Die Sterilisation von Waschbären in Kassel ist umstritten: Das Projekt wurde schon nach wenigen Wochen wegen Bedenken von Jägern gestoppt. Jetzt hat sich das Bundesumweltministerium geäußert. Stadt und Wildtierhilfe hoffen auf einen schnellen Neustart.
Kassel gilt als Hotspot für Waschbären.
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02:30 Min.|05.01.26, 19:30 Uhr|hr
Kampf gegen invasive Tierarten – Waschbären in Kassel
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Das vorerst gestoppte Waschbär-Projekt in Kassel ist nach Ansicht des Bundesverbandes der Wildtierhilfen mit EU-Recht vereinbar. Das Bundesumweltministerium habe bestätigt, dass die Sterilisation oder Kastration invasiver Arten im Einklang mit der EU-Verordnung steht, teilte der Verband am Montag mit.
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00:23 Min.|Sina Philipps
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Damit sei die Behauptung des Hessischen Jagdverbandes widerlegt, wonach es verboten sei, sterilisierte Waschbären wieder auszusetzen, erklärte Geschäftsführerin Vera Heck. Der Verband hofft nun, das Projekt fortsetzen zu können.
Auch die Stadt Kassel würde gern schnell wieder starten: In einer Stellungnahme von Montagnachmittag bat sie „um eine zeitnahe Entscheidung der zuständigen Stellen, um Rechtssicherheit zu erhalten.“
Bundesländer entscheiden über Maßnahmen
Das Verbot der „Freisetzung“ beziehe sich auf Tiere, die erstmals ausgesetzt oder wiederansiedelt würden, betonte die Stadt. Das treffe im Fall des Waschbär-Projekts nicht anwendbar, „da die Waschbären bereits seit vielen Jahren in Kassel leben.“
Das Bundesumweltministerium hatte in einem Schreiben an die Wildtierhilfe mitgeteilt, dass Behörden die Möglichkeit haben, Tiere einzufangen, zu sterilisieren oder kastrieren und anschließend wieder freizulassen. Diese Vorgehensweise könne laut EU-Verordnung als Maßnahme gegen invasive Arten genutzt werden.
Zuständig dafür seien die einzelnen Bundesländer. Diese besäßen „hierbei beträchtlichen Gestaltungsspielraum und entscheiden über die Priorisierung und Auswahl der konkret zu treffenden Managementmaßnahmen“. Das gelte auch für das Projekt in Kassel.
Landesjagdverband strebt juristische Prüfung an
Der Landesjagdverband Hessen (LJV) hatte im August 2025 für den Stopp des Projekts gesorgt. Nach der Stellungnahme aus Berlin teilte ein LJV-Sprecher auf hr-Anfrage mit, man wolle das Ganze zunächst juristisch prüfen lassen.
Erneut bezeichnete der das Vorgehen als „einen erheblichen Eingriff an einem Wirbeltier“. Der Verband hatte schon in der Vergangenheit betont, dieser bedürfe einer tierversuchsrechtlichen Genehmigung durch die Veterinärbehörde.
Das Regierungspräsidium in Kassel hatte das Sterilisationsprojekt nach den Einwänden der Jäger zunächst pausiert. Welche Auswirkungen die Stellungnahme des Umweltministeriums auf eine mögliche Wiederaufnahme habe, konnte ein Sprecher zunächst nicht sagen. Man wolle sich mit dem Hessischen Umweltministerium abstimmen, hieß es.
Wildtierverband hält Jagd für „nicht erfolgreich“
Die Ausbreitung der Waschbären zeige, dass die Jagd in den vergangenen Jahrzehnten nicht erfolgreich war, so der Bundesverband der Wildtierhilfen.
Besonders in Städten sei das Einfangen aufwendig. Außerdem würden die wenigsten Eigentümer wollten, dass die gefangenen Tiere auf ihrem Grundstück und auf ihre Kosten erschossen werden, wie es nach dem Jagdgesetz passieren müsse.
Projekt kurz nach Start gestoppt
Das Kasseler Pilotprojekt war Anfang August 2025 gestartet und sollte die Waschbärenpopulation in Kassel verringern. Ein Team aus Ehrenamtlichen, Biologen und Tierärzten sollte die Tiere mithilfe von kameraüberwachten Lebendfallen einfangen, sterilisieren oder kastrieren und anschließend am jeweiligen Fundort wieder freilassen. Geplant war eine Laufzeit von drei Jahren.
Kassel gilt als Hotspot für Waschbären. Nach Schätzungen lebt dort mehr als 10.000 Tiere. Studien der Universität Frankfurt zeigen, dass Waschbären gezielt Brutstätten von Amphibien, Reptilien und bodenbrütenden Vögeln zerstören und damit heimische Arten gefährden.
Redaktion:
Stefanie Küster
Sendung:
hr INFO / hr-fernsehen, hessenschau, 05.01.2026 16:45 / hr-fernsehen, hessenschau,
05.01.26, 19:30 Uhr
Quelle: hessenschau.de, epd