In der Hamburger Vahdet‑Moschee wurde am Silvesterabend eine Feier zum „Tag der Eroberung von Mekka“ abgehalten. Bilder von kleinen Mädchen mit Kopftuch und der Gesang eines Märtyrer-Lieds lösen nun heftige politische Reaktionen aus – vor allem wegen eines SPD-Abgeordneten.

Eine am Silvesterabend organisierte Feier zum „Tag der Eroberung von Mekka“ in einer Hamburger Moschee hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. Die Bilder und Schilderungen aus der Vahdet‑Moschee – kleine Mädchen mit Kopftuch auf der Bühne, ein Junge, der ein Märtyrer-Lied singt, ein Redner mit Sympathien für die Hamas – sorgen in Hamburg für Aufregung. Dass ein SPD-Parlamentarier im Saal saß, verschärft die Auseinandersetzung zusätzlich.

Die Feier, die offiziell einem historischen Ereignis der islamischen Tradition gewidmet war und laut Kritikern seit Jahren genutzt wird, um Muslime vom Silvesterfeiern abzuhalten, wurde in Wilhelmsburg gefeiert. Männer und Frauen saßen getrennt, auf der Bühne traten kleine Mädchen in religiöser Kleidung auf. Ein Jungenchor sang ein Lied, in dem von „Märtyrern“ und „Opfergaben auf dem Weg Allahs“ die Rede war. Hauptredner des Abends war der türkische Kolumnist und Theologe Özkan Yaman, der in der Vergangenheit Beiträge veröffentlicht hat, die sich wie eine Verherrlichung von Hamas-Führern lesen lassen.

Diese Szenen führten in den letzten Tagen zu scharfen politischen Reaktionen. Besonders die Teilnahme des SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ali Kazanci, der am Ehrentisch in der Moschee fotografiert wurde, rief Kritiker auf den Plan.

Die AfD spricht von einer „Islamistenfeier“, an der ein Sozialdemokrat teilgenommen habe. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion Krzysztof Walczak erklärte, die SPD zeige eine „gefährliche Blindheit“ gegenüber islamistischen Strukturen. Wer an einer solchen Veranstaltung sitze, trete demokratische Grundwerte mit Füßen, so Walczak. Seine Forderung lautet, Kazanci müsse sofort aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen werden.

Kein Ausrutscher, sondern ein „strukturelles Muster“

Auch die CDU wählt deutliche Worte. Deren innenpolitischer Sprecher Dennis Gladiator sieht in der Teilnahme eines SPD-Abgeordneten keinen Ausrutscher, sondern ein „strukturelles Muster“. Das Foto aus der Moschee sei „keine Ausnahme, sondern Ausdruck eines Netzwerks“, das seit Jahren in Hamburg geduldet werde. Gladiator fordert politische Konsequenzen: Die SPD solle Kazanci aus der Fraktion entlassen, die Stadt müsse ihre Staatsverträge mit dem muslimischen Dachverband Schura aussetzen. Auch deren Vorsitzender Fatih Yildiz war bei der umstrittenen Feier in der Moschee dabei. Es sei „politisch hochgefährlich“, so Gladiator, dass ein Verband, der immer wieder in Debatten um islamistische Tendenzen auftauche, weiterhin offizieller Vertragspartner der Stadt sei.

Die Schura, der Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg und größter Dachverband der muslimischen Gemeinden in der Stadt, weist diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Verband betont, die Feier habe ausschließlich der religiösen Erinnerung gedient. Eine Abwertung von Silvester oder anderen gesellschaftlichen Traditionen sei dort weder vermittelt noch intendiert worden. Zugleich räumt die Schura ein, von den problematischen Online-Äußerungen des Redners Yaman erst später erfahren zu haben. Man werde die Auswahl künftiger Gäste strenger prüfen. Der Verband warnt vor Generalverdächtigungen gegen muslimische Gemeinden und erklärt, nach seinem Kenntnisstand gebe es beim Vahdet-Verein keine nachgewiesenen extremistischen Verbindungen.

Die SPD-Fraktion wiederum hat sich nach internen Gesprächen hinter Kazanci gestellt – allerdings nicht ohne Distanzierung. In der gemeinsamen Erklärung macht die Fraktion deutlich, Antisemitismus und extremistisches Gedankengut hätten „keinen Platz“ in ihren Reihen. Weitergehende Vorwürfe gegen die SPD wies sie zurück. Kazanci selbst räumte ein, er habe die Einladung zu der Feier ohne sorgfältige Prüfung angenommen. Das sei ein Fehler gewesen, für den er um Entschuldigung bitte. „Heute ist für mich klar: Ich hätte eine entsprechende Prüfung der bekannten Teilnehmenden vornehmen und auf eine Teilnahme verzichten müssen.“

juve