Brigade noch deren Umfang zur Diskussion, sagte Wadephul. Die Brigade werde wie geplant einsatzbereit sein.

Offen bleibt jedoch, ob die Bundeswehr sich an einem Sicherungseinsatz in der Ukraine beteiligen könnte. Für einen solchen Einsatz treiben in der sogenannten Koalition der Willigen vor allem Frankreich und Großbritannien die Planungen voran. In Berlin wird hingegen vermieden, sich konkret zu möglichen deutschen Beiträgen zu einem solchen Einsatz zu äußern. Stattdessen wird auf die geleistete und zugesagte Hilfe für Kiew verwiesen sowie auf die erste in der Geschichte der Bundeswehr im Ausland stationierte Brigade in Litauen zur Sicherung der NATO-Ostflanke. Sie soll 2027 vollständig einsatzbereit sein.

Litauen kommt für die Vorbereitung des Standorts auf

Etwa 4800 Soldaten und 200 zivile Mitarbeiter sollen zu dieser Panzerbrigade 45 gehören, die am 1. April 2025 formal in Dienst gestellt worden ist – im Mai hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den feierlichen Aufstellungsappell in Vilnius besucht. Derzeit sind etwa 500 Angehörige der Brigade in Litauen, Mitte dieses Jahres sollen es etwa 2000 sein. Bislang wurden alle Dienstposten in Litauen mit Freiwilligen besetzt, es werde ein hohes Interesse daran in der Truppe vermerkt, heißt es aus der Bundesregierung.

Als einmalige Rüstungsinvestitionen für die Brigade rechnet man in Berlin mit bis zu sechs Milliarden Euro, auf etwa eine Milliarde Euro sollen sich die Betriebskosten belaufen, wenn die Brigade vollständig aufgestellt ist. Die Kosten in Höhe von rund einer Milliarde Euro für Infrastruktur und Vorbereitung des Standorts trägt Litauen. Es ist die größte staatliche Einzelinvestition in der Geschichte des Landes.

„Die Zusammenarbeit mit Deutschland ist äußerst wichtig“

In Rūdninkai und Rukla, die südlich und westlich von Vilnius liegen, sollen Teile der Brigade stationiert werden. Einen dritten Standort in Nemenčinė nordöstlich von Vilnius besuchte Wadephul am Montag. Zuvor war er in Vilnius mit Ministerpräsidentin Inga Ruginienė und Außenminister Kęstutis Budrys zusammengetroffen.

Litauen arbeite mit voller Kapazität, um die Vorbereitungen für die Brigade pünktlich abzuschließen, sagte Ruginienė. „Das zeigt, dass die Zusammenarbeit mit Deutschland für Litauen äußerst wichtig ist und Deutschlands Engagement für die Sicherheit des Ostflügels der NATO hoch geschätzt wird.“

Budrys äußerte, dass man in Litauen alles dafür tue, dass die deutschen Soldaten sich wohlfühlten. Die Brigade könne erfolgreich ihre Arbeit in Litauen „entfalten“. Bei Merz’ Antrittsbesuch im vergangenen Jahr war in Vilnius mit Wohlwollen aufgenommen worden, dass der Bundeskanzler die Sicherheit Litauens auch als Sicherheit Deutschlands eingeordnet hatte.

Wadephul und Budrys sprachen zudem über den Kampf gegen hybride Angriffe und Bedrohungen durch Russland, denen sich Litauen wie seine baltischen Nachbarn seit Jahren ausgesetzt sieht. Wadephul verurteilte die wiederholte Verletzung des litauischen Luftraums durch Schmuggelballons aus Belarus in den vergangenen Monaten scharf.