Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke in Berlin

Stand: 05.01.2026 18:50 Uhr

Wer ist für den Stromausfall in Berlin verantwortlich? Aus Sicht der Bundesregierung ist die Authentizität des Bekennerschreibens einer „Vulkangruppe“ noch „nicht abschließend geklärt“. Wer sind diese Gruppen?

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist noch nicht sicher, wer hinter dem mutmaßlichen Anschlag auf das Berliner Stromnetz steckt. Eine linksextremistische Motivation sei „naheliegend“, aber die Ermittlungen liefen noch, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums. „Die Authentizität des Bekennerschreibens ist bislang aus unserer Sicht nicht abschließend geklärt.“ Darum kümmere sich das Bundesamt für Verfassungsschutz.

Auch der Generalbundesanwalt beobachte die Lage noch und habe die Ermittlungen bisher nicht übernommen, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte am Sonntag von Terrorismus gesprochen. Für den Stromausfall seien „offenkundig Linksextremisten“ verantwortlich. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben der „Vulkangruppe“ sei authentisch, hieß es in der Berliner Innenverwaltung.

Seit 2011 Brandanschläge

„Vulkangruppen“ sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf wichtige Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen haben, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt. Mehrfach sei es dadurch „zum Ausfall von Strom und Telekommunikation sowie zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr“ gekommen.

Obwohl die Gruppen schon lange aktiv sind und große Schäden anrichten, wissen die Verfassungsschutzbehörden und die Polizei wenig über sie. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.

Die Texte der Bekennerschreiben würden sich in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen so ähneln, dass man von einem (teil-)identischen Autorenkreis ausgehe. Auch ein Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deute auf eine feste Struktur hin. Zugleich gesteht der Verfassungsschutz ein: „Personenpotenzial in Berlin: nicht bekannt“.

Wechselnde Namen mit Vulkanbezug

In Bekennerschreiben würden meist wechselnde Namen, die sich auf isländische Vulkane wie Grimsvötn, Katla oder Ok beziehen, verwendet. Hintergrund sei vermutlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010, der den Flugverkehr in Europa wochenlang störte.

Als Ziel wählten die „Vulkangruppen“ meist Kabelschächte an Bahnlinien, Funkmasten, Datenleitungen und Firmenfahrzeuge. Die Sabotageakte sollten die Verwundbarkeit der Mobilitäts- und Kommunikationsinfrastruktur zeigen, die öffentliche Ordnung stören und großen Sachschaden anrichten, so der Verfassungsschutz.

Der Brand an einer Kabelbrücke am Berliner Teltowkanal und der darauffolgende Stromausfall war nach Erkenntnissen der Behörden durch Brandsätze verursacht worden.

Wie viele Anschläge verübten die Gruppen?

Die genaue Zahl der Anschläge der „Vulkangruppen“ ist nicht bekannt. 2024 hieß es, den Sicherheitsbehörden seien bislang elf strafbare Tatkomplexe bekannt, zu denen sich die Gruppen seit 2011 bekannt hätten. Später kamen weitere hinzu.

Am 23. Mai 2011 brannte eine Kabelbrücke am Berliner Bahnhof Ostkreuz. Es kam zu großen Störungen im Bahnverkehr. In einem Bekennerschreiben benannten sich die Täter nach dem isländischen Vulkan: „Das Grollen des Eyjafjallajökull“. Im März 2018 verübte laut Bekennerschreiben eine „Vulkangruppe“ in Berlin-Charlottenburg einen Brandanschlag auf Starkstromleitungen. Etwa 6.500 Wohnungen und 400 Firmen waren stundenlang ohne Strom. Der Sachschaden ging in die Millionen.

Verdacht auf Anschlag auf Tesla-Baustelle

2021 stehen die „Vulkangruppen“ im Verdacht, einen Brandanschlag auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verübt zu haben. Am 5. März 2024 legte eine entsprechende Gruppe Feuer an einen großen Strommast, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen wegen Terrorismusverdacht.

Am 1. Mai 2025 bekannte sich die Gruppe zu einem Brandanschlag an einem Trafohäuschen und einer Funkmastanlage in Berlin-Dahlem. Die Polizei hielt den Bekennertext für echt. In dem Schreiben hieß es: „Villenviertel lahmlegen. (…) Wir können uns diese Reichen nicht mehr leisten.“

Ob weitere Brandanschläge etwa im Februar 2025 auf einen Kabelschacht der Bahn mit Bezug zu Tesla auch im Zusammenhang mit den „Vulkangruppen“ stehen, ist unklar. Ähnlichkeiten gibt es aber: Das linksextremistische Bekennerschreiben im September war unterschrieben mit: „Einige Anarchist:innen“.